Erfolgreicher Winzer – Er verkauft seinen Wein in Asien und will nun nach Brasilien

Die Schweizer Weinwirtschaft ist in Aufruhr. Der Weinkonsum im Land sinkt. Darüber hinaus verlieren einheimische Produkte gegenüber der günstigeren Konkurrenz aus dem Ausland stetig an Marktanteilen.
Der Waadtländer Winzer Cyril Séverin kennt die Probleme seiner Branche. Jammern will er jedoch nicht. Vor rund zwanzig Jahren hat er einen Entscheid gefällt, der hohe Investitionen erforderte, sich heute aber auszahlt. Séverin suchte nach Mitteln und Wegen, seine Weine vom Weingut Domaine du Daley in Lutry ins Ausland zu exportieren.
Derzeit exportiert er einen Drittel seiner Produktion nach Asien, in Länder wie Japan, China, Hongkong und Indonesien. Alleine 8000 Flaschen schickt er pro Jahr nach Japan, wo er eine eigene Weinhandelsgesellschaft gegründet hat. Zum Vergleich: Als er 2006 ins Auslandsgeschäft einstieg, exportierte er pro Jahr insgesamt noch 400 bis 600 Flaschen. Seither habe er Jahr für Jahr fünf Prozent zusätzlich ins Ausland verkaufen können.
Touristen besuchen Weingut
Auf der Domaine du Daley in Lutry wurden vor wenigen Tagen die letzten Trauben aus Kisten in die Presse gekippt. Nach zwei Wochen Gärung in Stahltanks wird der Jungwein für ein oder mehrere Jahre in Eichenfässer umgelagert: Darunter Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Gamaret sowie die Weissweine Chardonnay und Chasselas.
Während Séverin und seine Mitarbeiter die letzten Trauben pressen, sitzen 50 Briten und Amerikaner auf der Terrasse des Weinguts, blicken auf den Genfersee, trinken sich durch die Weine der Domaine und essen Sandwiches. Die Touristinnen und Touristen sind auf dem Weg nach Basel, um auf einem Flusskreuzfahrtschiff nach Rotterdam zu fahren. Ein Tourismusunternehmen, das die Tour anbietet, fährt an vier der sieben Wochentage Ausländerinnen und Ausländer zum Weingut, pro Jahr 9000 Personen.
Eine Amerikanerin schwärmt von der Frische und Leichtigkeit des Schweizer Weins. Auch einem britischen Touristen gefällt Séverins Handwerk. Doch sowohl die Amerikanerin als auch der Brite klagen: «Bei uns gibt es keinen Schweizer Wein.»
Das will Cyril Séverin ändern. Doch gerade die USA schützen ihren Markt mit hohen Importzöllen, die Schweizer Weine enorm verteuern, wodurch sie sich nicht mehr verkaufen lassen.
Wenn man keinen oder wenig Einfuhrzoll zahlen muss, sind Schweizer Weine in Bezug auf Qualität und Preis interessant.
Winzer Séverin macht sich die Freihandelsabkommen, wie etwa jene mit China, Indonesien und Japan, zunutze. Séverin sagt: «Wenn man keinen oder wenig Einfuhrzoll zahlen muss, sind Schweizer Weine in Bezug auf Qualität und Preis interessant.» Einen Chasselas verkaufe er in der Schweiz für 20 und in Japan für 28 Franken. Das funktioniere.
Einfach war und ist der Aufbau des Exportgeschäfts aber nicht. Über die Wintermonate besucht Séverin in Asien permanent Kunden und sucht Neukunden und Importeure. Noch liege für den Schweizer Wein enorm viel Potenzial brach, sagt er. Seine Idee ist: «Schweizer Botschaften könnten zu Wine Dinners einladen, einheimische Weine ausschenken und damit für das Weinland Schweiz werben. Das gäbe der gesamten Weinbranche einen Schub», ist er sich sicher.
Séverin hofft nun auf das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten. Sobald in Brasilien die Importzölle von heute 150 Prozent sinken, will er seinen Wein auch dorthin exportieren. Brasilianerinnen und Brasilianer empfängt er auf seiner Domaine in Lutry jedenfalls heute schon.
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