Q&A zum AfD-Wahlerfolg – Warum die AfD gewinnt – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Was bedeutet der AfD-Wahlerfolg und wie ist er entstanden? Fachpersonen haben Ihre Fragen zur aktuellen politischen Situation in Deutschland beantwortet.
Wer wählt die AfD heute?
«Die AfD wird weiterhin hauptsächlich von Menschen gewählt, die Zuwanderung strikt ablehnen», schreibt Magdalena Breyer, Postdoc am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Basel.
Eine Protestpartei ist die AfD sicher nicht mehr.
Es sei nicht korrekt, dass nur sozial Benachteiligte die AfD unterstützen: «In den letzten Jahren haben viele Studien ergeben, dass Menschen mit einem mittleren Status, die etwas zu verlieren haben, von rechtsradikalen Parteien gewonnen werden.»
Dass die AfD zuletzt so stark zulegen konnte, liege deshalb auch an der wirtschaftlichen Lage und der Unzufriedenheit mit der Bundesregierung. «Und wir sehen, dass der AfD jetzt auch Kompetenz in wirtschaftlichen und sozialen Fragen zugeschrieben wird», ergänzt Sophie Suda, ebenfalls Postdoc am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Basel.
Wir erleben in vielen europäischen Ländern eine zunehmende Zersplitterung von Parteiensystemen.
Eine reine Protestpartei sei die AfD sicher nicht mehr, sagt Stefan Reinhart, Leiter der SRF-Ausland-Korrespondentinnen und ‑Korrespondenten. Auch hätten 60 Prozent der AfD-Wählenden laut Umfragen mit Rechtsextremismus nichts am Hut: «Viele Menschen sehen ihre Ängste und Nöte in der Politik nicht mehr abgebildet, sehnen sich nach Sicherheit und einfachen Antworten, die AfD liefert diese. Und obwohl die Programme der AfD teils radikal sind, sagen mir Menschen: So schlimm wird's nicht kommen.»
Ist das das Ende der etablierten Parteien?
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte sei in vielen europäischen Ländern eine zunehmende Zersplitterung von Parteiensystemen zu erleben, so Breyer. Das liege daran, dass sich immer weniger Menschen automatisch mit einer Partei identifizieren und diese dauerhaft wählen.
«Jetzt ist die Frage in Deutschland, ob CDU, SPD oder Grüne die Menschen zurückgewinnen können. Das hängt auch stark von Kanzler Merz ab», ergänzt Reinhart.
Mittelfristig schwächen sich Parteien wie die CDU auch dadurch, dass sie sich nach rechts bewegen: «Dadurch werden bestimmte Rechtsaussen-Positionen normalisiert und Menschen mit diesen Einstellungen wählen aber weiterhin eher die AfD», so Suda.
Wie wäre die AfD als Regierungspartei?
«Eine Einbindung in die Regierung ist schwierig, da die AfD nachweislich verfassungswidrige Positionen vertritt», schreibt Breyer.
Derzeit seien die meisten Konservativen und Liberalen in Deutschland weiter klar gegen eine AfD‑Einbindung. «Der öffentliche Druck durch Wahlniederlagen ist aber gross. Andere Parteien begannen früh damit, Inhalte der AfD zu übernehmen. Da erscheint der nächste Schritt zur Forderung nach einer Zusammenarbeit auch nicht mehr abwegig.»
An sich ist die demokratische Resilienz in Deutschland hoch.
Es sei auch die grosse Frage, wie Regierungsverantwortung die AfD verändern würde, ergänzt Reinhart. «Messen könnte man es an der Kompromissbereitschaft: Will die AfD mit jemandem regieren und auch Zugeständnisse machen? Wenn sie dann regieren, suchen sie einen gemeinsamen Nenner – wie das bei der AfD sein würde, weiss man nicht.»
Nicht komplett auszuschliessen sei in Deutschland eine Aushöhlung einzelner freiheitlich-liberaler Rechte oder Institutionen, sagt Suda. «Wie wir das auch in anderen europäischen Ländern (klassische Beispiele sind Polen und Ungarn) gesehen haben. An sich ist die demokratische Resilienz in Deutschland aber hoch.»
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.