Diskussion um Atomkraft – TA-Swiss: Falls neue AKW, dann möglichst rasch

Neue Kernkraftwerke könnten für die Schweiz durchaus von Nutzen sein – etwa damit auch künftig viel Strom im Inland produziert wird. Voraussetzung aber ist, dass eine Mehrheit der Stimmbevölkerung neue Kernkraftwerke will.
Falls dem so sei, sei es sinnvoll, bereits in den kommenden Jahren mit der Realisierung einer solchen Anlage zu beginnen, sagt Peter Burgherr. Er ist Projektleiter der neuen Atomkraft-Studie von TA-Swiss.
Erneuerbare müssen so oder so ausgebaut werden
Schliesslich müsse man von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines neuen Atomkraftwerks mit mindestens 20 Jahren rechnen. «Wenn wir ein neues AKW erst 2050 oder später bauen, sind andere Technologien bereits weiterentwickelt worden», sagt der Energiesystem-Forscher am Paul-Scherrer-Institut.
Bis dahin brauchen wir den Ausbau der Erneuerbaren, wir brauchen Speicherlösungen und Flexibilität.
Mit anderen Worten: Bis dann hätte sich die Stromproduktion in der Schweiz wahrscheinlich so stark verändert, dass unklar sei, wie gross der Nutzen eines neuen Kernkraftwerks noch wäre.
Gleichzeitig zeigt die Studie von TA-Swiss aber auch, dass in jedem Fall die erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Wasser weiter ausgebaut werden müssen, selbst wenn in 20 oder mehr Jahren ein neues AKW ans Netz geht. Denn: «Bis dahin brauchen wir den Ausbau der Erneuerbaren, wir brauchen Speicherlösungen und Flexibilität», so Burgherr.
Konkurrenz für die Erneuerbaren?
Allerdings bestehe das Risiko, dass der Ausbau der Erneuerbaren ins Stocken gerate, wenn gleichzeitig auch ein neues Kernkraftwerk geplant wird, so der Co-Autor der Studie. «Genau das soll aber nicht passieren», sagt Peter Burgherr.
Die Studie legt nicht nur dar, welchen Nutzen ein neues Kernkraftwerk haben könnte, sondern sie zeigt ebenfalls, wie sich die Abhängigkeit vom Ausland verschiebt: Mit einem neuen AKW müsste die Schweiz zwar weniger Strom aus dem Ausland importieren. Aber gleichzeitig entstünden neue Abhängigkeiten, betonen die Studienautorinnen und -autoren.
Nur wenn alles zusammenkommt, wird ein neues Kernkraftwerk gebaut werden.
So müsste etwa der Brennstoff für ein neues Kernkraftwerk weiterhin im Ausland eingekauft werden, auch würde die Aufbereitung der abgebrannten Brennstäbe dort geschehen. Allerdings gebe es bei fast allen Energietechnologien gewisse Abhängigkeiten vom Ausland, gibt Peter Burgherr zu bedenken.
Ein langer und hürdenreicher Weg
Die Studie zeigt auf 551 Seiten umfassender als bisherige Publikationen, wie lang und hürdenreich der Weg bis zu einem neuen Kernkraftwerk in der Schweiz ist:
Welcher Reaktortyp sollte gebaut werden? Bräuchte es allenfalls ein neues Gesetz für eine Bewilligung je nach Typ? Wer würde die Milliarden von Franken finanzieren, die ein neues Kernkraftwerk kosten würde? Gäbe es überhaupt Unternehmen, die bauen wollen? «Nur wenn das alles zusammenkommt, wird ein neues Kernkraftwerk gebaut werden», betont Peter Burgherr.
Dazu gehört auch, dass sich die Stimmbevölkerung in mehreren Volksabstimmungen zur Atomtechnologie bekennen müsste: Zunächst steht schon einmal die Volksabstimmung über die Aufhebung des Neubauverbotes im nächsten Jahr an. Später wird es dann allenfalls um die Rahmenbewilligung für ein neues Kernkraftwerk gehen.
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