heise+ | Fensterverwaltung niri vorgestellt
Tiling Window Manager – also Fenstermanager, die Kacheln verwenden – teilen sich seit jeher ein Dogma: Der Bildschirm ist ein Kuchen, und jedes neue Fenster verkleinert die Stücke der anderen. Wer auf einem Laptop mit i3, Sway oder Hyprland arbeitet, kennt die Folge: Abhängig von der Größe des Displays schrumpft ab dem x-ten Terminal jedes Fenster auf Briefmarkengröße, und man beginnt, Fenster zu schließen, die man eigentlich noch braucht.
Der quelloffene Wayland-Compositor niri bricht mit diesem Dogma. Er ordnet Fenster als Spalten auf einem horizontalen Band an, das nach rechts beliebig weiterwächst: Ein neues Fenster schiebt sich neben das aktuelle, ohne die vorhandenen auch nur um ein Pixel zu stauchen. Was nicht auf den Bildschirm passt, verschwindet nicht, sondern wartet seitlich außerhalb des Sichtfeldes. Nutzer scrollen per Tastenkürzel oder Touchpadgeste durch ihre Fensterlandschaft wie durch ein überbreites Dokument. Scrollable Tiling heißt dieses Paradigma, das die GNOME-Erweiterung PaperWM populär gemacht hat. niri ist der erste Compositor, den man von Grund auf dafür gebaut hat, statt das Prinzip einem fremden Fenstermanager überzustülpen.
Martin Gerhard Loschwitz ist Gründer und Geschäftsführer von True West und bietet skalierbare IT-Infrastruktur rund um OpenStack und Kubernetes an.
Wurzeln in Rust
niri ist ein in Rust geschriebener, eigenständiger Wayland-Compositor auf Basis der Smithay-Bibliothek. Er wird seit 2023 von Ivan Molodetskikh und einer inzwischen beachtlichen Community entwickelt und ist lizenziert unter der GPL-3.0-Lizenz. Die Versionierung richtet sich nach dem Datum. Die im April 2026 veröffentlichte aktuelle Ausgabe trägt deshalb die Nummer 26.04. Die Schlagzahl in Sachen Release der vergangenen Jahre zeugt von einem ausgesprochen lebendigen Projekt. Fertigpakete liegen den gängigen Distributionen von Fedora über Arch bis NixOS bei; Debian-Nutzer greifen zu Backports oder bauen selbst.
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