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Friday, October 30, 2026

Nati-Goalie Kobel nahe an Manuel Neuer: «Einer der Besten»

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  • Sky-Expertin Julia Simic sieht im grossen Interview mit 20 Minuten Bayern im Klassiker gegen Dortmund als klaren Favoriten.
  • Dem BVB traut sie dennoch etwas zu und lobt die Stabilität unter Trainer Niko Kovac.
  • Dortmund-Goalie Gregor Kobel nennt sie einen Leader und einen der besten Torhüter der Bundesliga.

Julia Simic, Sie haben vor der Saison Bayern München als Meister und Dortmund auf Platz zwei getippt. Bleiben Sie dabei?

Wenn ich auf die Tabelle schaue, würde ich sagen: Top, gute Expertin – Bayern Erster, Dortmund Zweiter. Aber im Ernst: Ich glaube, beide haben aktuell einige Brandherde und Baustellen – auch abseits des Platzes. Trotzdem zähle ich beide über lange Strecke zu den stabilsten Mannschaften.

Was spricht für Dortmund?

Dortmund steht immer wieder in der Kritik, gerade wegen der Art und Weise, wie die Mannschaft Fussball spielt. Ich bin ein grosser Fan von Niko Kovac und davon, was er an mannschaftlicher Geschlossenheit, Menschenführung und Stabilität in die Mannschaft gebracht hat. Dortmund hat über viele Jahre nach Stabilität gesucht. Mit Kovac scheint man diese endlich gefunden zu haben.

Aber die Fans erwarten auch attraktiven Fussball, oder?

Wenn du Dortmund kennst und im Stadion stehst, wird dir schnell klar: Die Fans wollen ein Feuerwerk auf dem Rasen sehen. Das ist nicht immer der Fall. Trotzdem ist die Mannschaft unheimlich stabil. Sie steht auf Platz zwei und hat in dieser jungen Saison noch kein Spiel verloren.

Das ist Julia Simic

Trauen Sie Dortmund im direkten Duell einen Sieg zu?

Unmöglich ist es nicht. Ich habe vor der Saison getippt, dass Bayern Meister wird – und zwar mit einem klaren Vorsprung –, Dortmund aber einen der beiden Klassiker gewinnt. Einfach, weil solche direkten Duelle ihre eigenen Gesetze haben. Die Favoritenrolle liegt ganz klar bei Bayern. Aber ich traue Dortmund durchaus etwas zu.

Julia Simic umarmt Dortmund-Coach Niko Kovac. Über ihn sagt sie: «Ich bin ein grosser Fan von Niko Kovac und davon, was er an mannschaftlicher Geschlossenheit, Menschenführung und Stabilität in die Mannschaft gebracht hat.»

Julia Simic umarmt Dortmund-Coach Niko Kovac. Über ihn sagt sie: «Ich bin ein grosser Fan von Niko Kovac und davon, was er an mannschaftlicher Geschlossenheit, Menschenführung und Stabilität in die Mannschaft gebracht hat.»IMAGO/Nordphoto

Bayerns Trainer Vincent Kompany fehlt nach seinem Zusammenbruch. Laut Max Eberl hat er eine Hirnhautreizung. Was beeindruckt Sie grundsätzlich an ihm?

Seine Aura. Wenn du neben ihm stehst, merkst du: Das ist ein Mensch, dem du einfach gerne zuhörst – ganz unabhängig von seinem Beruf. Er strahlt etwas aus und hat eine ganz besondere Präsenz. Er kommt in einen Raum und füllt ihn aus – auch mit einer unheimlich guten Art zu kommunizieren.

Und fachlich?

Er ist ein unheimliches Arbeitstier, das, wie man hört, bis zu 17 oder 18 Stunden am Tag arbeitet. In dieser Rolle braucht es natürlich ein hohes Mass an Energie und Leidenschaft – gepaart mit viel Fleiss und Akribie. Wenn man ihn erlebt, merkt man, wie wissbegierig er ist und wie viel fachliche Qualität er mitbringt.

Die Art des Fussballs, die er bei den Bayern implementiert hat, ist ein Beleg dafür, wie er den Fussball in der Tiefe versteht, aber auch, wie sehr das Team mitzieht und dem Trainer vertraut. Ich glaube, er vereint viele der Eigenschaften, die es im modernen Trainergeschäft für einen Cheftrainer braucht.

Sie sind selbst Co-Trainerin in Nürnberg und bei der Frauen-Nati, haben früher Fussball gespielt und arbeiten als Expertin.

Es ist unheimlich schwer, abzuschalten. Viele Menschen, die im Fussball arbeiten, besitzen eine gewisse Leidenschaft für den Sport – unabhängig davon, welche Rolle sie einnehmen. Das gilt für Trainer, Spieler, Journalisten und viele andere.

Der Fussball bietet durch seine Popularität unheimlich viele bezahlte Berufsfelder. Viele gehen diesen Tätigkeiten mit enormer Leidenschaft und einem hohen Arbeitspensum nach, auch weil der Job es verlangt. Es gibt keine Wochenenden, selten freie Tage.

Und was macht den Job als Coach besonders belastend?

Gerade als Cheftrainer ist es schwierig, ein gesundes Mass zu finden. Du führst mittlerweile nicht nur eine Mannschaft, sondern möglicherweise 20–30 Personen im Staff, Menschen auf unterschiedlichen Führungsebenen und in verschiedenen Abteilungen.

