Daily MaverickDrought-hit Kenya should lift ban on GMO maize imports to prioritise its food securityESPN Deportes"Voy a necesitarlos": Ben Shelton hizo un serio pedido antes de enfrentar a Zverev en la finalESPN25 years after 9/11, Strahan, Testaverde, others relive the emotional memoriesThe Jerusalem Post'Death of a Democracy': Exploring the rise and fall of Weimar Germany - reviewוואלהחמישה קטינים נעצרו בחשד למעורבות באירוע דקירה בחולוןRTP DesportoEnric Mas confirma triunfo após 21.ª etapa vencida por Tobias Halland JohannessenInquirerRidon: AMLC report will confirm P6.7-B Duterte-Carpio transactionsVarietyCourteney Cox Remembers ‘Scream’ Co-Star Hayden Panettiere: ‘She’s a Really Wonderful Actor’Global NewsRCMP investigate Halifax-area arson, say fire linked to 2 others in past weekIl Fatto QuotidianoBen Gvir e il ministro della Cultura attaccano i registi di Naza: “Tradimento di Stato, andatevene”Wirtualna PolskaŁoś na torach w Warszawie. Poważne utrudnieniaCNN بالعربيةجدل حول صحة هدف فوز السيتي في ديربي مانشستر.. وهيئة التحكيم توضح
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, September 13, 2026

«Einschläfern bleibt immer schwierig»: Das belastet Tierärzte

Translate
  • Tierarzt Flurin Tschuor arbeitet seit 25 Jahren in der Branche und spricht über die psychischen Belastungen im Berufsalltag.
  • Emotionale Konflikte mit Tierhaltern, Notfalldienste und das Einschläfern von Tieren zählen zu den grössten Belastungsfaktoren.
  • Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte bietet seit 2023 ein Sorgentelefon an, das rund 15 bis 20 Mal pro Jahr genutzt wird.

Langsam führt der Arzt den Ultraschallkopf über den Körper seiner Patientin. Auf dem Bildschirm neben ihm schlägt das Herz des Hundes, Flurin Tschuor verfolgt konzentriert die Bilder. Seit 25 Jahren arbeitet er als Tierarzt, heute ist er auf Kardiologie spezialisiert. Die Routine ist ihm anzumerken und beruhigt offenbar auch den Hund: Entspannt liegt dieser auf der Seite und lässt die Untersuchung über sich ergehen.

Doch so ruhig geht es im Berufsalltag längst nicht immer zu. Die psychische Belastung von Tierärztinnen und Tierärzten ist in der Branche zunehmend ein Thema. Einen Grund dafür sieht Tschuor auch im veränderten Verhältnis der Menschen zu ihren Haustieren. «Aus dem früheren Hofhund ist ein Familienmitglied, manchmal sogar ein Kinderersatz geworden», sagt er. Entsprechend emotionaler und anspruchsvoller seien auch die Auseinandersetzungen mit Tierhalterinnen und Tierhaltern geworden.

Als 20 Minuten Tschuor in der Tierklinik Mittelland besucht, ist es gerade ruhig. Im Wartezimmer hat sich nur ein nervöser Fellball in seiner Transportbox zusammengerollt. Neben dem Empfang hängen Fotos von zufriedenen Patienten: Hunde, Katzen, Kaninchen. «Rund 42’000 Konsultationen verzeichneten wir mit unseren beiden Schwesterkliniken im vergangenen Jahr», so Tschuor. Insgesamt beschäftigen sie 120 Mitarbeitende, darunter 46 Tierärztinnen und Tierärzte.

«So viele Diskussionen über Geld»

Für diesen kleinen Patienten steht eine genauere Untersuchung an: Wegen einer Schwellung am Hals wird er für einen CT-Scan vorbereitet.

Für diesen kleinen Patienten steht eine genauere Untersuchung an: Wegen einer Schwellung am Hals wird er für einen CT-Scan vorbereitet.20min/Shirin Camenisch

Im Nebenzimmer wird ein kleiner Hund mit einer mysteriösen Schwellung am Hals auf einen CT-Scan vorbereitet. Solche Prozeduren würden am Wochenende nicht durchgeführt. Trotzdem herrsche auch samstags, sonntags und nachts reger Betrieb. Besonders hart sei der Notfalldienst, erklärt Tschuor: «Wir haben nachts oft 10 bis 15 Notfälle, gleichzeitig müssen bis zu 30 stationäre Tiere betreut werden.» Hinzu kämen gestiegene Erwartungen der Tierhalter. Manche würden auch wegen Lappalien mitten in der Nacht anrufen.

Zwei Stockwerke weiter unten drapieren ein Tierarzt und eine Praxisassistentin den inzwischen sedierten Hund in einer speziellen Vorrichtung. Die Vorderbeine werden mit Seilen in der richtigen Position fixiert, über den Bauch wird eine Decke gelegt, unter der die kleinen Pfoten und die Schwanzspitze hervorschauen. «Ein solches CT kostet inklusive der Narkose etwa 1200 Franken», erklärt Dominique Leu, während er den Bildschirm vor sich beobachtet. Der junge Chirurg fügt an: «Niemals hätte ich gedacht, dass ich in meinem Beruf so oft Diskussionen über Geld führen würde.»

