Stadtpräsidentin musste Büro sofort räumen – und tritt wieder an

- Das Bundesgericht hat die Stadtpräsidiumswahl in Grenchen wegen Verfahrensmängeln aufgehoben.
- Zu diesem Zeitpunkt war Susanne Sahli (FDP) bereits sechs Monate im Amt.
- Sahli musste ihr Amt nach sechs Monaten sofort niederlegen – der Entscheid kam für sie völlig überraschend.
- Am kommenden Sonntag kandidiert sie erneut für das Stadtpräsidium.
Für Sahli kam der Entscheid des Bundesgerichts im Juni überraschend. Sie war gerade im Büro, als bekannt wurde, dass die Lausanner Richter ihre Wahl aufheben. «Eine Schockwelle ist durch die Verwaltung gegangen», sagt sie zu 20 Minuten.
Sie musste ihr Amt sofort niederlegen, durfte keine Dokumente mehr unterschreiben und keine Sitzungen mehr leiten. «Ich wurde noch am selben Tag von der Kommunikation abgeschnitten.» In den ersten Stunden habe sie einfach funktioniert. Erst einige Tage später habe sie realisiert, was geschehen war. «Ich war überrascht und natürlich auch enttäuscht. Nach diesem guten Start ins Amt war es ein sehr abrupter und einschneidender Moment»
Bundesgericht: «Erhebliche Verfahrensmängel»
Sahli gewann die Stadtpräsidiumswahl am 28. September 2025 im zweiten Wahlgang mit nur 25 Stimmen Vorsprung auf Patrick Crausaz (GLP). Das Resultat wurde angefochten. Der Entscheid vom Bundesgericht: Wegen «erheblicher Verfahrensmängel» sei es möglich, dass sich die Unregelmässigkeiten auf das knappe Resultat ausgewirkt hätten.
Diese Unregelmässigkeiten sahen folgendermassen aus: So holte die Präsidentin des Wahlbüros die Wahlcouverts erst am Sonntagmorgen aus dem Wahlbriefkasten statt am Samstag um Mitternacht. Damit war nicht ausgeschlossen, dass nach Ablauf der Frist noch Couverts eingeworfen wurden. Zudem wurden die bereits eingegangenen Wahlcouverts in Schachteln in einem abgeschlossenen Raum gelagert und nicht in einer Urne.
«Die Glaubwürdigkeit in das festgestellte Wahlergebnis ist vorliegend in schwerwiegender Weise erschüttert», hielt das Bundesgericht damals fest. Sahli musste den Entscheid akzeptieren: «Schlussendlich richtete sich der Entscheid nicht gegen mich als Person, meine Arbeit oder meine Amtsführung, sondern gegen das Verfahren», so die Politikerin. Nun will sie die Wahl am kommenden Sonntag erneut gewinnen.
«Die Zeit war erfüllend, ich konnte einiges anstossen»
Trotz des abrupten Endes zieht Sahli eine positive Bilanz ihrer ersten sechs Monate im Amt. «Die Zeit war erfüllend, ich konnte einiges anstossen», sagt sie.
Als Beispiel nennt sie eine neue Sprechstunde für Kinder und Jugendliche. Rund 60 von ihnen hätten das Angebot bei einer dieser Sprechstunden genutzt: «Sie haben sich zum Beispiel gewünscht, dass die Badi länger offen bleibt. Andere wollten eine Blumenwiese im Stadtzentrum oder dass der H&M und der Zara nach Grenchen geholt wird.»
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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