Krieg in Jemen: Die Huthi-Rebellen übernehmen den Jemen

Im Jemen hat die Huthi-Miliz die wichtige Hafenstadt Mokka eingenommen – und blockiert zudem die für den internationalen Schiffsverkehr wichtige Meerenge Bab al-Mandab.
Foto: str/ap
Mit dem Landeanflug eines iranischen Airliners endete Mitte Juli nach vier Jahren die relative Waffenruhe im Jemen. Am 13. Juli näherte sich das Flugzeug der iranischen Mahan Air der Landebahn in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. An Board: eine Delegation der jemenitischen Huthi-Miliz, die von der Beerdigung Ali Chameneis heimkehrte, des Obersten Führers Irans. Und es waren Medienberichten zufolge auch Kommandeure der iranischen Revolutionsgarden an Bord, iranische Militärberater sowie Equipment für Drohnen und Raketen.
Der Jemen ist seit über zehn Jahren geteilt, in den Westen unter Huthi-Kontrolle und den Osten unter der Regierung und ihr nahen Fraktionen. Die Regierung reagierte prompt auf das iranische Flugzeug. Sie bombardierte die Landebahn, der Airliner wich auf einen Flughafen in der Küstenstadt Hodeidah aus. Die Huthi-Miliz beschuldigte daraufhin Saudi-Arabien und verkündete eine Blockade von Schiffen mit Bezug zum nördlichen Nachbarland. Die müssen nämlich die Meerenge Bab al-Mandab vor der jemenitischen Küste durchfahren, um die Häfen an der Rotmeerküste Saudi-Arabiens zu erreichen.
Ein Schlamassel, denn seit dem Ausbruch des Kriegs zwischen Iran, USA und Israel Ende Februar blockiert der Iran die Straße von Hormus vor seiner Küste. Wie die Meeresstraße Bab al-Mandab ist auch die Straße von Hormus enorm wichtig für die Weltwirtschaft. Ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung passierte sie vor dem Krieg. Obwohl heute aufgrund von Schiff-zu-Schiff-Transferen und einer US-Gegenkampagne wieder Exporte möglich sind, bleibt deren Zahl deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Umso wichtiger sind also alternative Routen.
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Saudi-Arabien etwa schickt mittlerweile 70 Prozent seiner Exporte über das Rote Meer. Diese Exportoption hat den Blockadeeffekt abgeschwächt, den Iran mit der Straße von Hormus erzielen wollte – bis zur Blockade am Roten Meer. Der Kommandeur der iranischen Quds-Truppe, Esmail Qaani, erklärte: Zwischen Hormus und Bab al-Mandab befinde sich nun „der neue Sicherheitsgürtel des Widerstands“.
Die Huthis als Trumpfkarte Irans
Schon seit Oktober 2023 hat Iran die Huthis immer wieder als Trumpfkarte aus dem Fundus seiner unterstützten Milizen gezogen. Damals fielen von Teheran unterstützte palästinensische Milizen in Südisrael ein, daraufhin begann der Krieg im Gazastreifen. Dann stieg die ebenfalls Iran-unterstützte libanesische Miliz Hisbollah ein. Beide liefern sich kleinteilige Kämpfe mit dem israelischen Militär; beide haben dabei massiv an Boden verloren, sind Schatten ihrer selbst. Die Huthis aber trugen den Krieg in die Weltwirtschaft, lange bevor Iran das ab Februar 2026 selbst tat.
Immer wieder griff die Gruppe die Schifffahrt an seiner Küste an: Zwischen 2023 und 2025 waren mehr als 178 Schiffe betroffen, vier wurden versenkt. Große Reedereien leiteten monatelang ihre Frachtschiffe um Afrika herum, die Preise stiegen.
Und seit Juli gibt es eben die Blockade. Der Militäranalyst Ali al-Dahab sagt, zur Sperrung der Meerenge seien gar keine Raketen nötig. Die Drohung sei „wirkungsvoll, ohne dass sie tatsächlich umgesetzt werden muss“.
Dass der iranische Einfluss unter den Huthis wächst, melden immer wieder lokale Quellen. Mit dem Angriff auf die Landebahn im Juli begann die Gegenoffensive. Die Streitkräfte der Regierung sowie ihr nahestehende Truppen rücken auf dem Boden gegen die Huthis vor, aus der Luft greift Saudi-Arabien an.
Erfolg der Anti-Huthi-Kräfte durchwachsen
Der Erfolg dieser Kampagne ist bislang durchwachsen. Auch, weil unter den Anti-Huthi-Kräften bis heute keine einige Vorstellung davon herrscht, wie der Jemen künftig aussehen soll. Im Norden, an der Grenze zu Saudi-Arabien, gewinnen die Regierungstruppen bislang an Land, drängen die Huthis zurück. Im Südwesten des Landes, an der Küste von Bab al-Mandab, gewinnen hingegen die Huthis an Land. Die Stadt Mokka – aus deren Hafen früher Kaffee aus dem Jemen exportiert wurde – ist am Donnerstag an die Miliz gefallen.
Iran wird das als Punkt für sich verbuchen. Doch das Spiel um die Vorherrschaft in Jemen ist noch nicht vorbei.
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