Wird Céline Amaudruz die erste SVP-Frau im Bundesrat?

- Nach elf Jahren im Bundesrat tritt Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) per Ende Jahr zurück.
- Die SVP sucht nun eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger – als Favoritinnen gelten Natalie Rickli und Céline Amaudruz.
- Eine SVP-Frau sass noch nie in der Landesregierung – Parmelins Nachfolge könnte eine Premiere bringen.
Nach elf Jahren im Bundesrat ist Schluss: Per Ende Jahr verabschiedet sich Wirtschaftsminister Guy Parmelin (66) als amtierender Bundespräsident aus der Landesregierung. Damit beginnt für die SVP die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger.
Die Departemente mit «den grössten Zukunftsproblemen und dem grössten Führungsdefizit sind das EJPD sowie das VBS», schreibt die SVP. Da eines dieser Departemente frei werden und der SVP zufallen könnte, werde die Partei bei der Nachfolge «besonderes Augenmerk auf die Fähigkeit zur Übernahme der Führungsverantwortung für das EJPD und das VBS legen.»
Weil schon länger mit dem Rücktritt gerechnet wurde, dürften sich viele SVP-Promis bereits Gedanken gemacht haben. Eine der grossen Fragen wird sein, ob die SVP Parmelin mit einem Deutschschweizer ersetzen will. Mit Elisabeth Baume-Schneider und Ignazio Cassis bleiben Romandie und Tessin im Bundesrat vertreten.
Zu einer Premiere könnte es ebenfalls kommen: Noch nie sass eine SVP-Frau in der Landesregierung, da Eveline Widmer-Schlumpf 2007 umgehend aus der Partei geschmissen wurde. 20 Minuten zeigt, wer im Dezember zum Favoritenkreis gehört.
Natalie Rickli: Die Prominente
Die Zürcher Gesundheitsdirektorin sass von 2007 bis 2019 im Nationalrat und profilierte sich besonders in den Bereichen Medien und Kinderschutz. Ihre Kontakte in die Fraktion dürften nach wie vor gut sein. Dazu kann sie mehrere Jahre Regierungserfahrung im grössten Kanton vorweisen.
Als Zürcherin passt auch der Heimatkanton, da dieser aktuell nicht im Bundesrat vertreten ist. Nach dem Austritt von Ständerat Daniel Jositsch hatte sie kurz mit dem Gedanken gespielt, für die Kleine Kammer zu kandidieren, verwarf das aber rasch wieder. Auch ihr Alter von 49 Jahren würde für eine Kandidatur passen.
Céline Amaudruz: Parmelins Vertraute
Die Genferin sitzt seit 2011 im Nationalrat und ist vor allem in der Romandie bekannt. Die 47-Jährige ist SVP-Vizepräsidentin und galt als Strippenzieherin bei der Wahl Parmelins. Politisch weicht sie in gesellschaftspolitischen Fragen auch mal von der Parteilinie ab.
Vor etwa zehn Jahren sorgte sie für Schlagzeilen, als sie betrunken durch Genf fuhr – und vom Polizeiposten aus Parmelin anrief. Privat freute sie sich im letzten Jahr über die Geburt ihres zweiten Kindes.
Pascal Schmid: Der Asyl-Experte
Der Thurgauer Pascal Schmid ist erst seit 2023 Nationalrat, machte sich aber als neuer Asylchef einen Namen in der Sünneli-Partei. Der Jurist und ehemalige Richter sprach die erste lebenslängliche Verwahrung der Schweiz aus.
Die SVP-nahe «Weltwoche» portierte Schmid kürzlich als idealen Bundesratskandidaten, der das Justiz- und Asyldossier von SP-Magistrat Beat Jans übernehmen könnte. Jüngst diese Woche hat er bekannt gegeben, im Herbst für den Ständerat zu kandidieren.
Esther Friedli: Die Gastro-Ständerätin
Esther Friedli schaffte 2023 das, woran zuvor viele SVP-Vertreter gescheitert sind: Sie sicherte der SVP einen St. Galler Ständeratssitz. Dieser Erfolg sorgte für ein hohes Standing innerhalb von Partei und Fraktion.
Die 49-Jährige ist Gastronomin und seit Kurzem mit dem langjährigen SVP-Chef Toni Brunner verheiratet. Ihr grosses Manko ist, dass mit Karin Keller-Sutter bereits eine Vertreterin des Kantons St. Gallen im Bundesrat sitzt.
Magdalena Martullo-Blocher: Die Unternehmerin
Sollte SVP-Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher antreten, könnte sie in die Regierungs-Fussstapfen ihres Vaters treten. Bereits bei früheren Vakanzen wurde die Unternehmerin heiss gehandelt, verzichtete aber.
Sie müsste die Führung der EMS-Chemie abgeben. Und ob die Unterstützung in anderen Fraktionen gross genug wäre für eine Wahl, scheint unklar.
Gregor Rutz: Der Hauseigentümer-Chef
Der Zürcher Gregor Rutz hat seine Schwerpunkte in den Bereichen Medienpolitik und Immobilien. Der Präsident des Schweizerischen Hauseigentümerverbands amtet seit 2012 als Nationalrat und ist als ehemaliger Generalsekretär bestens vertraut mit der Partei und den Mechanismen im Bundeshaus.
2022 sagte er nach dem Rücktritt von Ueli Maurer, viele hätten ihn zu einer Kandidatur ermuntert. Er verzichtete jedoch nach Bedenkzeit.
Was ist mit Dettling, Grüter & Co.?
Als grösste Partei des Landes gibt es in der SVP auch viele weitere prominente Namen. Parteipräsident Marcel Dettling und der Luzerner Nationalrat Franz Grüter etwa haben aber eine Kandidatur 2022 klar ausgeschlossen.
Nach dem Rücktritt Parmelins sagt Grüter allerdings, er werde von verschiedenen Seiten angefragt. «Ich werde mir Gedanken machen», sagt Grüter vielsagend.
Bei anderen möglichen Interessierten wie den Bernern Werner Salzmann und Lars Guggisberg passt die Herkunft nicht, weil Albert Rösti aus dem gleichen Kanton stammt.
Welcher SVP-Name würde Dich bei der Bundesratsnachfolge am ehesten neugierig machen?
Gut möglich ist auch, dass ein eher unbekannter Regierungsrat plötzlich auf den Schild gehoben wird, wie es etwa die Mitte mit dem Zuger Martin Pfister erfolgreich getan hat. Sicher ist bloss: Die nächsten Wochen werden in der SVP höchst interessant.
Findungskommission eingesetzt: Kandidaten müssen bis am 23. Oktober melden
Die SVP hat eine Findungskommission unter Leitung von alt Nationalrat Caspar Baader eingesetzt. Die Kantonalsektionen müssen dieser bis am 23. Oktober ihre Kandidaturen melden. Im Anschluss finden Anhörungen statt.
Bis am 13. November will die Kommission der Fraktionsspitze ihren Antrag unterbreiten. Die Nomination durch die Fraktion findet am Freitag, 13. November statt. Die Wahl durch die Bundesversammlung ist für den 9. Dezember geplant.
Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.
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