Jemand niest? Das solltest du danach nicht sagen

Ob im Büro, im Tram oder beim Abendessen: Wenn jemand niest, folgt meist automatisch ein «Gesundheit». Schliesslich haben wir gelernt, dass sich das so gehört. Doch ausgerechnet diese gut gemeinte Höflichkeitsfloskel kann laut Knigge unangebracht sein. Und auch die Frage, ob wir uns für unser eigenes Niesen entschuldigen sollten, ist nicht ganz so eindeutig.
Muss man sich nach dem Niesen entschuldigen?
Nein, zumindest nicht grundsätzlich. Das erklärt Jonathan Lösel, Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rats, gegenüber T-Online. Schliesslich handelt es sich beim Niesen um eine unwillkürliche Körperreaktion, die wir kaum kontrollieren können.
Wann findest du ein kurzes «Entschuldigung» nach dem Niesen passend?
Ich niese aber wirklich laut.
Dann ist die Lage ein bisschen anders: Wenn du mit einem besonders lauten «Hatschi» eine Sitzung, einen Vortrag oder ein Gespräch unterbrichst, ist eine kurze, dezente Entschuldigung durchaus angebracht. Damit zeigst du Rücksicht auf die Anwesenden, ohne unnötig viel Aufmerksamkeit auf dein Niesen zu lenken. Das gilt übrigens auch fürs Husten.
Soll ich weiterhin «Gesundheit» sagen, wenn jemand niest?
Darauf solltest du laut Lösel in den meisten Situationen lieber verzichten. Die moderne Etikette empfiehlt, ungewollte Körperreaktionen möglichst unkommentiert zu lassen. Der Grund: Wer niest, möchte deswegen nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Besonders für Menschen mit Allergien oder Heuschnupfen kann es unangenehm sein, wenn jeder Nieser kommentiert wird.
Ist das nur in Deutschland so oder auch in der Schweiz?
Das sieht man auch in der Schweiz so. Bereits in einem früheren Artikel erklärte die Schweizer Knigge-Expertin Susanne Schwarz gegenüber 20 Minuten: «Mit dem ‹Gesundheit› in der Öffentlichkeit und in der Arbeitswelt ist man heutzutage zurückhaltend. Im Privaten ist es jedoch noch immer höflich.» Niesst dein Bürogspänli also, solltest du hierzulande nichts sagen.
Was mache ich also beim nächsten «Hatschi»?
Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt fremde Nieser im Büro oder in grösseren Gruppen unkommentiert. Unter Freunden und in der Familie ist ein herzliches «Gesundheit» dagegen weiterhin völlig in Ordnung. Und falls du selbst niesen musst? Ein kurzes «Entschuldigung» kann in einer ruhigen Sitzung angebracht sein. Im Alltag musst du dich für eine natürliche Körperreaktion aber nicht rechtfertigen.
Warum müssen wir überhaupt niesen?
Niesen ist ein Schutzreflex unseres Körpers. Gelangen Staub, Pollen, Rauch oder andere Reizstoffe in die Nase, können sie die empfindliche Nasenschleimhaut reizen. Auch Erkältungsviren und Allergien können Niesen auslösen.
Über Nerven werden entsprechende Signale an den Hirnstamm weitergeleitet. Dieser koordiniert den Niesreflex: Wir holen Luft, verschiedene Muskeln spannen sich an und anschliessend wird die Luft explosionsartig durch Nase und Mund ausgestossen. So versucht der Körper, störende Partikel und Reizstoffe aus den Atemwegen zu entfernen.
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Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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