– Investition in Teakbäume – Tausende Anleger fürchten um ihr Geld

200 Millionen Franken Investition in Teakbäume – Tausende Anleger fürchten um ihr Geld
Tausende Personen haben zusammen rund 200 Millionen Franken in Teakbäume investiert, in der Hoffnung auf Gewinne. Jetzt ist die Nidwaldner Firma, die das Investment angeboten hat, pleite.
14.10.2026, 07:00
Recherchen von Correctiv.Schweiz und SRF Rundschau zeigen, dass es allein in der Schweiz rund 800 Anlegerinnen gibt, die der Life Forestry Switzerland (kurz LFS) ihr Geld anvertraut haben. In ganz Europa sind es über 6000, die meisten aus Deutschland, die insgesamt rund 200 Millionen Franken überwiesen haben.
Correctiv.Schweiz ist ein Recherchezentrum mit Sitz in Bern. Es recherchiert gemeinsam mit der Bevölkerung und deckt alleine oder gemeinsam mit Partnern gesellschaftliche Missstände auf. Dabei werden innovative Wege und Methoden genutzt, wie etwa der selbstentwickelte CrowdNewsroom.
Das Geschäftsmodell: Die LFS verkauft junge Bäume in Costa Rica und Ecuador. Sie stellt die Plantagen bereit, sorgt für Unterhalt und Ernte. Und beansprucht 15 Prozent des Verkaufserlöses. Den Kunden ihres Langzeit-Investments stellt die LFS Jahresrenditen bis zu 12 Prozent in Aussicht.
Millionenbeträge in Teakbäume investiert
In einer Umfrage haben wir die Schweizer Anleger befragt. 130 Personen haben geantwortet und uns vertraulich Dokumente geschickt: Baumeigentumsurkunden, Rechnungen, Verträge. Manche haben 3000 Franken in Teakbäume gesteckt, andere Millionenbeträge. Die meisten haben die in Aussicht gestellten Erlöse nie erhalten, fürchten nun den Verlust des eingesetzten Kapitals.
Eine davon ist die 71-Jährige Eva Gross, die eigentlich anders heisst. Sie hat einen grossen Teil ihrer Altersvorsorge investiert: Umgerechnet rund 80'000 Franken. «Also ich bin im Moment total verunsichert, weil man hat keine klaren Informationen, was jetzt wirklich Sache ist», sagt sie in der «Rundschau». Sie habe an eine nachhaltige Investition geglaubt.
Doch wie konnte es zum Konkurs der LFS kommen? Wo stecken die rund 200 Millionen Franken der Anleger? Und wie steht es um die Teakbäume, die ja die eigentlichen Werte darstellen?
Wir haben uns durch Handelsregister gewühlt, Dokumente ausgewertet und uns vor Ort in Costa Rica umgesehen. Im Zentrum steht der Chef der LFS, Carl-Lambert Liesenberg, ein umtriebiger Unternehmer. Der 62-Jährige stiess 2009 als Geschäftsführer zur LFS. 2017 übernahm er sie als Eigentümer und alleiniger Verwaltungsrat – und ist nun auch für deren Liquidation verantwortlich. Mit seiner Familie lebt er in der Innerschweiz. Jetzt muss er sich diversen Vorwürfen stellen.
In Deutschland kein Unbekannter
Auf Anfrage bestätigt die zuständige Staatsanwältin aus Nidwalden, dass in der Sache bereits diverse Strafanzeigen und Privatklagen möglicher Geschädigter eingegangen sind. Die Abteilung für Wirtschaftsdelikte führe Strafverfahren gegen Verwaltungsrat Liesenberg und eine weitere Person wegen Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte – und habe kürzlich fünf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Für die deutsche Justiz ist Liesenberg kein Unbekannter. In Deutschland leben die meisten Kunden der Life Forestry Switzerland, mehrere Gerichte haben sich bereits mit der Firma beschäftigt. Das Geschäftsmodell der LFS war von vornherein «auf Täuschung und Schädigung der Kunden angelegt», befand im Oktober 2025 das Landgericht Frankfurt an der Oder im Rahmen eines Zivilprozesses.