Tierarzt Dominique Leu hätte nicht erwartet, in seinem Beruf so häufig Diskussionen über Behandlungskosten führen zu müssen.

Tierarzt Dominique Leu hätte nicht erwartet, in seinem Beruf so häufig Diskussionen über Behandlungskosten führen zu müssen.20min/Shirin Camenisch

Dass medizinisch oft mehr möglich wäre, als manche Halter sich leisten können, belastet auch die Tierärzte. «Wir versuchen immer, eine Lösung zu finden, aber wir können auch nicht umsonst arbeiten», sagt Tschuor. Er sei deshalb schon als geldgierig oder herzlos beschimpft worden. Solche Situationen beschäftigten ihn auch ausserhalb der Praxis.

Von den Tierhaltern wünsche er sich mehr Verständnis und einen respektvolleren Umgang, aber auch finanzielle Verantwortung bei der Anschaffung eines Tieres: «Viele unterschätzen die Kosten eines Haustiers. Mit Futter allein ist es nicht getan.» Tierversicherungen könnten aus seiner Sicht viele Konflikte entschärfen. Gleichzeitig nimmt Tschuor die Branche selbst in die Pflicht: Praxen müssten faire Preise verlangen, damit beispielsweise Notfalldienste mit genügend Personal betrieben werden könnten.

«Tiere einschläfern finde ich bis heute schwierig»

Ein allzu düsteres Bild möchte Tschuor allerdings nicht zeichnen. «Ich würde nicht pauschal sagen, dass es uns allen schlecht geht. Für mich ist es immer noch der beste Beruf, den es gibt, auch mit allen negativen Seiten.» Doch für junge Tierärztinnen und Tierärzte sei der Berufseinstieg oft ein hartes Erwachen. Sie kämen mit viel Idealismus aus dem Studium, seien auf die emotionalen und zwischenmenschlichen Belastungen aber teilweise nicht ausreichend vorbereitet.

Gerade junge Tierärztinnen und Tierärzte starten laut Tschuor oft mit viel Idealismus in den Beruf  und treffen auf eine anspruchsvolle Realität.

Gerade junge Tierärztinnen und Tierärzte starten laut Tschuor oft mit viel Idealismus in den Beruf  und treffen auf eine anspruchsvolle Realität.20min/Shirin Camenisch

Gerade weil sich häufig besonders empathische Menschen für den Beruf entscheiden, gingen ihnen Konflikte, Leid und Tod besonders nahe, sagt Tschuor. Auch für ihn gebe es Aspekte, an die er sich nie gewöhnt habe: «Tiere einschläfern finde ich bis heute sehr schwierig.» Viele junge Tierärztinnen und Tierärzte würden nach wenigen Jahren die Praxis verlassen und etwa zu Behörden oder in die Industrie wechseln.

Vom Beruf abraten würde Tschuor trotzdem nicht. Auf die Frage, was er einem jungen Menschen sagen würde, der Tierarzt werden möchte, antwortet er deutlich: «Mach das.» Gleichzeitig rät er Interessierten, sich früh ein realistisches Bild zu verschaffen und beispielsweise ein Praktikum zu machen. Der Beruf sei eben nicht so, wie man ihn aus dem Fernsehen kenne oder sich vielleicht als Kind vorgestellt habe.

Sorgentelefon für Tierärztinnen und Tierärzte

Erhöhtes Suizidrisiko

«Die meisten Tierärztinnen und Tierärzte empfinden ihren Beruf als schön und erfüllend», betont auch Roberto Mossi, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST). Trotzdem gebe es Schattenseiten: Insbesondere lange und unregelmässige Arbeitszeiten sowie der Notfalldienst könnten zur Belastung werden. Verschärft werde die Situation durch den Fachkräftemangel. Rund 200 Tierärztinnen und Tierärzte würden jährlich pensioniert, während viele Praxen schon heute offene Stellen nicht besetzen könnten. Gleichzeitig wächst mit der Zahl der Haustiere der Bedarf an tiermedizinischer Versorgung.

«Wir bieten Unterstützung an, wenn jemand in Schwierigkeiten ist», sagt Mossi. Dazu gehört seit 2023 ein Sorgentelefon für Tierärztinnen und Tierärzte, das laut GST rund 15- bis 20-mal pro Jahr in Anspruch genommen wird. Auch in der Ausbildung werde die psychische Belastung heute stärker thematisiert. Die Sensibilität dafür sei deutlich grösser geworden.

«Wir wünschen uns in erster Linie, dass wir genügend Leute ausbilden können», sagt Mossi. Es brauche mehr Studienplätze, aber auch neue Arbeitsmodelle und eine angemessene Entschädigung. Auch Tierversicherungen, wie sie etwa in Grossbritannien bereits weit verbreitet sind, könnten finanzielle Konflikte entschärfen. Und es brauche mehr gegenseitiges Verständnis: «Wenn ein Tier krank ist, sind grosse Emotionen im Spiel. Das macht die Kommunikation zwischen Tierarzt und Tierhalter schnell schwierig.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

View the original on 20 Minuten

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.