2. SRG-Umfrage – Ernährungsinitiative verliert deutlich an Zustimmung

- Die Ernährungsinitiative verliert deutlich an Zustimmung, wie die zweite SRG-Umfrage im Auftrag von GFS Bern zeigt.
- Wäre Anfang September abgestimmt worden, hätten 64 Prozent des Stimmvolks die Vorlage abgelehnt, 33 Prozent hätten ihr zugestimmt.
- Seit der ersten SRG-Umfrage ist der Ja-Anteil damit um 14 Prozentpunkte gesunken.
Aus der Pattsituation der ersten Umfrage hat sich mittlerweile ein deutlicher Nein-Trend gebildet. 71 Prozent äussern inzwischen eine feste Stimmabsicht, 11 Prozentpunkte mehr als in der ersten Umfrage. 3 Prozent bleiben unentschlossen.
Das fordert die Ernährungsinitiative
Box aufklappen Box zuklappen
Die Ernährungsinitiative verlangt, dass die Schweiz einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt. Dazu sollen weniger tierische und mehr pflanzliche Lebensmittel produziert werden. So lassen sich laut Initiativkomitee mit der gleichen Fläche mehr Menschen ernähren.
Die Vorlage, die von ökologischen Gruppierungen wie etwa dem Verein «Sauberes Wasser für alle» unterstützt wird, will zudem das Trinkwasser besser schützen und die Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität erhalten. Die Ziele sollen innerhalb von zehn Jahren nach Annahme der Initiative realisiert werden.
Der Bundesrat und das Parlament empfehlen, die Initiative abzulehnen.
Verfestigt haben sich auch die Erwartungen an den Abstimmungsausgang: 86 Prozent der Stimmberechtigten rechneten Anfang September mit einer Ablehnung, 10 Prozentpunkte mehr als in der ersten Umfrage. 14 Prozent erwarteten eine Annahme. Im Mittel wurde der Ja-Anteil auf 39.4 Prozent geschätzt.
Nur die Grünen bleiben klar für die Vorlage
Die stärkste Trennlinie verläuft entlang der Parteibindung. Bei den Grünen findet die Initiative mit 78 Prozent klare Unterstützung – trotz eines Rückgangs um 6 Prozentpunkte.
Bei den SP-Sympathisierenden ist der Ja-Anteil auf 49 Prozent gesunken, bei der GLP auf 42 Prozent. Damit gibt es in beiden Parteimilieus keine Ja-Mehrheit mehr. Bei der Mitte sind 22 Prozent für die Vorlage, bei der SVP 17 Prozent und bei der FDP 12 Prozent. Unter den Parteiungebundenen kommen 33 Prozent auf Ja.
Die Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppen bleiben bestehen, doch die Zustimmung sinkt durchgehend. Das zeigt sich nach Alter als auch nach Geschlecht. Bei den Frauen liegt der Ja-Anteil bei 38 Prozent, bei den Männern bei 28 Prozent. Unter den unter 40-Jährigen beträgt er 39 Prozent, bei den 40- bis 64-Jährigen 31 Prozent und bei den über 65-Jährigen 30 Prozent.
Gerade bei Frauen und jüngeren Stimmberechtigten sei noch Bewegung möglich, sagt Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstitutes GFS Bern.
Stossrichtung findet Anklang, Vorlage überzeugt weniger
Die wichtigsten Argumente für die Initiative bleiben mehrheitsfähig, verlieren aber an Zustimmung. 78 Prozent befürworten den Schutz der Wasservorkommen, 71 Prozent sehen in der Vorlage einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und 62 Prozent einen Nutzen für Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft.
Die Stossrichtung der Initiative, etwas für das Klima, das Wasser und die Biodiversität zu tun, nimmt die Stimmung im Land auf.
«Die Stossrichtung der Initiative, etwas für das Klima, das Wasser und die Biodiversität zu tun, nimmt die Stimmung im Land auf», sagt Golder. Die grundsätzlichen Anliegen fänden damit zwar Zustimmung. Die konkreten Forderungen überzeugten jedoch weniger.
Die Initiative scheitert an den weitgehenden Forderungen: dem Tempo und dem hohen Grad der Selbstversorgung.
74 Prozent halten es für wenig realistisch, den Selbstversorgungsgrad innerhalb von zehn Jahren auf 70 Prozent zu erhöhen. 69 Prozent sehen in den starren Fristen eine Gefahr für laufende Investitionen und höhere Kosten.
Golder sagt: «Die Initiative scheitert an den weitgehenden Forderungen: dem Tempo und dem hohen Grad der Selbstversorgung.»
Ernährungsinitiative im Schatten der Neutralitätsinitiative
Die Ernährungsinitiative erhält laut Golder vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit und laufe im Schatten der Neutralitätsinitiative. «Sie löst keinen Begeisterungssturm aus, und nimmt nicht ein Problem auf, das viele sehen.» Deshalb könne sich der Nein-Trend bis zum Abstimmungssonntag vom 27. September weiter verstärken: «Wir erwarten darum sogar noch tiefere Werte.»
Auch die politische Unterstützung bleibt begrenzt. Bei den Parteien empfehlen einzig die PdA und die Jungen Grünen ein Ja, die Grünen haben Stimmfreigabe beschlossen.
Die Eckwerte der SRG-Umfrage
Box aufklappen Box zuklappen
Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 27. September 2026 ist im Auftrag der SRG vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 2. und dem 9. September 2026 durchgeführt worden. Der mittlere Befragungstag war der 5. September 2026. Insgesamt wurden die Antworten von 12'916 stimmberechtigten Teilnehmenden für die Auswertung berücksichtigt: 10'893 aus der Deutschschweiz, 1657 aus der französischen und 366 aus der italienischen Schweiz.
Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.
Telefonische Befragung
Telefonisch befragt wurden 509 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.
Onlinebefragung
Zusätzlich konnten online bereinigte Angaben von 11'904 Personen und via Social Media 503 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden dazu unter anderem über die Webportale der SRG rekrutiert.
Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden aber mittels Gewichtungen an die realen Verhältnisse der Stimmberechtigten angenähert. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.
Abstimmungsdossier
Box aufklappen Box zuklappen
Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.