Xiaomi Redmi Headphones Neo im Test: Guter Over-Ear-Kopfhörer für knapp 50 Euro
Der erste Over-Ear-Kopfhörer mit ANC unter dem Label Redmi ist günstig – und dennoch gut. Der Hersteller verspricht bis zu 72 Stunden Laufzeit.
Während Sony, Bose und Sonos für ihre Spitzenmodelle zwischen 300 und 500 Euro verlangen, betritt Xiaomi den Markt von ganz unten. Die Headphones Neo sind der erste Over-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung unter der Marke Redmi – und er kostet nur 51 Euro (Proshop).
Die Eckdaten lesen sich für diese Klasse erstaunlich gut: 40-mm-Treiber mit Titanbeschichtung, Bluetooth 5.4, Multipoint, Hi-Res-Zertifizierung im Kabelbetrieb, App mit 10-Band-Equalizer und eine Akkulaufzeit von bis zu 72 Stunden. Auf dem Datenblatt fehlt wenig. Die spannende Frage lautet deshalb: Wo hat Xiaomi gespart – und tut das im Alltag weh?
Design, Verarbeitung und Komfort des Xiaomi Redmi Headphones Neo
Der Redmi Headphones Neo erscheint in Schwarz, Weiß und Blau. Uns liegt die blaue Variante vor, die mit einer glänzenden Oberfläche auffällt. Fingerabdrücke bleiben trotzdem kaum hängen. Der Kopfhörer wirkt damit lebendiger als im sonst üblichen Schwarz, ohne dabei billig zu wirken. Ein Blickfang wie die Nothing Headphone 1 mit ihrem transparenten Gehäuse ist er aber nicht – hier regiert Zurückhaltung.
Mit 263 g bewegt sich der Kopfhörer im Mittelfeld. Die Maße von 20,2 × 18,3 × 4,7 cm fallen kompakt aus. Die Ohrpolster bestehen aus Proteinleder und sind mit Niedrigdruck-Schaumstoff gefüllt. Sie umschließen selbst große Ohren vollständig. Der Anpressdruck bleibt angenehm, drückt nicht und lässt lange Hörsessions zu. Das hat allerdings eine Kehrseite, die später beim ANC noch wichtig wird.
Xiaomi Redmi Headphones Neo Bilder
Xiaomi Redmi Headphones Neo
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Der Kopfbügel ist teleskopisch und mehrstufig verstellbar, im Inneren steckt eine Metallverstärkung. Das sorgt für Stabilität. Die Polsterung des Bügels fällt dagegen dünn aus – hier hat Xiaomi sichtbar gespart. Bei uns drückte trotzdem nichts.
Kritischer sehen wir die Scharniere zwischen Muschel und Bügel. Sie bestehen komplett aus Kunststoff. Genau an dieser Stelle hatte Sony beim WH-1000XM5 Langzeitprobleme und rüstete beim Nachfolger auf Metall um. Beim Redmi könnte sich die Konstruktion nach längerer Nutzung als Schwachstelle erweisen. Immerhin: Die Muscheln lassen sich drehen und falten, was den Transport erleichtert.
Nur nützt das wenig, denn im Karton liegt weder ein Case noch ein Stoffbeutel. Wer den Kopfhörer im Rucksack mitnimmt, sollte sich um Schutz selbst kümmern. Eine IP-Zertifizierung gibt Xiaomi ebenfalls nicht an – Regen und Schweiß sollte man dem Neo also nicht zumuten.
Ein Tragesensor fehlt. Nimmt man den Kopfhörer ab, läuft die Musik munter weiter. Das ist in dieser Preisklasse verzeihlich, im Alltag aber lästig.
Technische Spezifikationen
Im Inneren arbeiten 40-mm-Dynamiktreiber mit titanbeschichteter Membran. Die Beschichtung soll die Membran steifer und leichter machen, was Verzerrungen reduziert. Über Bluetooth deckt der Kopfhörer 20 Hz bis 20 kHz ab, per USB-Audio reicht der Frequenzgang bis 40 kHz. Die Hi-Res-Zertifizierung gilt ausschließlich im Kabelbetrieb.
Funk läuft über Bluetooth 5.4 mit rund 10 m Reichweite. Unterstützt werden LE, HFP, A2DP und AVRCP. Bei den Codecs wird es dünn: Nur SBC und AAC stehen bereit. LDAC wie beim Sony WH-1000XM6 oder aptX wie beim Bowers & Wilkins Px8 fehlen. Wer kabellos Hi-Res hören will, benötigt etwas anderes.
Multipoint für zwei Geräte ist ab Werk aktiv – ein Feature, das selbst der 500 Euro teure Dyson Ontrac vermissen lässt. Drei Mikrofone mit KI-gestützter Sprachtrennung kümmern sich um Telefonate. Google Fast Pair beschleunigt die Kopplung mit Android-Geräten.
Geladen und kabelgebunden gehört wird über USB-C. Eine Klinkenbuchse fehlt. Audio-Sharing funktioniert ausschließlich mit Xiaomi-Geräten unter Hyper OS. Spatial Audio und Head-Tracking gibt es nicht – Features, die in dieser Preisklasse ohnehin selten sinnvoll umgesetzt werden.
