Ehepaare sollen automatisch den günstigeren Steuertarif erhalten

- Die Mitte hat am Donnerstag den Abstimmungskampf für ihre «Fairness-Initiative» lanciert.
- Die Initiative will die Heiratsstrafe abschaffen, indem das Steueramt automatisch prüft, ob die gemeinsame oder eine alternative Berechnung günstiger ist.
- Bundesrat, Parlament und ein breites Gegenlager aus FDP, GLP, SP und Grünen empfehlen ein Nein – das Volk habe mit der Individualbesteuerung bereits entschieden.
Erst im März dieses Jahres entschied die Schweizer Stimmbevölkerung, die Individualbesteuerung einzuführen und so die Heiratsstrafe abzuschaffen. Im November kommt nun jedoch ein anderer Vorschlag an die Urne: Die Mitte will die Heiratsstrafe mit einem anderen Rezept abschaffen.
Unterstützt wird sie dabei von der SVP, der EDU sowie Verbänden wie dem Schweizer Bauernverband und der IG Familie 3plus. Am Donnerstag lancierte die Allianz ihren Abstimmungskampf.
Das will die «Fairness-Initiative» der Mitte
Die Partei fordert, dass Ehepaare bei der Bundessteuer weiterhin gemeinsam besteuert, jedoch gegenüber anderen Steuerpflichtigen nicht mehr benachteiligt werden. Konkret soll das Steueramt dafür – zusätzlich zur heutigen gemeinsamen Besteuerung – eine alternative Steuerberechnung anhand des Tarifs für Unverheiratete vornehmen.
Der Steuerbetrag, der dabei tiefer ausfällt, soll dann vom Ehepaar erhoben werden. Im Unterschied zur Individualbesteuerung macht das Steueramt die Berechnung. Bei der Individualbesteuerung reichen beide Ehepartner je eine separate Steuererklärung ein. «Im Unterschied zur Individualbesteuerung vermeidet die Fairness-Initiative zusätzliche Steuererklärungen und den damit verbundenen administrativen Mehraufwand für Kantone und Gemeinden», so die Befürworter.
So argumentiert das Ja-Lager
«Wer heiratet und familiäre Verantwortung übernimmt, darf steuerlich nicht benachteiligt werden», argumentiert die Allianz. Ihr Vorschlag respektiere unterschiedliche Lebensmodelle: Die Lösung müsse sowohl Doppelverdienerehepaare mit ähnlich hohem Einkommen als auch Einverdienerhaushalte und Paare mit ungleicher Einkommensverteilung berücksichtigen. «Das Steuersystem soll den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihr Leben gestalten», argumentiert Karin Stadelmann, Vizepräsidentin der Mitte Schweiz.
Mitte-Nationalrätin und Bäuerin Priska Wismer-Felder verweist auf das Beispiel eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs, bei dem der Hof gleichzeitig Arbeitsort, Unternehmen und Zuhause sei: «Bei vielen Bauernfamilien lässt sich kaum eine klare Grenze ziehen zwischen ‹deinem› und ‹meinem› Einkommen, zwischen ‹deinem› und ‹meinem› Vermögen oder zwischen ‹deiner› und ‹meiner› Arbeit.» Eine separate Besteuerung, wie es die Individualbesteuerung vorsieht, könne auf einem Familienbetrieb schnell kompliziert werden.
Warum stimmen wir erneut über ein Steuermodell ab?
Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung des Bundesrats und die «Fairness-Initiative» der Mitte wurden im Parlament gestaffelt behandelt. Deshalb kamen die beiden Vorschläge nicht gemeinsam vors Volk, sondern nacheinander – zum Ärger der Mitte. Aus Sicht der Partei hätte die Bevölkerung zeitgleich über die beiden Modelle abstimmen und damit entscheiden können, wie sie die Heiratsstrafe abschaffen will.
So argumentieren die Gegner
Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur Ablehnung. Zudem hat sich eine breite Allianz gegen die Vorlage formiert: FDP, GLP, SP und Grüne sowie Verbände wie Economiesuisse wehren sich gegen die Initiative. Das Stimmvolk habe sich bereits für die Individualbesteuerung ausgesprochen und damit einen Grundsatzentscheid für die Ehepaarbesteuerung gefällt, argumentieren die Gegner.
Was beschreibt eure Steuer-Situation als Paar am ehesten?
Zudem befürchtet das Nein-Lager ein Chaos im Falle einer Annahme: Auf Bundesebene würden Ehepaare nach dem Mitte-Modell weiterhin gemeinsam besteuert, auf Kantons- und Gemeindeebene hingegen würde die Individualbesteuerung gelten. Um ein Durcheinander zu vermeiden, müsste das Parlament das Gesetz über die Individualbesteuerung bis ihrer Einführung 2032 anpassen oder gänzlich aufheben.
Das Nein-Lager startet seinen Abstimmungskampf zu einem späteren Zeitpunkt. 20 Minuten wird ebenfalls ausführlich über dessen Argumente berichten.
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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