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Saturday, October 24, 2026

Französische Verhältnisse?: Wer hinter "Gen Z regelt" und den geplanten Protesten in Deutschland steckt

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Französische Verhältnisse?Wer hinter "Gen Z regelt" und den geplanten Protesten in Deutschland steckt

24.10.2026, 07:44 Uhr

imageVon Johanna Wagner

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Mit friedlichen Schülerprotesten hatten die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich nichts mehr zu tun. (Foto: picture alliance/Hans Lucas | Valentin Faivre)

Was als Schülerdemonstration begann, mündete im Nachbarland Frankreich in gewalttätigen Ausschreitungen. Nun ruft die Generation Z auch für Deutschland zu Protesten auf. Diese Organisatoren stecken dahinter - und damit rechnet die Polizei.

Wie gruselig wird Halloween dieses Jahr? Eine Frage, die sich die deutschen Sicherheitsbehörden gerade stellen müssen. Viele Protestaufrufe der "Gen Z" für den 31. Oktober erwecken den Eindruck, an Halloween könnten auch in Deutschland französische Zustände herrschen. Unter der Generation Z werden die Jahrgänge zwischen Mitte der 1990er- und Ende der 2010er-Jahre gefasst. Und auf Tiktok und Instagram scheinen die gerade vor allem eines zu sein: unzufrieden.

Dort finden sich viele Ankündigungen für Demos, die meist mit KI generiert sind. Nun ist so ein Plakat schnell erstellt. Wer also steckt hinter diesen Aufrufen - und wie ernst sind sie zu nehmen?

Schülerproteste: "Gen Z regelt"

Ein Großteil der Aufrufe sind "Gen Z regelt" zuzuordnen. Die Gruppierung hat bereits eine eigene Homepage mit einem eigenen Logo: ein orangefarbenes Eichhörnchen auf schwarzem Untergrund. Dort spricht die Gruppe zwar von Demonstrationen in 21 Städten - sie übernimmt aber die Verantwortung nur für die Proteste in fünf Städten: Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München. Welche Personen und Verbände hinter den weiteren Aufrufen stecken, bleibt unklar.

Ziemlich viele Sorgen

Die Homepage von "Gen Z regelt" wirkt extrem professionell, die Tipps zur Vorbereitung einer Demo sind bemerkenswert detailliert, die inhaltliche Ausrichtung aber bleibt diffus.

Das veranschaulicht auch das Positionspapier, das man auf der Homepage herunterladen kann. Demnach bewegt die "Gen Z" ziemlich viel: die kaputten Schulen und der Sparkurs, steigende Lebenshaltungskosten, die Wehrpflicht und die Musterung. Außerdem seien eine ungerechte Lastenverteilung, mehr Überwachung und Fachkräftemangel ein Thema.

Etwas fokussierter wird die Gruppe in ihren Forderungen an die Politik: Die solle in "Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben" investieren - "statt bei der jungen Generation zu sparen".

Wie radikal ist "Gen Z regelt"?

Die Frage, die sich gerade vorrangig aufdrängt, ist: Wie gewaltbereit ist die Gruppierung? Auf der Homepage zumindest distanzierten sich die Organisatoren explizit. Sie schreiben: "Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen." Auch in den Telegram-Gruppen wird widersprochen, wenn einzelne zu Gewalt aufrufen.

Interessant sind in dieser Hinsicht allerdings die Tipps, die auf der Homepage zur Vorbereitung der Demos gegeben werden: Den Teilnehmern wird geraten, sich mit Fake-Namen anzusprechen. Empfohlen wird zudem, sich Notfallnummern zu notieren, als Beispiel wird auch der vom Verfassungsschutz teils als linksextrem eingestufte Verein "Rote Hilfe" genannt. Auf der Homepage wird auch das "Kesseln" durch die Polizei und der Sinn von Gedächtnisprotokollen erklärt - und wie man sich am besten Tränengas aus den Augen wischt. Stecken hinter diesen Tipps wirklich ein paar unzufriedene Jugendliche? Sind das nicht eher Tipps von erfahreneren Gruppen?

Anruf bei einem der Organisatoren

Im Impressum steht der Name Akram Selo mit einer Adresse in Süddeutschland, der "Stern" erreicht den jungen Mann telefonisch. Selo sagt, er sei Abiturient und 18 Jahre alt. Natürlich habe er bei der Homepage auch KI als Hilfsmittel benutzt, sagt Selo, aber den Großteil selbst entwickelt. Dahinter stehe eine Gruppe "junger Menschen, die etwas ändern wollen".

Der enge Organisationskreis von "Gen Z regelt" bestehe demnach aus etwa 20 bis 30 Personen. Man habe sich online über Tiktok gefunden und zusammengeschlossen, die Mitglieder seien in ganz Deutschland verteilt.

"Wir sind gegen Rechts"

Darauf angesprochen, dass sich die Hinweise auf die Demo-Vorbereitung teilweise nach linken Strukturen anhören, sagt Selo: "Auch wenn unsere Struktur oder unsere Forderungen teilweise links klingen mögen, arbeiten wir unparteilich." Es handle sich einfach um den Zusammenschluss von einzelnen, jungen Menschen. "Ich bleibe dabei: Wir arbeiten unabhängig und ohne die Unterstützung von Organisationen."

Auch wenn er sagt, die Gruppe habe keine politische Ausrichtung, distanziert er sich zumindest von einer spezifischen: "Wir sind gegen jede Form von Diskriminierung und gegen Rechts", sagt er im Gespräch. Er betont mehrfach, die Gruppe sei gegen Gewalt. Und verantwortlich sei er nur für die "Gen Z regelt"-Accounts und die Demonstrationen in den von ihnen benannten fünf Städten. Zum Hintergrund anderer Organisationen könne auch er nichts sagen.

Wie handhabt es die Polizei?

Auf Bundesebene hat man das Phänomen auf dem Schirm. Bund und Länder tauschten sich eng aus, sagt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin - so zum Beispiel im gemeinsamen Extremismus- und Terrorabwehrzentrum. Die Gewerkschaft der Polizei warnt davor, dass Linksextreme die Proteste kapern könnten. In Berlin sehe man bereits Verbindungen zu anderen, linken Gruppierungen.

Der "Stern" hat die Polizei in zehn Großstädten angefragt. Zurück meldeten sich die Polizeibehörden aus Hamburg, Berlin, Stuttgart, München und Bremen. Die meisten Ansprechpartner geben sich entspannt: Momentan gehe man von keiner akuten Gefahr aus. Man habe die Lage aber im Blick und würde reagieren, wenn es konkrete Gefährdungshinweise gebe.

Es könnten viele werden

Die Anmeldung von Demonstrationen bestätigten bisher die Polizei in Leipzig, München und Stuttgart. Für die von "Gen Z regelt" angekündigten Demonstrationen in Berlin und Hamburg scheint noch keine Anmeldung vorzuliegen, auch Köln meldet bis zum Mittwochnachmittag keine.

Das schmälert das Interesse bisher nicht. Zumindest steigen die Zahlen für die Anmeldungen auf der Homepage rasant. Am Freitagvormittag sind vier von fünf Städten schon bei über 3000 Zusagen, am Dienstagnachmittag waren es noch rund 1000 Zusagen pro Stadt. Es könnten also viele werden, die an Halloween protestieren. Bleibt abzuwarten, wie.

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