Trump dreht Russlands Dieselhähne auf
US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin die Lieferung großer Mengen an Diesel aus Russland in Aussicht gestellt. Mehr als 300.000 Tonnen des Treibstoffs stünden sofort für die Vereinigten Staaten und den Weltmarkt zur Verfügung, 500.000 weitere Tonnen folgten im November. Danach sollten zusätzlich mehrere Millionen Tonnen aus Russland exportiert werden, soweit die dortigen Kapazitäten es zuließen.
Dies werde die Spritpreise erheblich senken, schrieb Trump in sozialen Medien. Wenige Wochen vor den Zwischenwahlen im November stehen der Präsident und dessen republikanische Partei wegen stark gestiegener Spritpreise innenpolitisch unter Druck. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten die USA Sanktionen gegen Energieunternehmen in Russland verhängt, die nun zu Teilen ausgesetzt werden. Das US-Finanzministerium erteilte eine befristete Importgenehmigung bis Anfang April.
Selenskyj: "Unwürdig"
Der Kreml bestätigte die Vereinbarung und erklärte, man sei bereit, Erdöl und dessen Verarbeitungsprodukte in die Vereinigten Staaten und auf den Weltmarkt zu liefern. Das werde sich positiv auf die gesamte globale Wirtschaft auswirken. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die "unwürdige" Übereinkunft hingegen scharf. Sie verschaffe Moskau zusätzliche Mittel für seine Kriegsführung und untergrabe die Bemühungen um eine Friedenslösung, erklärte er.

Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA liegt der Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen in den USA derzeit bei durchschnittlich rund 3,77 Millionen Barrel täglich. Das entspricht umgerechnet etwa 500.000 Tonnen. Eine Menge von 300.000 Tonnen würde damit rechnerisch den US-Verbrauch für gut 14 Stunden decken.
Experte: "Unbedeutend"
Mehrere Experten bezweifeln denn auch, dass die russischen Lieferungen einen nachhaltigen Preisrückgang zur Folge haben. "Ich kann gar nicht genug betonen, wie unbedeutend das ist", erklärte etwa der Öl-Analyst Rory Johnston. Die US-Terminkontrakte für Diesel gaben nach Bekanntwerden der Einigung dennoch um rund fünf Prozent auf 1,23 Dollar (1,10 Euro) pro Liter nach.

Die Dieselpreise, die als einer der maßgeblichen Treiber von Inflation gelten, sind seit Beginn des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen den Iran im Februar um 70 Prozent gestiegen. Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten und in der Ukraine haben weltweit zu einem Engpass bei der Kraftstoffversorgung geführt.
Während Russland bei seinen Attacken immer wieder auf die ukrainische Energieversorgung zielt, verstärkt die Ukraine seit einiger Zeit ihre Angriffe auf Objekte der Öl-Industrie in Russland. Da viele russische Raffinerien beschädigt sind, hat sich die dortige Dieselproduktion von ursprünglich sieben Millionen Tonnen im Monat ungefähr halbiert.
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