Switcher-Mode – Wie nachhaltig kann Mode sein?

Nach dem Konkurs ist Switcher zurück – mit drei Filialen und dem Versprechen «Made with Respect».
18.10.2026, 19:45
Viele erinnern sich vielleicht noch an die unifarbenen T-Shirts und Trainerhosen von Switcher. Einst betrieb das Schweizer Modelabel mit dem gelben Wal im Logo über hundert Filialen schweizweit. Vor zehn Jahren folgte jedoch das Aus: Switcher meldet Konkurs an.
Seit einigen Jahren ist die Marke zurück – zuerst mit Onlineshop und seit diesem Sommer auch mit drei eigenen Filialen.
Wer extrem modisch einkaufen will, ist bei uns wahrscheinlich an der falschen Adresse.
Extravagante Schnitte oder trendige Muster sucht man bei Switcher vergeblich. «Wer extrem modisch einkaufen will, ist bei uns wahrscheinlich an der falschen Adresse», sagt Marc Joss, Geschäftsführer bei Switcher.
Zeitlose Mode statt schnelle Trends
Switcher probiert es also nach Jahren der Niederlagen noch einmal – mit teils altbekannten Modellen. So gehören viele Kleidungsstücke seit Jahrzehnten zum Sortiment. Im schnelllebigen Modegeschäft will die Marke damit ein Zeichen setzen: Denn je zeitloser die Mode, desto weniger Kleidung bliebe unverkauft im Lager zurück.
Denn das ist ein massives Problem in der Textilindustrie: Schätzungen der Nichtregierungsorganisation Oxfam zufolge werden bis zu vierzig Prozent aller hergestellten Kleidungsstücke nie verkauft.
Kleidung wurde von einem Gebrauchsgut zu einem Verbrauchsgut.
Laut Tobias Meier, verantwortlich für Baumwolle und Textilien bei der Label-Organisation Fairtrade Max Havelaar, belegen solche Zahlen einen grundlegenden Wandel im Umgang der Gesellschaft mit Kleidung. «Kleidung wurde von einem Gebrauchsgut zu einem Verbrauchsgut.»
Nachhaltigkeit hat ihren Preis
Trotz vieler Herausforderungen sei Nachhaltigkeit in der Textilindustrie möglich – sie habe jedoch ihren Preis.
Die Lieferketten in der Textilbranche sind lang: von der Ernte der Baumwolle über das Weben und Färben der Stoffe bis hin zum Nähen. Wer in jedem Schritt auf faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandards achte, könne keine Tiefpreise anbieten. «Man wird nie ein T-Shirt für 5 Franken produzieren können, wenn man es ganz fair herstellen möchte», so Meier.
Bei Switcher kostet ein Kurzarm-T-Shirt zwischen 20 und 30 Franken. Das ist mehr als bei Billigmodeketten. Dafür kenne das Unternehmen seine gesamte Lieferkette von A bis Z, sagt Joss. Das sei möglich, weil die Marke zu 95 Prozent in Indien produziere und nicht über den ganzen Erdball verstreut sei, wie dies in der Textilindustrie oft der Fall ist.
Doch wäre eine Produktion in der Schweiz nicht ökologisch und sozial nachhaltiger? «Auch in der Schweiz wäre der Lohn einer Näherin nicht existenzsichernd», kontert Marc Joss. Denn Jobs in der Textilindustrie würden überall vergleichsweise schlecht bezahlt. Ein kleines Unternehmen wie Switcher habe bei den Löhnen zudem nur begrenzt Spielraum.
Ausserdem liege Indien zwar weit weg vom Verkaufsort Schweiz, doch sei der CO₂-Ausstoss insgesamt vergleichbar mit Marken, die zwar in Europa nähen lassen, deren Lieferketten sich ansonsten jedoch über den ganzen Globus erstrecken.
Bio-Baumwolle statt Sojaseide oder Fischernetze
Während andere nachhaltige Modelabels auf Fasern aus Soja oder recycelten Fischernetzen setzen, hält Joss wenig von solchen Trends. Mode müsse massentauglich bleiben – und dafür sei Baumwolle derzeit die sinnvollste Lösung. Switcher verwendet deshalb mehrheitlich Bio-Baumwolle, teilweise auch Polyester.
Das Beispiel Switcher zeigt: Nachhaltigkeit in der globalisierten Textilindustrie ist mit schwierigen Abwägungen verbunden. Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Switcher hat seinen eigenen gewählt.
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