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Friday, September 11, 2026

«Ich war nicht der Begabteste»: Fecht-Weltmeister Malcotti nahm sich Tennis-Star zum Vorbild

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Mit dieser Reaktion hatte niemand gerechnet. Das weiss Lucas Malcotti und muss lächeln. Da wird er am 26. Juli in Hongkong Weltmeister im Degenfechten, als erster Schweizer überhaupt. Und dann stösst er nur einen kurzen Freudenschrei aus und macht eine kleine Handbewegung. Im Moment des grössten Triumphs seiner Karriere! Tausende Kilometer entfernt jubeln seine Angehörigen und Schweizer Fechtfans vor dem TV lauthals – und er nimmt die Goldmedaille in Empfang, als wärs das Selbstverständlichste der Welt.

Ein paar Wochen später sitzt er im hellen und sehr gepflegten Wohnzimmer seiner Wohnung in Savièse VS. Er lebt allein hier, sein Leben besteht aus Training und Beruf. Der 31-Jährige lässt den Moment seines Erfolgs nochmals Revue passieren: «Viele Leute haben mich auf diesen Jubel angesprochen, also vielmehr auf meinen fehlenden Jubel. Aber glaubt mir, innerlich war ich sehr glücklich», sagt er verschmitzt.

«Du hast niemals aufgegeben»

Bereits 2018 hat er mit der Mannschaft einen Fecht-Weltmeistertitel errungen. Als Einzelsportler ist er aber der erste Schweizer, der das schafft. Gerne schaut er auf die vier unvergesslichen Tage zurück: «Schon am Donnerstag hatte ich das Gefühl, dass ich gut im Rennen lag. Am Sonntag, dem entscheidenden Tag, schien alles ganz einfach, so, als würde ich die Schläge schon im Voraus sehen. Das ist wichtig, denn unser Sport ist sehr schnell!» Der Sieg war für ihn dann nurmehr die logische Folge der vergangenen Tage. Er hatte gespürt, dass er unbesiegbar war. «Vielleicht habe ich mich deshalb nicht so überschwänglich gefreut», meint er fast entschuldigend.

Lucas Malcottis grösste Fans sind seine Eltern Jean und Esther. «Mich macht am meisten stolz, dass du viele Prüfungen durchstehen musstest. Sie haben dich zu dem Mann gemacht, der du bist», sagt Mutter Esther und nimmt seine Hand. «Der Spitzensport hat deinen Charakter offenbart, diesen Willen, niemals aufzugeben.» Vater Jean erinnert sich an die Reisen quer durch die Schweiz, um seinen Sohn Lucas zu den verschiedenen Turnieren zu begleiten. «Vevey, Freiburg, Zug, das Tessin …»

Lucas selber wird nie den Moment vergessen, als er mit acht Jahren beim Campus Sacré-Cœur in Sion vorbeikam und Kinder jedes Alters beim Fechten beobachtete. Eine Sportart, die er nicht kannte. «Vielleicht war es der Zorro-Aspekt, ich weiss es nicht! Jedenfalls hat mich das Fechten sofort in seinen Bann gezogen.» Er bat seine Eltern, ihn zum Fechtsaal zu bringen. «Es hat mir sofort gefallen. Ich war Feuer und Flamme.»

Nach und nach machte der kleine Lucas Fortschritte, man erkannte das Potenzial. «Ich war nicht der Begabteste. Bei weitem nicht», gibt er heute zu. «Lucas war nicht der Talentierteste, das ist eine Tatsache», bestätigt auch sein Vater. Allerdings: Keiner seiner Kameraden war so entschlossen wie er. «Ich nahm mir Tennisstar Stan Wawrinka zum Vorbild», antwortet Lucas. «Wie er habe ich trainiert, trainiert, trainiert. Ich wollte unbedingt an Wettkämpfen teilnehmen.» Also feilte er verbissen an seiner Technik. Mit dem Resultat, dass er heute in diesem Bereich weltweit den Massstab setzt. Die Tatsache, dass er keine erkennbare Stärke hatte, trieb ihn dazu an, ganzheitlich zu trainieren. So ist er heute einer der vielseitigsten Fechter der Welt.

Nächstes Ziel: Olympia 2028

Sein schmerzhaftester Moment war, so gesteht er, das Verpassen der Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris. Vier Jahre zuvor war er noch für Tokio nominiert worden. Der Rückschlag tat weh. Und hatte direkte finanzielle Folgen für Malcotti, der von Sponsoren abhängig ist, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Neben dem Sport arbeitet er zurzeit zu 25 Prozent als technischer Zeichner und Vermessungstechniker in Riddes. Daneben muss er sich selbst um finanzielle Unterstützung bemühen.

Die nächste grosse Herausforderung steht fest: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. «Ich muss mir mein Ticket verdienen wie jeder andere auch. Was ich mit Sicherheit weiss: Im Degenfechten ist es schwieriger, sich für die Spiele zu qualifizieren, als dort eine Medaille zu holen!» Die Konkurrenz ist hart, die Plätze sind rar. Aber der Wille ist da. Er hat ihn bereits einmal an die Weltspitze gebracht, er kann ihn auch bis zum Olymp führen.

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