Globaler Drogenhandel: Afrikas Rolle wandelt sich
Jahrelang war Afrika vor allem als Umschlagplatz für internationale Drogenhandelsnetzwerke bekannt.
Jüngste Drogenbeschlagnahmungen und die Entdeckung von Laboren zeigen jedoch, dass illegale Drogen nicht mehr nur durch afrikanische Länder transportiert werden – sie werden dort zunehmend auch hergestellt.
Die jüngsten Entdeckungen von Methamphetamin-Labors in Ländern wie Nigeria, Südafrika, Kenia und Mosambik schüren die Befürchtung, dass Afrika zu einem bedeutenden Produktionszentrum für synthetische Drogen wird.
Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sind an der Herstellung synthetischer Drogen zunehmend transnationale kriminelle Netzwerke und geheime Labore beteiligt, die sowohl den lokalen als auch den internationalen Markt beliefern können.
Nigerias größte Razzia in einem Meth-Labor
Die Debatte bekam in diesem Jahr eine neue Dringlichkeit, nachdem die nigerianische Nationale Drogenbekämpfungsbehörde (NDLEA) das eigenen Angaben zufolge größte geheime Methamphetamin-Labor zerschlagen hatte, das jemals in dem Land entdeckt wurde.

Die Operation im südwestlichen Bundesstaat Ogun führte zur Festnahme von zehn Verdächtigen, darunter drei mexikanische Staatsangehörige, die laut NDLEA ins Land gebracht worden waren, um bei der Herstellung von Methamphetamin zu helfen.
Der Vorsitzende der NDLEA, Mohamed Buba Marwa, erklärte, die Beamten hätten mehr als 2,4 Tonnen Methamphetamin, Vorläuferchemikalien und andere Materialien mit einem geschätzten internationalen Marktwert von etwa 363 Millionen US-Dollar (rund 312 Millionen Euro) beschlagnahmt.
Das Ausmaß der Operation sorgte in Nigeria für großes Aufsehen. "Das ist nicht mehr etwas, das man nur in Filmen sieht", so DW-Korrespondent Olisa Chukwumah. "Wenn nun tatsächlich in Nigeria produziert wird, wirft das ernste Fragen auf, wie groß das Ausmaß des lokalen Konsums ist."

Chukwumah erklärt, die nigerianischen Behörden hätten zwar auch schon zuvor Meth-Labore entdeckt - die Größe und der technische Aufwand der jüngsten Operationen deuteten aber darauf hin, dass sich die Netzwerke zur Drogenherstellung immer besser etablierten.
Warum die Drogenproduktion zunimmt
Laut Dokun Adedeji, Mitbegründer der "Compassionate Care Recovery Initiative", einer gemeinnützige Organisation, die Menschen mit Suchterkrankungen unterstützt, hat sich die Drogensituation in Nigeria im Laufe des letzten Jahrzehnts erheblich verändert: "Früher dachten wir, wir seien nur ein Transitland", erklärt er gegenüber der DW. "Dann wurden wir zu einem Konsumland. Jetzt stellen wir fest, dass wir auch ein Produktionsland sind."
Er weist darauf hin, dass die Behörden im Laufe der Jahre Dutzende kleinerer Labore aufgedeckt hätten. Meth-Produktionsstätten seien in mehreren Bundesstaaten identifiziert worden.

Laut UNODC gehen der steigende lokale Drogenkonsum und die Ausweitung der illegalen Drogenmärkte mit dem Wachstum der Produktion synthetischer Drogen in Westafrika einher.
Die menschlichen Kosten des Drogenmissbrauchs
Adedeji beschreibt die Auswirkungen von Drogenlabors als "verheerend und zerstörerisch". Drogenmissbrauch trage zu Schulabbrüchen, zum Zerfall von Familien, zu psychischen Problemen und zu zunehmender Kriminalität bei.
Viele Familien hätten aufgrund von Stigmatisierung und Angst vor öffentlicher Verurteilung Schwierigkeiten, Hilfe zu suchen: "Wir sehen jeden Tag, wie Familien leiden", sagt er. "Viele Menschen können aus Sorge um ihren Ruf und vor Diskriminierung nicht offen über ihre Sucht sprechen."

Laut UNODC sind zunehmend junge Menschen von Drogenkonsumstörungen betroffen; 34 Prozent der Menschen in Afrika, die wegen solcher Störungen behandelt werden, sind unter 25 Jahre alt.
Neben traditionellen Drogen wie Cannabis greifen Konsumenten zunehmend zu synthetischen Substanzen, darunter Methamphetamin, das auf der Straße oft als "Ice" bekannt ist. Zudem nimmt der Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente zu, und es gibt Berichte über Experimente mit gefährlichen Inhalationsmitteln und anderen giftigen Substanzen.
Kann Nigeria die Drogenproduktion eindämmen?
Die NDLEA hat ihre Durchsetzungsmaßnahmen in den letzten Jahren intensiviert, was zu einer Reihe von vielbeachteten Drogenbeschlagnahmungen und Festnahmen geführt hat. Außerdem intensivieren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ihre Aufklärungskampagnen, insbesondere auf Universitätsgeländen, wo der Drogenkonsum immer sichtbarer wird.

Nach wie vor gibt es keinen koordinierten, von oben gesteuerten politischen Ansatz, sagt Chukwumah. Und ein Großteil der Aufklärungsarbeit werde von zivilgesellschaftlichen Gruppen geleistet.
Adedeji argumentiert, dass eine ausschließlich auf Bestrafung ausgerichtete Politik die Konsumenten oft in den Untergrund treibt. Das mache es für Behörden und Gesundheitsdienstleister schwerer, Menschen mit Suchterkrankungen zu identifizieren und zu unterstützen.
Das UNODC und zivilgesellschaftliche Gruppen plädieren für eine umfassendere Strategie, die über die Strafverfolgung hinausgeht. Zu den diskutierten Vorschlägen gehören strengere nationale Maßnahmen gegen Drogenmissbrauch, erweiterte Rehabilitationsangebote, Drogenpräventionsprogramme am Arbeitsplatz sowie eine verstärkte regionale Zusammenarbeit in Westafrika.
Adaptiert aus dem Englischen vom Nikolas Fischer. Dieser Artikel basiert auf einer Folge des AfricaLink-Podcasts der DW.
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