Reiche will Gasspeicher kurzfristig auffüllen lassen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ist in Gesprächen mit den beiden bundeseigenen Energiekonzernen Sefe und Uniper, um die Gasspeicher besser zu füllen. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr, sollen entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Die Kosten würden dann vom Markt getragen und nicht wie bei einem staatlichen Eingriff von den Steuerzahlern oder den Gaskunden über eine Umlage.
Der Kanzler kündigt schnelles Handeln an, lässt konkrete Maßnahmen aber offen. Im Gespräch sind Tankrabatt, Übergewinnsteuer und gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte und Unternehmen.
16.09.2026 | 2:16 minDie CDU-Politikerin plant aber keinen neuen staatlichen Gaseinkauf wie 2022, sondern will ein bereits vorhandenes Instrument - sogenannte Long Term Options (LTO) - in größerem Umfang einsetzen. Das hat die Nachrichtenagentur Reuters von einem Regierungsinsider erfahren. Parallel seien mit Uniper und Sefe höhere Gaseinspeicherungen vereinbart worden.
Sefe und Uniper wollen Verpflichtungen nachkommen
Zuerst hatte der "Spiegel" berichtet, der Gasimporteur Sefe und der Energiekonzern Uniper hätten der Bundesregierung nach Angaben von Insidern informell zugesichert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit bis zum Beginn der Heizperiode noch so viel Erdgas wie möglich in die Speicher kommt.
Eine Uniper-Sprecherin sagte, der Konzern stehe im regelmäßigen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, Behörden und Marktteilnehmern zu Fragen der Versorgungssicherheit und der Entwicklung der Energiemärkte. Seiner Aufgabe, die vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen, komme Uniper vollumfänglich nach.
Rund 3,8 Millionen Menschen hatten im vergangenen Jahr Probleme, ihre Rechnungen bei Energieversorgern zu zahlen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind das 4,6 Prozent.
14.09.2026 | 0:21 minDie von Uniper betriebenen Speicher sind bereits vergleichsweise gut gefüllt, anders als der von Sefe betriebene größte deutsche Speicher im niedersächsischen Rehden.
Insgesamt Speicher deutlich geringer gefüllt
Die Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 56 Prozent befüllt. Der Gasimporteur Sefe befindet sich vollständig im Bundesbesitz, der Energiekonzern Uniper zu 99 Prozent.
Füllstand der deutschen Gasspeicher
ZDFheute Infografik
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Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter. Derzeit sind die Preise infolge des Iran-Kriegs jedoch sehr hoch, so dass eine Einspeicherung wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Die Folge: Die Speicher sind deutlich geringer gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit.
"Wir müssen Geld an die Menschen zurückgeben", fordert der stellv. Grünen-Fraktionschef Andreas Audretsch. Eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne und die Senkung der Stromsteuer sollen Bürger entlasten.
16.09.2026 | 6:16 minWeiteres Instrument
Reiche ist zudem im Gespräch mit dem Markt über zusätzliche Anreize zum Befüllen der Gasspeicher. Dazu geht es um Ausschreibungen sogenannter Long Term Options. Der Pro-Newsletter Energie & Klima des Nachrichtenmagazins "Politico" berichtete zuerst, eine für den Herbst angedachte Ausschreibung solle um eine noch zu bestimmende Gasmenge erhöht werden.
Über die ausgeschriebenen Optionen reserviere der Erdgas-Marktmanager Trading Hub Europe (THE) Gaslieferungen bei Händlern und zahle ihnen dafür eine Gebühr. Die Händler müssten die Gasmengen in ihren Speichern für einen bestimmten Zeitraum vorhalten und gegebenenfalls zukaufen. Ziehe THE die Option, müssten die Händler liefern und bekämen einen garantierten Höchstpreis.
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher warnen Verbraucherschützer vor steigenden Preisen. Die Sperrung der Straße von Hormus erschwert den Transport von Gas und Öl.
20.08.2026 | 2:54 minReiche: Vorkehrungen getroffen
Reiche hatte vor einer Woche die Handlungsfähigkeit der Regierung betont. "Wir haben Vorkehrungen getroffen, für jedes Szenario", sagte sie im Bundestag. Reiche sagte zudem:
Aber der Staat darf nicht selbst zum Preistreiber werden. Sonst sind hohe Energiepreise das Ergebnis, und unsere Wirtschaft wird noch mehr belastet.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin
2022 war über einen staatlichen Eingriff Gas gekauft worden, weil nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Gaslieferungen aus Russland ausblieben und eine Versorgungskrise drohte. Finanziert wurde dies über eine mittlerweile abgeschaffte Gasspeicherumlage für Gaskunden. In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hieß es: "Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten."
In einem Ministeriums-Papier von Mitte August hieß es, die Wintervorsorge bleibe zunächst Aufgabe des Marktes.
Quelle: dpa, Reuters
Über das Thema Sicherheit der Energieversorgung berichtete das ZDF mehrfach, etwa im ZDF-Morgenmagazin am 16.09.2026 ab 05:30 Uhr.
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