Bedienung und App des Xiaomi Redmi Headphones Neo
Xiaomi setzt auf physische Tasten statt Touch-Flächen. An Bord sind eine Multifunktionstaste, eine Lautstärkewippe und ein Power-Knopf. Die Tasten lassen sich blind ertasten und sicher voneinander unterscheiden. Frei belegbar ist die Tastenbelegung: einfach, doppelt und dreifach drücken sowie Halten lassen sich in der App mit Funktionen versehen.
Die App heißt Xiaomi Earbuds und überzeugt mit einer übersichtlichen Struktur. Vier EQ-Presets stehen bereit: ausgewogen, Bass, Höhen und Stimmen. Wem das nicht reicht, baut sich über den 10-Band-Equalizer eigene Profile. Das ANC lässt sich in drei Stufen einstellen, dazu kommt ein adaptiver Modus, der die Intensität automatisch an die Umgebung anpasst.
Für die normale Nutzung der App ist keine Registrierung nötig. Nur Firmware-Updates erfordern ein Xiaomi-Konto. Angesichts der Kontozwang-Politik mancher Hersteller ist das ein fairer Kompromiss.
Xiaomi Redmi Headphones Neo Screenshot
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Klangqualität und ANC
Ab Werk klingt der Redmi Headphones Neo deutlich basslastig. Der Tiefton dominiert und drängt sich in den Vordergrund. Mitten und Höhen lösen dagegen wenig auf – Details in Gesangsstimmen oder Becken gehen unter. Wer Hip-Hop oder Elektro hört, wird damit glücklich. Wer Jazz oder Klassik mag, sollte zum Equalizer greifen.
Interessant wird es am Kabel: Über USB-C strafft sich der Bass spürbar, die Wiedergabe gewinnt an Details. Der Klangcharakter unterscheidet sich zwischen Funk und Kabel deutlich – gefühlt sind es dann zwei verschiedene Kopfhörer. Die Bühne fällt eng aus. Eine gewisse Räumlichkeit bleibt trotzdem erhalten, Instrumente lassen sich grob verorten.
Beim ANC zeigt sich ein klassisches Einsteigerbild: Tiefe, monotone Geräusche dämpft der Neo zuverlässig. Motorenbrummen im Bus, das Rauschen einer Klimaanlage oder das Grundrollen im Zug verschwinden weitgehend. Bei wechselnden und hohen Frequenzen schwächelt die Technik dagegen. Stimmen im Café, klapperndes Geschirr und Tastaturgeklapper dringen durch.
Ein Grund dafür liegt paradoxerweise im Tragekomfort: Der niedrige Anpressdruck sorgt für angenehmes Tragen, mindert aber die passive Abdichtung – und damit die Effizienz des ANC.
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Der Transparenzmodus klingt dumpf. Die eigene Stimme wirkt unnatürlich, fast wie unter einer Decke. Immerhin: Richtungen bleiben ortbar, man erkennt also, woher ein Geräusch kommt. Im direkten Vergleich mit dem CMF Headphone Pro zieht der Redmi Headphones Neo bei ANC und Klang den Kürzeren.
Akku
Der 600-mAh-Akku soll laut Xiaomi bis zu 72 Stunden ohne ANC durchhalten. Diese Laborangabe gilt bei AAC-Codec und 50 Prozent Lautstärke – realistische Alltagswerte liegen darunter, bleiben aber beeindruckend. Schnellladen beherrscht der Kopfhörer ebenfalls. Der Ladeeingang arbeitet mit 5 V und 600 mA.
Preis: Was kostet der Xiaomi Redmi Headphones Neo?
Die schwarze Variante kostet 51 Euro (Proshop). Die blaue Ausführung liegt mit rund 55 Euro bei Amazon etwas höher.
Fazit
Der Xiaomi Redmi Headphones Neo liefert für 51 Euro eine erstaunlich vollständige Ausstattung: Bluetooth 5.4, Multipoint ab Werk, 10-Band-Equalizer, frei belegbare Tasten, drei ANC-Stufen plus adaptiver Modus und eine Akkulaufzeit von bis zu 72 Stunden. Die physischen Tasten arbeiten zuverlässig, die App bleibt übersichtlich und verlangt nur für Firmware-Updates ein Konto.
Die Kompromisse sind allerdings hörbar. Das ANC packt tiefe Dauergeräusche, kapituliert aber vor Stimmen und Geschirrklappern. Der niedrige Anpressdruck macht den Kopfhörer bequem, schwächt aber die Abdichtung. Der Klang wirkt kabellos basslastig und wenig aufgelöst – erst am USB-C-Kabel mit Hi-Res-Zertifizierung zeigt sich Substanz. LDAC oder aptX fehlen, ebenso Tragesensor, Case und IP-Schutz. Die Kunststoffscharniere könnten langfristig zur Schwachstelle werden.
Wer etwas mehr ausgeben kann, bekommt mit dem CMF Headphone Pro spürbar besseres ANC und besseren Klang. Für alle mit sehr knappem Budget bleibt der Redmi Headphones Neo trotzdem ein solides Angebot.
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