Ewigkeitschemikalien PFAS – Trotz Nachfrage: Ständerat lehnt Deklarationspflicht für PFAS ab

Ewigkeitschemikalien PFAS Trotz Nachfrage: Ständerat lehnt Deklarationspflicht für PFAS ab
Zwei politische Vorstösse forderten eine Deklarationspflicht für PFAS. Eine Mehrheit im Ständerat lehnt das aber ab.
15.09.2026, 19:50
Manchmal stehen auf Produkten im Supermarkt Hinweise, dass sie keine PFAS enthalten – auf Pfannen zum Beispiel. Viele andere Produkte haben keine derartigen Angaben.
Das überfordert selbst Expertinnen oder Experten wie Basil Thalmann. Der Dozent für Umweltchemie an der ZHAW ist häufig überfragt, in welchen Produkten sich die potenziell umwelt- und gesundheitsschädigenden Substanzen verstecken.
«Ich stehe ab und zu im Laden und denke darüber nach: Ist jetzt das mit PFAS oder ohne?», sagt Thalmann. Zum Teil stehe er ein paar Minuten vor dem Regal, um herauszufinden, welches der ähnlichen Produkte wohl am ehesten keine PFAS drin haben.
Deklarationspflicht realistisch?
Eine kurze Umfrage vor einem Supermarkt zeigt: Kundinnen und Kunden wünschen sich eine Deklarationspflicht. PFAS-Experte Thalmann hält eine solche für realistisch.
PFAS seien teuer, sagt er. Verwende ein Hersteller PFAS, wisse er das und könne es entsprechend deklarieren – in der Regel. «Es ist aber natürlich so, wenn man zum Beispiel Kunststoffe aus dem Recycling hat, kann es sein, dass noch PFAS drin sind, die vielleicht nicht aktiv zugegeben wurden.»
Heute fehlt eine systematische Informationsgrundlage über den PFAS-Gehalt von Produkten, wenn sie auf den Markt kommen.
Martin Scheringer, Umweltchemiker an der ETH Zürich, ist hinsichtlich der Deklarationspflicht skeptischer: «Angesichts der Tatsache, dass so viele PFAS verwendet werden in so vielen Produkten, ist es leider nicht so realistisch, wie es sich zunächst anhört.»
Ständerat: bereits andere Massnahmen
Aus Konsumentensicht ist die Sache dennoch klar: Mehr Transparenz ist gewünscht. Der Ständerat hatte darum über zwei politische Vorstösse zu entscheiden, die vom Bundesrat eine rechtliche Grundlage forderten für eine Deklarationspflicht für PFAS.
Eingereicht wurden die Vorstösse von Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG) und Ständerat Matthias Michel (FDP/ZG), der die Forderung heute im Ständerat vertrat: «Heute fehlt eine systematische Informationsgrundlage über den PFAS-Gehalt von Produkten, wenn sie auf den Markt kommen.»
Die Mehrheit der zuständigen Kommission lehnte die Deklarationspflicht aber ab. Mit der Begründung, es seien verschiedene andere Massnahmen in Sachen PFAS in die Wege geleitet worden.
Bundesrat: negativ für die Wirtschaft
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider machte zudem auf die wirtschaftlichen Folgen aufmerksam, die eine Deklarationspflicht hätte: «Ihre Umsetzung ist mit hohem administrativem Aufwand verbunden, würde den Warenimport erheblich erschweren und die Verfügbarkeit bestimmter Produkte in der Schweiz einschränken.»
Das Wichtigste ist, möglichst viele PFAS in möglichst vielen Anwendungen zu ersetzen.
Während der Debatte zog FDP-Ständerat Michel seinen eigenen Vorstoss aus formalen Gründen zurück. Den Vorstoss seiner Parteikollegin Vincenz-Stauffacher lehnte der Ständerat ab. Die Deklarationspflicht ist damit vom Tisch.
PFAS ersetzen sollte Ziel sein
PFAS-Forscher Martin Scheringer kann damit leben. Das übergeordnete Ziel könne auf anderem Weg erreicht werden: «Das Wichtigste, was wir als Gesellschaft jetzt machen sollten, ist, möglichst viele PFAS in möglichst vielen Anwendungen zu ersetzen.»
Auch dafür gibt es Ideen in der Politik. Der Bund erarbeitet etwa einen Aktionsplan. Mit diesem will er die Belastung von Mensch und Umwelt durch PFAS verringern.
Ein Aktionsplan in ferner Zukunft hilft Konsumentinnen und Konsumenten, die bereits heute garantiert PFAS-freie Artikel kaufen wollen, allerdings wenig.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.