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Wednesday, September 16, 2026

«Mir bleiben 200 Franken im Monat – neuer Thek kostete über 300»

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  • Céline (35) aus Rheinfelden ist alleinerziehende Mutter einer siebenjähriger Tochter und verdient als Teilzeitangestellte 2270 Franken netto im Monat.
  • Nach Miete, Krankenkasse und Betreuungskosten bleiben ihr für zusätzliche Ausgaben teilweise nur rund 200 Franken übrig.
  • Für den Schulstart bezahlte sie rund 300 Franken für einen Schulthek von Ergobag. «Von den Preisen war ich schon geschockt», erzählt sie.

Die Preise für Schultheks sind dieses Jahr erneut gestiegen. Gleichzeitig müssen Eltern zum Schulstart nicht nur den Thek bezahlen: Etui, Stifte, Turnsachen, Schuhe und Kleider kommen hinzu. Für Familien, die ohnehin jeden Franken umdrehen müssen, können diese Anschaffungen schnell zur Belastung werden.

Eine von ihnen ist Céline (35) aus Rheinfelden. Für den neuen Thek ihrer Tochter (7) bezahlte sie rund 300 Franken – obwohl das Geld bei der alleinerziehenden Mutter knapp ist. Ihre Tochter ist für ihr Alter gross, deshalb wollte Céline ein Modell, das mitwächst und mehrere Jahre hält. Sie entschied sich für einen Ergobag. «Ich war schon geschockt von den Preisen», erzählt sie gegenüber 20 Minuten.

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«Ich muss jeden Rappen umdrehen»

Céline ist gelernte Detailhandelsfachfrau und arbeitet heute zu 50 Prozent in der Logistik einer Apotheke, wo sie Medikamente vorbereitet. Ihr Bruttolohn beträgt 2400 Franken im Monat, netto sind es laut Lohnabrechnung rund 2270 Franken. Hinzu kommen derzeit 470 Franken Alimente für ihre Tochter. Früher seien es 1000 Franken gewesen. «Finanziell ist das ein Ruin. Ich muss jeden Rappen umdrehen», sagt Céline.

Célines Ex-Mann arbeitet nicht und beteiligt sich kaum an der Betreuung der gemeinsamen Tochter, wie die 35-Jährige erzählt. Seit sieben Jahren ist sie alleinerziehend. Mittlerweile hat sie einen neuen Partner, mit dem sie zusammenwohnt. Die Beziehung sei noch frisch.

20 Minuten

Am Ende des Monats nur noch 200 Franken übrig

Von der Miete übernimmt Céline 850 Franken, doch auch mit geteilter Miete bleibt ihr Budget knapp. Die Krankenkasse für Mutter und Tochter kostet trotz Prämienverbilligung 500 bis 600 Franken, Mittagstisch und Betreuung kosten weitere 300 bis 360 Franken. Dazu kommen Einkäufe, Telefonrechnung, Arztbesuche und weitere Ausgaben. Je nach Monat summieren sich hier nochmals etwa 600 Franken. Für Lebensmittel gibt sie pro Woche meist zwischen 100 und 150 Franken aus. Sozialhilfe bezieht sie keine.

Sind die laufenden Rechnungen bezahlt, bleibe kaum finanzieller Spielraum. Für zusätzliche Ausgaben wie Kleider, Hobbys oder eine Zahnarztrechnung habe sie teilweise nur noch rund 200 Franken zur Verfügung.

Wie findest du es, dass Schulstart und Thek für viele Familien so teuer geworden sind?

«Ich war finanziell nie abhängig»

Besonders schwer fällt Céline, wie stark sich ihr Leben verändert hat. Früher arbeitete sie Vollzeit und konnte für sich und ihre Tochter selbst aufkommen. «Ich war nie finanziell abhängig.» Sie habe gut verdient und für sich und ihre Tochter alleine sorgen können. Auch die damalige Wohnung mit einer Miete von 1400 Franken habe sie selbst bezahlt. «Ich war nie finanziell abhängig.» Aus gesundheitlichen Gründen und um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben, reduzierte sie ihr Pensum. Gleichzeitig sanken die Alimente.

Vor rund einem Jahr sei alles zusammengekommen. «Das war ein emotionaler Zusammenbruch.» Vor ihrer Tochter versucht Céline, ihre Sorgen nicht zu zeigen. «Es gibt Momente alleine zu Hause, wo eine Träne fliesst.» Unterstützung bekommt sie von ihrem neuen Partner und ihrer Familie. Grosseltern und Gotti ermöglichen ihrer Tochter auch Dinge, die Céline derzeit nicht allein bezahlen könnte.

Bei sich selbst steckt die 35-Jährige zurück. Ihrer Tochter möchte sie trotzdem Ausflüge und Ferien ermöglichen.

Bei sich selbst steckt die 35-Jährige zurück. Ihrer Tochter möchte sie trotzdem Ausflüge und Ferien ermöglichen.privat

Der Traum vom Disneyland

«Bei mir selbst spare ich zuerst. Meine Tochter hingegen soll möglichst wenig verzichten müssen», sagt sie. Für Ausflüge sucht sie nach günstigen Angeboten und Vergünstigungen. Als sich ihre Tochter fürs Reiten interessierte, musste Céline allerdings bremsen: Ausrüstung und Reitstunden könne sie derzeit nicht finanzieren.

Einen Wunsch möchte die Detailhandelsfachfrau ihrer Tochter trotzdem irgendwann erfüllen: einen Ausflug ins Disneyland. Schon Céline träumte als Kind davon, heute möchte ihre Tochter dorthin. «Das würde ich ihr ermöglichen, wenn alles wieder stimmt.» Sie hofft, ihr Pensum erhöhen zu können, sobald ihre Tochter selbstständiger ist. «Dann können wir uns wieder mehr leisten.»

Von der Politik wünscht sich Céline mehr Unterstützung für Alleinerziehende, die arbeiten wollen – insbesondere bei der Kinderbetreuung. Denn wie schnell sich die finanzielle Situation verändern kann, hat sie selbst erlebt. «Es kann jedem passieren.»

*Name der Redaktion bekannt. Um die Anonymität zu gewährleisten, wurde der Name angepasst.

Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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