Zürcher Muslimverbände trennen sich von einflussreichem Imam

Darum gehts
- Zwei Zürcher Verbände haben sich von Imam Bashkim Aliu getrennt, berichtet die «SonntagsZeitung».
- Grund sind homophobe Aussagen: 2017 nannte er die Pride in Pristina eine «Parade der Schande».
- Im Januar 2024 besuchte er in Katar ein Treffen der Union eines Chefideologen der Muslimbruderschaft.
Zwei grosse Zürcher muslimische Verbände haben sich diese Woche von Imam Bashkim Aliu getrennt, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Einerseits die Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), wo Aliu die Imam-Kommission leitete, und andererseits die Vereinigung der Islamischen Organisationen Zürich (VIOZ), wo Aliu die theologische Instanz leitete.
Hintergrund sind homophobe Aussagen, die die «SonntagsZeitung» publik gemacht hat.
Die Vorfälle
2017 nannte Imam Bashkim Aliu die Pride in Pristina eine «Parade der Schande», wie Screenshots seines Facebook-Profils zeigen. Zudem bewegte er sich in Kreisen der Muslimbruderschaft. Sie will Gesellschaft und Staat nach dem islamischen Recht der Scharia umgestalten. Homosexualität lehnt sie strikt ab. Weil sie sich gewaltbereit zeigt, wird sie in Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und Russland als Terrororganisation eingestuft und ist verboten. In der Schweiz steht die Muslimbruderschaft unter Beobachtung.
Laut der «SonntagsZeitung» besuchte Aliu im Januar 2024 die Generalversammlung der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter in Katar. Dahinter steckt ein langjähriger Chefideologe der Muslimbruderschaft. Auch der damalige Hamas-Führer Ismail Haniyeh nahm daran teil. Die Gruppierung hinter dem Terroranschlag in Israel vom 7. Oktober 2026 gilt als palästinensischer Ableger der Muslimbruderschaft.
Das sagen die Organisationen
Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt die FIDS, die Teilnahme an einer solchen Zusammenkunft mit dieser brisanten Gästeliste würde man keinem Imam der Organisation erlauben. Es sei bisher nicht bekannt gewesen, dass Aliu daran teilgenommen hatte. Weiter sagt sie, die Imame seien verpflichtet, ihre Tätigkeit im «schweizerischen gesellschaftlichen und rechtsstaatlichen Kontext» wahrzunehmen. «Homophobie oder menschenverachtende Aussagen stehen im Widerspruch zu unseren Grundsätzen.» Aliu wurde per sofort von seinen Aufgaben entbunden.
Aliu sei mit sofortiger Wirkung von sämtlichen Ämtern und Funktionen innerhalb der VIOZ zurückgetreten, teilte die zweite Organisation mit. Die homophoben Aussagen in den sozialen Medien nehme man «mit Besorgnis zur Kenntnis». Zur Generalversammlung in Katar sagt sie: «Herr Aliu nahm an der genannten Veranstaltung weder als Vertreter der VIOZ noch in ihrem Auftrag teil. Seine Teilnahme und die damit verbundenen Fragen sind Gegenstand weiterer Abklärungen.»
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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