Schweizerin mit Ebola – Was bedeuten die neuen Ebola-Fälle in Nigeria und Kenia?

Eine in Uganda geborene Schweizerin ist an Ebola erkrankt und wird in Nigeria behandelt. Sie hat sich ausserhalb Nigerias angesteckt, mehr als 40 ihrer Kontakte befinden sich in Quarantäne. Auch in Kenia ist ein Geschäftsmann mit Ebola eingereist und hat bisher acht weitere Menschen angesteckt. Mehr als 100 Menschen sind dort in Quarantäne. In Kongo-Kinshasa, dem Zentrum des Ausbruchs, sind es inzwischen mehr als 4600 Tote. Katrin Zöfel, SRF-Wissenschaftsredaktorin, ordnet die Lage ein.
Katrin Zöfel
Wissenschaftsredaktorin
Katrin Zöfel ist Wissenschaftsjournalistin bei SRF. Sie ist Biologin und spürt gerne den Fragen nach, die der wissenschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft stellt.
Wie gefährlich ist die Situation für die infizierte Schweizerin?
Das lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen. Unterstützende Massnahmen können aber viel bewirken. Dazu gehört, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und den Blutdruck zu stabilisieren. Aber für diese Ebola-Variante fehlt ein spezifisches Medikament und die Sterblichkeit ist hoch. Sollte die Person in die Schweiz gebracht werden, ist das mit den richtigen Schutzmassnahmen möglich, ohne andere Menschen zu gefährden.
Die infizierte Frau soll durch Uganda gereist sein. Das Land meldet seit August offiziell keine neuen Ebola-Fälle. Gibt es dort unentdeckte Infektionen?
Öffentlich verfügbare Informationen sind widersprüchlich. Die britische Zeitung «The Guardian» zitierte ugandische Behörden mit der Aussage, die Frau sei zuerst in Kongo-Kinshasa gewesen und erst danach in Uganda. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sagen, sie sei in Uganda, nicht aber im Kongo gewesen. Sollte sich die Schweizerin in Uganda angesteckt haben, würde das Fragen aufwerfen. Das Land hatte den Ebola-Ausbruch im Sommer für beendet erklärt. Insgesamt waren bis dahin 20 Infektionen registriert worden.
Wie kann verhindert werden, dass sich das Virus weiter ausbreitet?
Entscheidend ist, Infektionen schnell zu erkennen, Erkrankte zu isolieren und ihre Kontakte in Quarantäne zu schicken. So lässt sich verhindern, dass sie weitere Menschen anstecken. Bleiben Infektionen unerkannt, kann sich das Virus unbemerkt ausbreiten. Je früher die Behörden reagieren, desto besser. Das ist wie bei einem Feuer: Ein Funken lässt sich leichter austreten als ein Feuer, das bereits ein Haus oder ein ganzes Quartier erfasst hat. Dann wird es viel schwieriger mit dem Löschen.
Der Ebola-Ausbruch begann im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Weshalb ist es dort besonders schwierig, das Virus einzudämmen?
Die Sicherheitslage ist miserabel, die Gesundheitsversorgung auch, die Menschen sind sehr arm. Zudem standen von Anfang an nicht genügend Ressourcen bereit, um den Ausbruch zu stoppen. Dieser wurde erst Mitte Mai entdeckt, Monate nachdem das Virus begonnen hatte, unbemerkt zu zirkulieren. Dass die Menschen den Behörden oft misstrauen, hilft auch nicht. Gleichzeitig zeigt sich: Wenn die Anstrengungen gross genug sind, kann Ebola auch in dieser Region zurückgedrängt werden, wie an sinkenden Infektionszahlen in einigen zuvor schwer betroffenen Orten zu sehen ist.
Wie gross ist das Risiko für die Region?
Die zwei Fälle in Kenia und Nigeria zeigen: Je länger ein Ausbruch andauert und je weiter sich das Virus innerhalb eines Landes verbreitet, desto eher kommt es zu solchen exportierten Fällen. Das ist jetzt auch ein Test für Nigeria und Kenia: Wenn sie schnell und konsequent handeln, stehen die Chancen gut, weitere Infektionen in diesen Ländern zu verhindern. Das eigentliche Risiko, vor allem für die Menschen dort, liegt immer noch in Kongo-Kinshasa selbst.
Ebolaviren werden vor allem durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter oder erkrankter Menschen übertragen. Dazu gehören Blut, Speichel, Erbrochenes und Stuhl. Auch Gegenstände, die mit solchen Flüssigkeiten verunreinigt sind, können das Virus übertragen. Menschen können sich zudem durch Kontakt mit infizierten Tieren anstecken, etwa mit Fledermäusen oder Affen. Ebola verbreitet sich nicht über die Luft. Infizierte Menschen sind erst ansteckend, wenn sie Symptome entwickeln.
Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Die Krankheit beginnt häufig mit Fieber, Kopf-, Muskel- und Halsschmerzen. Später können Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen hinzukommen. In schweren Fällen kann es zu Blutungen und zum Versagen lebenswichtiger Organe kommen. Die Sterblichkeit liegt bei rund 50 Prozent, je nach medizinischer Versorgung aber auch deutlich höher.
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