Lynchmord-Vergleiche: Converse entschuldigt sich für Werbung

Ein weisser Rock, ein sternförmiger Lichtkegel und zwei schwarze Sneaker: Eigentlich soll das Bild den neuen Chuck 70 X von Converse verkaufen. Stattdessen hat es der ikonischen Marke einen krassen Shitstorm eingebrockt.
Zu sehen ist Karina, Mitglied der K-Pop-Gruppe Aespa und globale Markenbotschafterin von Converse. Sie steht in einem weissen Rock im Licht eines sternförmigen Scheinwerfers und hält ein Paar schwarze High-Top-Sneaker in der Hand. Auf Social Media fällt Nutzerinnen und Nutzern auf: Das Licht erzeugt auf dem Rock eine weisse, spitz zulaufende Form, die an die Kapuze des Ku-Klux-Klans erinnern soll. Die herunterhängenden Schuhe erinnern Kritikerinnen und Kritiker zudem an historische Bilder rassistischer Lynchmorde in den USA, bei denen schwarze Menschen von Mobs erhängt wurden.
Was ist der Ku-Klux-Klan?
Der Ku-Klux-Klan, kurz KKK, entstand 1865 im US-Bundesstaat Tennessee, kurz nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Zu den Gründern gehörten ehemalige Soldaten der Konföderation. Während der sogenannten Reconstruction, in der die Rechte ehemals versklavter Menschen ausgebaut werden sollten, setzte der Klan Gewalt und Einschüchterung ein, um die weisse Vorherrschaft zu sichern und schwarze Menschen an politischer und gesellschaftlicher Teilhabe zu hindern.
Im frühen 20. Jahrhundert erlebte der Klan einen erneuten Aufschwung. Während der US-Bürgerrechtsbewegung in den 1950er- und 1960er-Jahren verübten Klan-Mitglieder unter anderem Anschläge und Gewalt gegen schwarze Menschen sowie Bürgerrechtsaktivistinnen und -aktivisten.
Heute gibt es nicht mehr den einen Ku-Klux-Klan als geschlossene Organisation. Laut der Anti-Defamation League bestehen in den USA weiterhin mehrere kleine, voneinander unabhängige Klan-Gruppen. Die Bewegung befindet sich seit Jahrzehnten im Niedergang, wird von der Organisation aber weiterhin als aktive Form weisser extremistischer Hassgruppen eingestuft.
«Sehen die Symbolik aus einer Meile Entfernung»
Die Reaktionen fallen teilweise heftig aus. Die Chicagoer Fotografin Stephanie Schwartz schreibt auf Threads: «Schatten, Licht und Komposition. Jeder Fotograf kann dir sagen: Wer auch immer diese Werbung gemacht hat, wusste genau, was er tat.» Schauspielerin Yvette Nicole Brown schreibt auf Threads: «Das ist ein Lynchmord, oder?» Auch sie verweist auf die Ähnlichkeit mit einer Klan-Kutte.
Auch wenn es nicht die Absicht von Converse gewesen sei, müsse jemand die Bildsprache vor der Veröffentlichung bemerkt haben, findet DJ SoulChild auf Tiktok. «Das ist eine Darstellung des KKK», sagt er im Video. «Schwarze Menschen sind nicht dumm. Wir sehen die Symbolik aus einer Meile Entfernung.»
Auch der US-Pädagoge Kendall C. Peacock kritisiert die Marke und fragt, ob man Converse nun boykottieren solle. «Als schwarzer Mann und jemand, der Converse-Schuhe liebt, finde ich das sehr unsensibel und geschmacklos.» Er fragt, wie die Bilder sämtliche Freigabestufen passieren konnten. «Wie könnt ihr es wagen, mit dem Schmerz schwarzer Menschen Geld zu verdienen?»
Einzelne Nutzerinnen und Nutzer können die rassistische Interpretation der Bilder nicht nachvollziehen und nehmen Converse in Schutz: «Converse hat nichts falsch gemacht. Nichts daran war rassistisch. Das Foto wurde aus dem Kontext gerissen», schreibt etwa ein User. Andere argumentieren, die Parallelen entstünden erst dadurch, dass man gezielt danach suche.
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Zweites Bild verschärft die Kritik
Mit der Debatte rückte ein weiteres Converse-Werbebild in den Fokus. Es stammt aus einer Zusammenarbeit mit der Kopenhagener Marke Palmes. Darauf steigt eine Person auf einer Leiter zu einem Baum, während Sneaker an einem Ast präsentiert werden.
Laut einem Threads-User verschärft diese Kampagne den schlechten Eindruck zusätzlich. Auch zig andere User verbinden diese Werbe-Inszenierung mit der Geschichte rassistischer Lynchmorde in den USA.
Converse-Chef prüft jetzt die Freigaben
Ob Converse oder die Verantwortlichen hinter der Kampagne tatsächlich bewusst auf rassistische Bildsprache anspielten, ist nicht belegt. Der Schuhhersteller widerspricht der Kritik nicht und entschuldigt sich nach dem Shitstorm: «Wir verstehen, warum dieses Bild zutiefst verstörend ist, und erkennen an, dass wir einen Fehler gemacht haben», erklärt das Unternehmen. Die Aufnahme sei von den eigenen Kanälen entfernt worden. «Das hätte nicht passieren dürfen, und wir werden es besser machen.» Karina und ihr Management SM Entertainment haben sich bisher nicht zu der Kontroverse geäussert.
Bei einer öffentlichen Entschuldigung soll es nicht bleiben. Converse-CEO Aaron Cain kündigte laut einer internen Mitteilung, die Bloomberg vorliegt, eine Überprüfung der Abläufe an. «Die Bilder hätten nicht verwendet werden dürfen», schrieb Cain. Die Unternehmensführung wolle nun untersuchen, nach welchen Kriterien Werbeinhalte freigegeben werden.
Der Zeitpunkt ist für Converse zusätzlich ungünstig. Die Nike-Tochter kämpft seit Längerem mit sinkenden Umsätzen. Laut Bloomberg gingen diese zuletzt 13 Quartale in Folge zurück.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?
Hier findest du Hilfe:
GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
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