Dazu kommen die Medien und die vielen Expertenteams, die einen Cheftrainer begleiten. Das alles ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Jeder braucht auch seine Daseinsberechtigung, und gleichzeitig bist du als Cheftrainer jederzeit Ansprechpartner – egal zu welcher Tageszeit. Trainer arbeiten deshalb oft elf bis zwölf Stunden am Tag.

Beginnt dieser Druck erst im Spitzenfussball?

Der Fall Vincent Kompany ist natürlich ein Extremfall. Gleichzeitig stehen viele andere Trainer gesund an der Seitenlinie. Der Beruf ist ab einem gewissen Niveau natürlich hoch bezahlt, keine Frage. Aber Stress beginnt nicht erst ganz oben. Ich selbst bin aktuell unter anderem auch im Nachwuchsbereich tätig.

Bayern gegen Dortmund exklusiv bei Sky Switzerland

Der Bundesliga-Klassiker zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wird in der Schweiz exklusiv von Sky Switzerland übertragen. Der Streaming-Anbieter bietet via seine Sky App Zugang zu sämtlichen bedeutenden Sportarten, Ligen und Wettbewerben und bündelt somit das Beste aus der Welt des Sports an einem einzigen Ort. Wer den Klassiker kurzfristig via Sky mitverfolgen möchte, findet hier alle Infos.

Bei Eintracht Frankfurt war ich zuletzt Cheftrainerin der U20 sowie Nachwuchs-Koordinatorin gleichzeitig. Dort bedeutet der Alltag ebenfalls, nonstop zu arbeiten, für alle erreichbar zu sein und immer ein bisschen mehr zu machen, als eigentlich von einem erwartet wird. Das gehört irgendwie dazu.

Zurück zur Bundesliga: Gregor Kobel ist seit Jahren Dortmunds Torhüter. Wo ordnen Sie ihn ein?

Wenn man ihn in Interviews erlebt, erkennt man auch von aussen, was für eine Führungspersönlichkeit er ist. Er ist ein Leader in der Mannschaft, jemand, an dem sich andere orientieren und der in der Kabine das Wort ergreift. Diese Entwicklung hat er in den vergangenen Jahren gemacht – vor allem durch seine konstant guten Leistungen.

Torwarttechnisch gehört er zu den Besten, die wir in der Bundesliga haben. Er misst sich mit extrem starker Konkurrenz und war in den vergangenen Jahren auch teilweise mit Manuel Neuer was gewisse Statistiken anging auf Augenhöhe. Was gehaltene Bälle angeht, hatte er in den den vergangenen Saisons immer Bestwerte vorzuweisen. Das unterstreicht seine Qualität.

Welche Schweizer Spieler sind Ihnen sonst besonders aufgefallen?

Vor allem Johan Manzambi hat in der vergangenen Saison für viel Furore gesorgt. Ein toller Spieler. Ich erlebe das ja aktuell hautnah auch im Frauenfussball: Dieses kleine Land bringt immer wieder grossartige Fussballer und Fussballerinnen hervor. Das ist aussergewöhnlich. Im Vergleich zu Deutschland ist die Auswahl deutlich kleiner, deshalb ist das umso höher einzuschätzen. Auch Miro Muheim vom HSV macht zuletzt auf sich aufmerksam.

Sie haben selbst für die AC Milan gespielt. Wie viel Serie A verfolgen Sie heute noch?

Ich schaue natürlich vergleichsweise viel mehr Bundesliga. Dazu verfolge ich natürlich auch sehr intensiv den Frauenfussball, weil ich durch die Aufgabe mit der Schweizer Nationalmannschaft viele Spielerinnen in unterschiedlichen Ligen im Blick habe. Mit meinen zeitlichen Kapazitäten schaffe ich es leider nicht, alles zu sehen. Aber ich habe immer ein Auge auf meine Rot-Schwarzen aus Mailand, schliesslich habe ich selbst ein Jahr lang für die AC Milan gespielt.

Mit Manuel Akanji bei Inter und Ardon Jashari bei Milan stehen sich dabei auch zwei Schweizer gegenüber.

Akanji kenne ich natürlich durch seine Zeit in der Bundesliga etwas besser. Ein toller Spieler, der in den vergangenen Jahren immer wieder für Stabilität gesorgt hat – auch in der Nationalmannschaft. Wenn man mich nach meinem Herzen oder meinem Favoriten fragt, bin ich natürlich ganz klar bei der AC Milan.

Sie kennen den Fussball aus der Kabine, von der Seitenlinie und vor dem Mikrofon. Wie erleben Sie diese Gespräche?

Es ist ein Privileg für mich. Mir geht es nicht darum, einzelne Personen mit Kritik zu konfrontieren, sondern darum, zu verstehen, wie Entscheidungen zustande gekommen sind. Es macht unheimlich viel Spass, so nah dran zu sein, auch wenn nicht jedes Interview immer nur angenehm verläuft. Ich hatte beispielsweise schon emotionale Interviews mit Thomas Tuchel und Oliver Kahn erlebt, bei denen das Mikrofon auf den Tisch gelegt wurde und das Interview vorzeitig beendet war. Aber meistens verlaufen die Begegnungen positiv.

Haben Sie das Gefühl, Ihre Kompetenz stärker beweisen zu müssen als männliche Kollegen?

Ich bin mittlerweile in meiner fünften Saison bei Sky. Am Anfang war das für mich stärker ein Thema. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat sich enorm viel entwickelt. Mittlerweile ist bei fast jeder Expertenrunde ebenfalls eine Frau dabei. Ganz selbstverständlich ist das aber noch nicht, weil wir weiterhin stark in der Unterzahl sind und – plakativ gesagt – in dieser Rolle in der Branche noch relativ neu sind.

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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