Ana: «Mein Freund hatte bei meiner Sterilisation nichts zu sagen»

- Ana (32) wusste schon früh, dass sie keine Kinder möchte.
- Bei der Beratung zur Sterilisation wurde auch die Meinung ihres Partners thematisiert.
- Im September liess sie den Eingriff für 2100 Franken durchführen.
- Ana wurden beide Eileiter vollständig entfernt. Die Gebärmutter blieb erhalten.
Für viele Frauen gehört der Kinderwunsch irgendwann zum Leben dazu. Für andere steht schon früh fest, dass sie keine Mutter werden möchten. So auch für Ana* (32). «Einen bestimmten Moment gab es nicht. Ich wusste es einfach irgendwie immer», erzählt sie gegenüber 20 Minuten.
Bereits mit 22 Jahren sprach sie das Thema bei ihrem heutigen Freund an. Die beiden sind seit über zehn Jahren zusammen. «Ich habe ihm schon ganz am Anfang gesagt, dass ich keine Kinder will.» Für Ana war klar: Bei einer so grundlegenden Frage dürfe man keine Zeit verlieren, wenn die Vorstellungen auseinandergehen.
«Dann wäre er nicht der richtige Partner»
Mit etwa 18 Jahren begann Ana, die Pille zu nehmen. Über ein Jahrzehnt verhütete sie damit, bis sie beschloss, keine Hormone mehr nehmen zu wollen. Auch der Gedanke, sich nie wieder um Verhütung kümmern zu müssen, spielte eine Rolle. Ihre Entscheidung: eine Sterilisation.
Allerdings ging sie davon aus, dass sie vor ihrem 30. Geburtstag kaum einen Arzt finden würde, der den Eingriff durchführt. «Ich hatte online gelesen, dass es ohne Kinder unter 30 praktisch unmöglich ist.» Deshalb wartete sie zunächst ab.
Als sie sich schliesslich beraten liess, kamen Fragen auf, mit denen sie bereits gerechnet hatte. Unter anderem wurde angesprochen, ob sie mit dem «richtigen» Partner vielleicht doch noch Kinder wollen würde.
Anas Antwort darauf war eindeutig: «Dann wäre er in diesem Fall nicht der richtige Partner.» Schliesslich habe sie ihrem Freund von Anfang an gesagt, dass sie keine Kinder möchte. «Das ist ein Kriterium, bei dem man schlecht Kompromisse machen kann.»
Was hältst du davon, dass bei einer Sterilisation auch der Partner mitgedacht wird?
«Was mein Freund denkt, sollte keine Rolle spielen»
Auch die Meinung ihres Partners wurde zum Thema. Ob er mit der Sterilisation einverstanden sei und weshalb nicht er sich einer Vasektomie unterziehen lasse, wollten die Ärzte wissen.
Ana hatte die Entscheidung mit ihrem Freund besprochen. Er unterstützte sie und machte sich lediglich Sorgen um den Eingriff selbst. Trotzdem findet sie: «Grundsätzlich sollte es keinen Einfluss darauf haben, ob ich den Eingriff machen darf oder nicht.»
Sie betont allerdings, dass sie sich von den Ärzten trotz der kritischen Rückfragen ernst genommen fühlte. Ihre reguläre Gynäkologin habe sie neutral aufgeklärt und ihr auch von Erfahrungen anderer Patientinnen erzählt.
Diese verwies sie schliesslich an ein Spital. Dort fand ein weiteres Beratungsgespräch statt. Noch am selben Tag erhielt Ana ihren Operationstermin.
2100 Franken für die Sterilisation
Mitte September war es so weit. Ana liess sich sterilisieren. Dabei wurden ihr beide Eileiter vollständig entfernt. Die Gebärmutter blieb erhalten. Das entnommene Gewebe wurde anschliessend zur histologischen Untersuchung eingeschickt. Da keine medizinische Notwendigkeit bestand, musste sie die Kosten von 2100 Franken vollständig selbst übernehmen.
Der Eingriff dauerte rund eine Stunde. Nach knapp vier Stunden durfte sie das Spital bereits wieder verlassen. «Ich habe mich insgesamt ziemlich fit gefühlt und hatte kaum Nachwirkungen.» Eine Woche lang war sie krankgeschrieben. Zurück blieben drei kleine Schnitte.
Ganz ohne Zweifel ging sie allerdings nicht in die Operation. «Da war schon eine kleine Sorge, dass ich erst merke, dass ich es bereue, wenn es endgültig ist.» Heute kann sie sagen, dass diese Angst unbegründet war. «Ich bin froh, dass ich mich jetzt genauso fühle.»
«Man muss hartnäckig bleiben»
In ihrem Freundeskreis stiess Ana mit ihrer Entscheidung auf Verständnis. Mit ihrer Familie sprach sie hingegen kaum darüber. Dort gab es immer wieder Andeutungen, etwa dass das zusätzliche Zimmer in ihrer grösseren Wohnung einmal ein Kinderzimmer werden könnte. Auf Diskussionen darüber hatte sie keine Lust.
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Dass Ärzte bei einer endgültigen Entscheidung genau nachfragen, kann Ana nachvollziehen. Sie wünscht sich aber, dass Frauen dabei umfassend und ergebnisoffen beraten werden. Besonders hilfreich fände sie Erfahrungsberichte von Frauen, die ihre Sterilisation bereuen, aber auch von solchen, die mit ihrer Entscheidung glücklich sind.
Anderen Frauen rät sie, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn ein Arzt den Eingriff ablehnt. «Man muss wirklich hartnäckig bleiben, bis man einen Arzt findet, der den Wunsch ernst nimmt und gut berät.»
Für Ana steht fest, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Und sollte sich ihre Einstellung irgendwann ändern? «Es gibt durchaus auch andere Möglichkeiten, glücklich zu werden. Das Leben ist zu kurz, um sich auf Dinge zu fokussieren, die hätten anders sein können.»
*Name geändert.
Hast du dich sterilisieren lassen und bereust deine Entscheidung heute? Oder bist du ein Mann, der sich einer Vasektomie unterzogen hat? Welche Erfahrungen hast du gemacht? So oder so: Melde dich bei uns unten im Formular und erzähl uns deine Geschichte!
Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.
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