Auch das höchste deutsche Gericht für Zivilsachen, der Bundesgerichtshof, bestätigt, dass diese deutschen Anlegerinnen Recht auf Rückzahlung ihrer investierten Beträge haben. Danach forderten über hundert Deutsche das von ihnen investierte Geld zurück. Doch die LFS bezahlte nicht. Während sich die Rückzahlungsforderungen bei der LFS stapelten, ging die Firma 2025 wegen einer unbezahlten Steuerrechnung Konkurs. Die Firma wird liquidiert.
Wo landete das Geld?
Liesenberg wollte zu unseren Fragen keine Stellung nehmen. Stattdessen veröffentlicht er eine Pressemitteilung, in der er sich als Opfer von Anwälten darstellt, die mit den verunsicherten Kunden Millionenbeiträge verdienten. Liesenberg zufolge sind die Kunden der LFS nach wie vor Eigentümer der Bäume. Von der Insolvenz der LFS seien einzig Bewirtschaftung, Ernte und Verkauf betroffen. Er schreibt: «Durch die Insolvenz der LFS AG ist niemand zu Schaden gekommen und alle Verpflichtungen werden eingehalten.»
Wenn die Millionen der Anlegerinnen in die Plantagen gesteckt wurden, wie Liesenberg betont, stellt sich die Frage: An wen wurde das Geld überwiesen? Recherchen im costa-ricanischen Grundbuch zeigen: Die Plantagen gehören nicht etwa der liquidierten Life Forestry Switzerland. Stattdessen besitzen zwei costa-ricanische Firmen das Land, auf dem die Bäume wachsen – laut Grundbuch umfasst es eine Fläche von über 40 Quadratkilometern und einen hat einen im Grundbuch verzeichneten Wert von umgerechnet 16 Millionen Franken.
Eine ist die Life Forestry Costa Rica S.A. Ein Geschäftspartner von Liesenberg leitet sie. Die andere nennt sich Central American Real Estate S.A., kurz «CARE». Im Vorstand sitzen Carl-Lambert Liesenberg und seine Ehefrau. Pikant: Vor dem Kantonsgericht Nidwalden behauptete Liesenberg, er habe mit den Plantagen-Unternehmen in Costa Rica nichts zu tun.
Neuer Unternehmer tritt auf den Plan
Unterdessen tritt in der Schweiz ein neuer Unternehmer auf den Plan und versucht, den Anlegern die Sorgen zu nehmen. Sein Slogan: «Ihre Teakbäume in erfahrenen Händen.» Der Mann namens Patrick H. bietet Anlegern in einem Vertrag an, «die Bewirtschaftung, Ernte und Vermarktung der Teakbäume im Eigentum der ehemaligen Kunden der LFS AG» zu übernehmen. Gegen eine Provision von 15 Prozent. Er sagt: Seine LFS Bewirtschaftungs AG habe keine rechtlichen Verbindungen zur LFS AG. Allerdings war Patrick H. unter Liesenberg jahrelang stellvertretender Geschäftsführer bei der LFS in Stans.
In seiner Pressemitteilung schreibt Liesenberg, dass 4000 Kunden Verträge mit einem ehemaligen Mitarbeiter (gemeint ist Patrick H.) geschlossen haben, Ernte und Verkauf stünden kurz bevor.
Hinweise auf weitere Geschäfte
Was sagt Carl-Lambert Liesenberg zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen? Wir treffen den 62-Jährigen Mitte September zu einem Hintergrundgespräch in Oerlikon. Informationen aus dem Gespräch dürfen wir nicht publizieren – und auch weitere schriftliche Anfragen lässt er unbeantwortet.
Wir finden zudem Hinweise darauf, dass Liesenberg weitere Geschäfte mit dem Geld der Teak-Anleger finanziert haben könnte. Im Jahresabschluss der LFS aus dem Jahr 2023 sind Darlehen in Höhe von 25 Millionen Franken bilanziert: Allein 3.6 Millionen an Carl-Lambert Liesenberg persönlich, der Rest verteilt auf seine Unternehmen in der Schweiz und in Tansania sowie an Geschäftspartner in Ecuador.
Einer der wichtigsten Kunden der LFS war der ehemalige Manager Matthias Miterschlich. Er investierte total 2.5 Mio. Franken in Teak. Mitscherlich hofft, dass die Staatsanwaltschaft Nidwalden in ihren Ermittlungen die Geldflüsse nachvollziehen kann.
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