2. SRG-Umfrage – Klarer Nein-Trend bei der Neutralitätsinitiative

- Gemäss der zweiten SRG-Umfrage lehnen 63 Prozent die Neutralitätsinitiative ab, 34 Prozent sind dafür.
- Die Positionen haben sich verfestigt. 83 Prozent der Stimmberechtigten haben eine klare Stimmabsicht.
- Grundsätzlich geniesst die Idee der Neutralität Sympathien, dennoch zeichnet sich laut GFS Bern ein eindeutiges Nein ab.
Gegenüber der ersten Meinungsumfrage hat sich die Ablehnung um neun Prozentpunkte verstärkt. Die Neutralitätsinitiative folgt damit dem Muster früherer Volksinitiativen mit einer verstärkten Ablehnung während der Hauptkampagne.
Das verlangt die Neutralitätsinitiative
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Die Volksinitiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)» fordert eine striktere Neutralitätspraxis. Sie verlangt ausserdem ein weitgehendes Verbot von Sanktionen in der Verfassung. Schliesslich soll die Schweiz ihre Neutralität für ihre Rolle als Vermittlerin nutzen.
Wirtschaftliche Sanktionen wären nur noch erlaubt, wenn sie vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen werden. Auch Massnahmen gegen Sanktionsumgehungen wären noch möglich. Mit Militär- oder Verteidigungsbündnissen zusammenarbeiten könnte die Schweiz nur im Fall eines direkten bewaffneten Angriffs. Lanciert wurde die Initiative nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, als die Schweiz EU-Sanktionen gegen Russland übernahm.
In allen politischen Lagern überwiegen die Nein-Stimmen – mit Ausnahme der SVP.
«Wir sehen bis Mitte-links sehr deutliche Nein-Überhänge. Die SVP ist parteilich sehr isoliert» stellt Lukas Golder, Politikwissenschaftler des Forschungsinstitutes GFS Bern fest.
Zweifel auch innerhalb der SVP
Doch selbst innerhalb der SVP seien Zweifel aufgekommen, ob die starre Auslegung der Neutralität der richtige Weg sei, erklärt Golder. Während bei der ersten Umfrage sechs Prozent bestimmt dagegen waren, sind es jetzt 15 Prozent. Im Vergleich zur Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz vom Juni sei die SVP-Basis weniger gefestigt.
Bei der Neutralität handle es sich nicht um ein Kernanliegen der Partei. «Bei Themen wie Migration sind die Reihen üblicherweise sehr geschlossen. Das ist hier weniger der Fall.»
Über 65-Jährige und Frauen treiben die Ablehnung
Die Opposition gegen die Initiative verstärkt sich in allen Altersgruppen. Besonders deutlich ist die Ablehnung bei über 65-Jährigen (67 Prozent, +7 Punkte) und bei Frauen (65 Prozent, +11 Punkte).
Zudem verlieren auch Personen mit niedriger Bildung das Vertrauen: 42 Prozent stimmen zu (−17 Punkte), während 54 Prozent ablehnen (+15 Punkte).
Regional lehnt die französischsprachige Schweiz die Initiative nun mit 63 Prozent ab (+14 Punkte) und in der italienischsprachigen Schweiz ist die knappe Ja-Mehrheit mit 48 Prozent Zustimmung und 47 Prozent Ablehnung gekippt.
In der Westschweiz sei die Ja-Seite vielfältiger und die Debatte drehe sich stärker um Inhalte. «Da geht es auch um den internationalen Standort Genf», ordnet Golder ein.
Die Meinungen sind gefestigt
Über 80 Prozent haben eine definitive Stimmabsicht geäussert. Davon sind 55 Prozent sicher für ein Nein (+12 Punkte), während 28 Prozent sicher für ein Ja sind (−2 Punkte).
Bei den Argumenten ist die Gegenseite breiter abgestützt. Die wichtigsten Kontra-Argumente sind die internationale Sicherheitszusammenarbeit (70 Prozent) und der Erhalt einer flexiblen Neutralitätspolitik (69 Prozent).
Eine Mehrheit erzielt die Ja-Seite einzig beim Argument der Sicherheitsvorteile durch die Neutralität. Der Aussage «Eine glaubwürdige, bewaffnete und umfassende Neutralität hält die Schweiz aus fremden Konflikten heraus und schreckt mögliche Angreifer ab» stimmten 51 Prozent zu.
Insgesamt überzeugt die flexiblere Neutralität stärker.
Die Idee der Neutralität geniesst laut Lukas Golder in der Bevölkerung nach wie vor Unterstützung. «Insgesamt überzeugt die flexiblere Neutralität aber stärker.» Bemerkenswert sei zudem, dass die Offenheit in dieser Frage selbst im Umfeld der SVP grösser ausfalle, als oft angenommen werde.
Die Stimmungslage sei inzwischen gefestigt und dürfte sich bis zur Abstimmung kaum mehr wesentlich ändern, konstatiert Golder.
Die Ablehnungstendenz spiegelt sich auch in der Einschätzung zum Abstimmungsergebnis wider: 73 Prozent der Befragten rechnen mit einem Nein, verglichen mit 59 Prozent in der ersten Befragung.
Die Eckwerte der SRG-Umfrage
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Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 27. September 2026 ist im Auftrag der SRG vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 2. und dem 9. September 2026 durchgeführt worden. Der mittlere Befragungstag war der 5. September 2026. Insgesamt wurden die Antworten von 12'916 stimmberechtigten Teilnehmenden für die Auswertung berücksichtigt: 10'893 aus der Deutschschweiz, 1657 aus der französischen und 366 aus der italienischen Schweiz.
Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.
Telefonische Befragung
Telefonisch befragt wurden 509 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.
Onlinebefragung
Zusätzlich konnten online bereinigte Angaben von 11'904 Personen und via Social Media 503 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden dazu unter anderem über die Webportale der SRG rekrutiert.
Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden aber mittels Gewichtungen an die realen Verhältnisse der Stimmberechtigten angenähert. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.
Abstimmungsdossier
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Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.
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