Nachfolge von Guy Parmelin – «Wir suchen keinen CEO, sondern auch Identifikationsfiguren»

Wer soll auf Bundesrat Guy Parmelin folgen? Bei der Auswahl zählen neben den Fähigkeiten auch Herkunft, Sprache und Geschlecht. Politologe Adrian Vatter erklärt, wieso diese Kriterien eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt der Schweiz spielen.
Adrian Vatter
Professor für Politikwissenschaft, Universität Bern
Adrian Vatter unterrichtet an der Universität Bern. Er ist seit August 2009 Direktor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern und Inhaber der Professur für Schweizer Politik.
SRF News: Was muss jemand mitbringen, um als Bundesrätin oder Bundesrat erfolgreich zu sein?
Adrian Vatter: Es braucht Kompetenzen, Fähigkeiten und Repräsentation: Ein Bundesratsmitglied muss führen und regieren können. Es muss aber auch die Vielfalt der Schweiz repräsentieren. Deshalb ist es nicht falsch, dass die Herkunft, die Sprache oder das Geschlecht eine wichtige Rolle spielen. Bundesratsmitglieder sind auch Identifikationsfiguren für die Schweizer Politik. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass durch diese vielen Quoten wichtige Fähigkeiten zu wenig beachtet werden.
Müsste das oberste Ziel nicht sein, jemanden zu wählen, der sein Departement möglichst gut führt und etwas für das Land tut?
Wir suchen keinen CEO, sondern gleichzeitig auch Identifikationsfiguren. Die Schweiz ist eine sehr heterogene Gesellschaft. Deshalb ist es wichtig, dass Minderheiten auch in der Regierung repräsentiert sind. Beispielsweise diese ganze Diskussion über die Vertretung des Tessins und der Romandie oder die Vertretung der Geschlechter: Das sind wichtige Fragen für den Zusammenhalt unseres Landes.
Mit der zunehmenden Medialisierung und Personalisierung der Politik ist Repräsentation in den letzten Jahren noch wichtiger geworden.
Warum ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung im Bundesrat wiedererkennt?
Es geht um verschiedene Funktionen des Regierens. Einerseits muss ein Bundesratsmitglied sein Departement führen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen das Land leiten und regieren. Andererseits ist auch Repräsentieren eine ganz wichtige Funktion. Mit der zunehmenden Medialisierung und Personalisierung der Politik ist dieses Kriterium in den letzten Jahren noch wichtiger geworden.
Wo sehen Sie beim heutigen Auswahlverfahren ein Problem?
Vor allem beim Ticketsystem, das die SVP nach der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf eingeführt hat. Es führt dazu, dass die Bundesversammlung faktisch kaum noch unabhängig von der nominierenden Partei entscheiden kann. Entscheidet sie sich gegen deren Auswahl, droht politisches Chaos.
Die nominierende Partei sollte nicht faktisch allein entscheiden, wer zur Auswahl steht.
Wie schlecht ist das letztlich für das Land?
Meiner Meinung nach wird der Verfassungsauftrag, wonach die Bundesversammlung die Regierung wählt, heute faktisch nicht mehr erfüllt. Es sind die Parteien und damit die Partei- und Fraktionsleitungen, die weitgehend bestimmen, wer der nächste Bundesrat oder die nächste Bundesrätin wird. Davon sollte man wieder wegkommen: Die nominierende Partei sollte nicht faktisch allein entscheiden, wer zur Auswahl steht. Auch wilde Kandidaturen sollten wieder möglich sein.
Das Gespräch führte Matthias Baumer.
Diese acht Kandidaten schickt die SVP ins Rennen
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Bild 1 von 8. Céline Amaudruz. Céline Amaudruz (47) ist SVP‑Nationalrätin aus Genf und Mitglied im nationalen Parteivorstand. Sie hat ihre Bereitschaft für eine Kandidatur offiziell bekanntgegeben: Amaudruz gilt als chancenreichste Kandidatin aus der Romandie. Bildquelle: KEYSTONE / Urs Flüeler.
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Bild 2 von 8. Marco Chiesa. Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (52) will Nachfolger von Guy Parmelin im Bundesrat werden. Seine Kantonalpartei sieht Chiesa aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen im Rahmen der SVP-Präsidentschaft im Vorteil. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
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Bild 3 von 8. Rémy Wyssmann. Rémy Wyssmann (59), Solothurner Parteipräsident und Nationalrat, will Bundesrat werden. Die Kandidatur des Anwalts und Dozents gilt eher als überraschend. Bildquelle: KEYSTONE / Peter Schneider.
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Bild 4 von 8. Michael Graber. Der Walliser Nationalrat Michael Graber (45) hat kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist seine Bundesratsambitionen verkündet. Seine Kandidatur gab er im «Tages-Anzeiger» und kurz darauf in einer Medienkonferenz bekannt. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 5 von 8. Franz Ruppen. Nachdem er von Esther Friedli (SG) vorgeschlagen wurde, überlegte sich auch der Walliser SVP-Staatsrat Franz Ruppen (55) eine Kandidatur – und kam zum Schluss: «Ja, ich will.». Bildquelle: KEYSTONE / Cyril Zingaro.
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Bild 6 von 8. Pierre Alain Schnegg. Auch der Berner Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg bewirbt sich um einen Sitz im Bundesrat. Schnegg wird im Dezember 64 Jahre alt. Er stammt aus dem Berner Jura, ist frankophon, spricht aber gut Deutsch. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 7 von 8. Thomas Aeschi. Die SVP Zug hat Thomas Aeschi (47) für den freiwerdenden Sitz im Bundesrat nominiert. Der Fraktionschef der SVP im Bundeshaus will nun in sich gehen. Er gehört seit Jahren zu den aussichtsreichsten Kandidaten, auch wenn seine Chancen durch die Wahl des ebenfalls aus Zug stammenden Martin Pfister (Mitte) gesunken sein dürften. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
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Bild 8 von 8. Jean-Pierre Gallati. Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (60) wurde von der SVP Aargau einstimmig für die Bundesratswahl vom 9. Dezember 2026 nominiert. Er will denn auch antreten, wie er gegenüber der «Aargauer Zeitung» in einem Interview erklärte. Bildquelle: Keystone/Andreas Becker.
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