Familie Steiner sorgt beim HCD für einzigartige Konstellation

Er kennt es gar nicht anders. Schon seit er Eishockey spielt, präpariert sein Onkel Stefan Steiner seine Schlittschuhkufen. Vor seinem Kanada-Abenteuer hat er ihm sogar welche auf Vorrat geschliffen, damit er die perfekten mitnehmen kann. HCD-Jungstürmer Lars Steiner steht deshalb interessiert neben der Schleifmaschine und schaut ihm zu, als er seinen Schliff mit dem Namen «Davos 6» anbringt.
Sein Onkel kümmert sich bei Davos bereits in seiner 19. Saison um die Bedürfnisse der Spieler, die Schweizer Nati betreut der Emmentaler bereits seit 15 Jahren mit dem gleichen Herzblut. Seit vier Jahren ist nun auch Bruder Michael Steiner, der Papa von Lars, mit an Bord beim HCD.
Der Teenager ist auf diese Saison hin aus Nordamerika zurückgekehrt. Zwei Jahre spielt er in der kanadischen Juniorenliga bei den Huskies in Rouyn-Noranda. Erstmals weg von zu Hause und vom HCD, wohnt der 18-Jährige dort bei einer Gastfamilie. «Dort wurde ich selbstständiger und habe viel gelernt. Davor zu Hause musste ich mich ja nicht um viel kümmern», erzählt Lars. Der Papa und der Onkel grinsen – und betonen beide mit einem Lächeln, dass er jetzt hier auch etwas disziplinierter sein müsse.
Seit jeher inniges Verhältnis
Als Rookie im Fanionteam ist der talentierte Stürmer für gewisse Ämtli zuständig: Die Pucks nach dem Training einsammeln, den Teambus aufräumen, die Stöcke einladen und die Ausrüstungen nach der Heimfahrt wieder ausladen. «Aber wir helfen ihm ab und zu», verrät Stefan Steiner (58). Immer wieder neckt sich das Trio, das mit dem Velo ins Stadion radelt. Im Gespräch, aber auch im Hockey-Alltag. Die Steiners haben schon seit jeher ein inniges Verhältnis, Stefan und Michi sind als zwei von elf Geschwistern auf einem Bauernhof in Signau im Emmental aufgewachsen. Dass sie miteinander anpacken müssen, haben sie früh gelernt. «Geregelte Arbeitszeiten gab es damals auch nicht», sagen sie. Sie seien mehr als Brüder.
Michi Steiner (56) hat einst die Skirennfahrerin, Riesenslalom-Weltmeisterin und Olympia-Bronze-Gewinnerin Sonja Nef (54) in ihrer Karriere als Servicemann begleitet bis zu ihrem Rücktritt 2006, und danach in Davos ein Sportgeschäft eröffnet. Sein Bruder hat ihm regelmässig beim Skiservice geholfen. Seit vier Jahren ist nun der HCD ihr Leben, der Rest ihrer Familie besitzt Saisonkarten der SCL Tigers.
«Mache mir schon etwas mehr Sorgen»
Die HCD-Steiners sind sich der einzigartigen Konstellation bewusst. Kein anderer Hockeyprofi sieht auf der Spielerbank gleich zwei Verwandte. Vater und Onkel versichern, dass Lars gleich behandelt wird wie alle anderen Spieler. Aber auch, dass man trotzdem etwas mehr zusammenzuckt, wenn auf dem Eis etwas passiert und der Teenager involviert ist. Wie Ende September in Ambri, als er vom Puck im Gesicht getroffen wurde und sich im gleichen Spiel seiner Tor-Premiere auch noch eine blutige Nase holte.
«Ja, vielleicht mache ich mir schon etwas mehr Sorgen», gesteht der Papa. Ansonsten aber halte er sich aus dem Sportlichen raus, zu Hause am Esstisch werde nicht über Lars’ Leistung gesprochen, «sondern es findet ein Austausch übers Hockey und die Spiele generell statt», bestätigt sein Sohn. Der es übrigens ganz normal findet, dass er seinen Vater auch in der Garderobe automatisch Papa ruft.
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Er beschreibt Lars als unkomplizierten Jungen, der sich schon früh seinem Profi-Traum verschrieben hat. «Wir haben ihn dabei immer unterstützt.» Sport sei auch eine gute Lebensschule – ob es nun gut oder schlecht läuft. Als Team haben die Davoser noch Luft nach oben, die Konstanz fehlt. Youngster Steiner allerdings hat es geschafft, zu überzeugen. «Es war ein grosser Schritt vom Junioren-Hockey, aber ich finde mich gut zurecht», sagt der Junioren-Internationale, der an der letzten U20-WM zu einem der Top3-Spieler der Schweizer Mannschaft gekürt worden ist. «Dass ich von den Trainern viel Vertrauen bekomme, hilft natürlich.»
Handwerkliches Geschick gefordert
Im Schnitt spult er zwölf Minuten Eiszeit ab. Immer genauestens beobachtet von Vater und Onkel? «Vielleicht», meint Lars. «Nein», entgegnet Stefan schmunzelnd, «manchmal weiss ich nicht mal, wo auf der Spielerbank du sitzt.» Denn der Fokus des Chef-Materialwarts gilt dem Match-Geschehen. Das Stürmer-Talent weiss im Gegensatz zu vielen anderen Leuten genau, wie viel Materialwarte zu tun haben, «ich bin damit aufgewachsen».
Um alle Spielerwünsche erfüllen zu können, müssen sie handwerkliches Geschick haben. «Wir können nähen, von Hand oder mit der Nähmaschine, und flicken, um an der Ausrüstung etwas anzupassen. Ausser an Ambühls Brustpanzer», verrät Stefan Steiner, «er spielte über ein Jahrzehnt mit dem gleichen.»
In der Zwischenzeit sind die Kufen von Lars’ Schlittschuhen fertig und kommen für den letzten Schliff noch in die «Wundermaschine» von einem finnischen Erbauer, die sich die Steiner-Brüder selbst zugelegt haben und für die sie bekannt sind. An der letzten WM in Zürich hat es sich rumgesprochen, deshalb hat sich Finnen- und NHL-Star Aleksander Barkov (31, Florida Panthers) mit seinen Schlittschuhen vertrauensvoll an unsere Nati-Schleifspezialisten gewandt. Und wie beschreiben die Steiners das Geheimnis von Lars’ Schliff? «Mit seinem Kufenprofil kann er Tempo aufnehmen und agil bleiben.» Das ist in den Spielen nicht zu übersehen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 17 | 33 | 44 | |
2 | HC Ambri-Piotta | 17 | 3 | 30 | |
3 | Genève-Servette HC | 18 | -7 | 29 | |
4 | SCL Tigers | 19 | 10 | 29 | |
5 | SC Bern | 16 | 6 | 28 | |
6 | HC Fribourg-Gottéron | 18 | 13 | 27 | |
7 | EV Zug | 12 | 15 | 25 | |
8 | Lausanne HC | 19 | -11 | 24 | |
9 | EHC Biel | 17 | -2 | 23 | |
10 | HC Davos | 18 | -9 | 23 | |
11 | HC Lugano | 17 | -5 | 22 | |
12 | HC Ajoie | 18 | -8 | 22 | |
13 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 18 | -17 | 19 | |
14 | EHC Kloten | 18 | -21 | 18 |
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