Wo die Reformbereitschaft endet
Guten Morgen,
so ganz abstrakt sind wir Menschen ja zu allem Möglichen bereit: uns gesünder zu ernähren, nachhaltiger zu konsumieren oder sparsamer mit unseren Daten umzugehen - auch wenn all das Verzicht bedeutet. Kommt es dann zum Praxistest, ist die hehre Bereitschaft schnell wieder dahin. Was die Psychologie als "Intentions-Verhaltens-Lücke" beschreibt, kann die Politik in die Verzweiflung treiben, wenn sie den schwierigen Konsens für Reformpolitik sucht.
Im neuen Politbarometer ist die Intentions-Verhaltens-Lücke diese Woche besonders plastisch: Eine überwältigende Mehrheit hält eine grundlegende Rentenreform für wichtig - selbst dann, wenn sie zu Einschnitten und Belastungen führt.
Die abstrakte Reformbereitschaft bei der Rente bricht dann aber sofort wieder ein, wenn es konkret wird. So wird die geplante Abschaffung der sogenannten "Rente mit 63" von den meisten Befragten abgelehnt. Sogar bei den Anhängern der beiden Koalitionspartner überwiegt die Meinung, die "Rente mit 63" solle bleiben.
In der Berliner Landespolitik lassen sich gerade SPD und Grüne bei den Sondierungen für eine Regierung auf ein Projekt der Linken ein, die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Dass das einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme auf dem Wohnungsmarkt in Großstädten leisten kann, glaubt lediglich eine Mehrheit der Linken-Anhänger. Alle anderen Parteianhängerschaften, auch die von SPD und Grünen, bezweifeln das.
Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind eine der Triebfedern, die in Europa gerade die junge Generation auf die Straßen bringt, begleitet von ungebremstem Zerstörungswahn in vielen Städten. Auch hierzulande formiert sich gerade ein Bündnis, das die Proteste nach Deutschland holen will. Die Proteste in Frankreich, gepaart mit den innenpolitischen Problemen, könnten für die ganze EU zum Problem werden, glauben über zwei Drittel der Deutschen. Einzig die Anhänger der Linken sehen das anders.
Einen bemerkenswerten Konsens gibt es in einer anderen europäischen Frage - einer, die sich vor Donald Trump so verschärft gar nicht stellte. Doch seit der US-Präsident von Europa und dem Versprechen, es zu verteidigen, immer wieder abrückt, hat sich das Selbstverständnis der EU-Staaten gewandelt. So sind rund 90 Prozent der Deutschen der Meinung, dass sich die europäischen Verbündeten auch ohne die USA selbst verteidigen können sollten.
Dass die EU trotz aller Bekenntnisse und guter Absichten von militärischer Unabhängigkeit noch weit entfernt ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wird es konkret, ist die Bereitschaft der Mitgliedstaaten gering, nationale Hoheiten über die Verteidigung abzugeben. Hier liegt die Intentions-Verhaltens-Lücke also eindeutig auf Seiten der handelnden Politiker.
Was auch immer Ihre guten Absichten fürs Wochenende sind: Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag!
Stefan Leifert, Leiter des heute journals
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Was heute noch wichtig ist
Treffen der Außenminister in Istanbul / CSU-Parteitag in München / Gespräche VW und IG Metall
23.10.2026 | 1:08 minBeratungen zu Straße von Hormus und Ukraine: In Istanbul treffen sich die Außenminister von Deutschland, Großbritannien und Frankreich (kurz: E3) mit ihren Amtskollegen aus der Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien und Pakistan. Es ist das erste Treffen dieser Art, ohne die USA. Im Fokus: der Einbruch der Getreideexporte aus der Ukraine und die Blockade der Straße von Hormus.
CSU-Parteitag: Ab heute hält die CSU ihren Parteitag in München ab. Mit Spannung wird erwartet, inwieweit sich der CSU-Vorsitzende Markus Söder und Kanzler Friedrich Merz zu Ilse Aigner als möglicher Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin äußern werden.
Neue Gespräche bei VW: Der VW-Vorstand und die Arbeitnehmer-Vertreter der IG-Metall kommen in Hannover zur zweiten Runde der sogenannten Überprüfungsgespräche zusammen. Das Verhältnis zwischen Management und Belegschaft gilt als extrem belastet. Die IG Metall hatte Vorstandspläne öffentlich gemacht, denen zufolge bei den Gehältern weltweit Nullrunden bis zum Jahr 2030 geplant seien.
Sportlich in den Tag
Sinken die Temperaturen, bricht alljährlich die Zeit für den Wintersport an: Morgen startet in Sölden der Weltcup im Ski alpin. Wir blicken auf die Chancen der deutschen Starter. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen vor allem auf Emma Aicher, wie Elisabeth Schlammerl berichtet:
ZDFsportstudio, 21.10.2026, 19:53 Uhr
21.10.2026 | 2:08 minZahl des Tages
1.000 - ungefähr so viele Songs passten auf den ersten "iPod". Heute vor 25 Jahren präsentierte der Apple-Gründer und damalige Firmenchef Steve Jobs das portable Musik-Abspielgerät. Das minimalistische und handliche Design revolutionierte den Musik-Markt und eröffnete Apple den Weg vom reinen Computerhersteller hin zum Tech-Giganten von heute.
Gesagt
Ruszkik haza!
Politischer Slogan in Ungarn
Dieser Slogan kann mit "Russen, geht heim!" übersetzt werden. Er entstand während des ungarischen Volksaufstands, der heute vor 70 Jahren, am 23. Oktober 1956, mit einer friedlichen Großdemonstration von Studenten in Budapest begann. Der Protest richtete sich gegen die Alleinherrschaft der Kommunistischen Partei und wurde am 11. November 1956 von Sowjettruppen blutig niedergeschlagen.
Weitere Schlagzeilen
- Midterms - Abrechnung mit Trump? : "Kann diese Wahl das alte Amerika zurückbringen?"
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- Beben der Stärke 7,0: Starkes Erdbeben in Tibet - mindestens 16 Tote
Die Nachrichten im Video
Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden
22.10.2026 | 2:03 minWenn Sie unser ZDFheute Update abonnieren möchten, können Sie das hier tun oder in Ihrer ZDFheute-App unter Meine News / Einstellungen / ZDFheute-Update-Abo.
So wird das Wetter heute
Heute ist es im Osten und Südosten mit etwas Sonne noch meist trocken. Sonst kommt von Westen Regen und starker Wind auf. Ganz im Westen sind Sturmböen dabei. Die Temperatur steigt auf Werte von 10 bis 16 Grad. Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie jederzeit auf unserer Übersichtsseite.
Zusammengestellt von Torben Heine
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