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Sunday, September 27, 2026

Das lernt man im Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit

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  • Laien können psychisch belasteten Menschen helfen – wenn sie wissen, wie sie Veränderungen erkennen und das Gespräch suchen.
  • Genau das vermittelt der Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit von «Ensa», der seit 2018 in der Schweiz angeboten wird.
  • Psychologin und stellvertretende Leiterin von «Ensa» Chantal Hofstetter betont: Der Kurs lehrt Erste Hilfe, keine Therapie – die eigene Belastungsgrenze zu kennen, gehört ebenfalls dazu.

Der Kollege vom Fussball zieht sich zurück, die Freundin ist plötzlich gereizt: Man macht sich Sorgen um die Freunde und hat ein schlechtes Gefühl. Doch soll man etwas sagen oder nicht?

Den Umgang mit genau solchen Situationen lernt man im Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit. Laien lernen, psychische Probleme früh zu erkennen und Betroffene darauf anzusprechen. Psychologin und stellvertretende Leiterin von «Ensa» Chantal Hofstetter erklärt, was der Kurs kann – und wo seine Grenzen liegen.

privat

Frau Hofstetter, was ist ein Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit?

Die Idee entstand vor über 20 Jahren in Australien, angelehnt an den klassischen Nothelferkurs, wo man die Ersthilfe bei physischen Verletzungen lernt. Das Konzept wurde unter Einbezug von Fachpersonen, Betroffenen und Angehörigen sowie auf Basis wissenschaftlicher Evidenz entwickelt. Pro Mente Sana hat das Programm 2018 unter dem Namen «Ensa» in die Schweiz geholt. Es setzt bei der Früherkennung und Frühintervention an.

So erkennst du psychisch belastende Situationen – und kannst helfen

Woran erkenne ich, dass jemand möglicherweise psychische Probleme hat?

Veränderungen im Verhalten: Wirkt jemand deutlich ängstlicher, trauriger, gereizter oder aggressiver als sonst? Auch ungewöhnliche Euphorie kann auffallen. Massstab ist nicht, was allgemein als «normal» gilt, sondern das typische Verhalten dieser Person.

Nimm dein Bauchgefühl ernst: Oft merken wir, dass etwas nicht stimmt, bevor wir es benennen können. Das ist kein Grund für eine Ferndiagnose – aber ein guter Anlass, genauer hinzuschauen und nachzufragen.

Sozialer Rückzug: Vernachlässigt die Person Freundschaften oder Beziehungen?

Mühe mit Alltag: Fällt es der Person schwer, Alltägliches wie Arbeit, Schule, Haushalt oder Hobbys zu meistern?

Dauer: Schwierige Tage kennt jede und jeder. Achte dich, wenn Veränderungen längerfristig auftauchen.

Wie kann ich die Person unterstützen?

Sprich offen an, was du wahrnimmst: Nenne deine Beobachtungen ohne Wertung: «Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit anders wirkst. Wie geht es dir?» Wähle einen ruhigen Moment und nimm dir Zeit.

Höre zu, bevor du Lösungen anbietest. Aktives Zuhören ist oft hilfreicher als sofortige Ratschläge.

Vermeide Floskeln und Bagatellisierungen. Sätze wie «Das wird schon wieder» oder «So schlimm ist es doch nicht» können dazu führen, dass sich Betroffene nicht ernst genommen fühlen.

Ermutige die Person, früh Unterstützung in Anspruch zu nehmen: Hilfe muss nicht erst bei einer Krise gesucht werden. Es gibt viele gute niederschwellige Angebote, die zum Teil auch kostenfrei sind. (siehe Box am Ende).

Bleib in Kontakt: Du musst das Problem nicht lösen. Aber es hilft, zu signalisieren, dass man da ist. Frage nach, auch wenn mal eine Nachricht unbeantwortet bleibt.

Achte auf dich selbst: Die Unterstützung eines belasteten Menschen kann herausfordernd sein. Nimm die eigenen Grenzen wahr, hole dir bei Bedarf Rat und sorge gut für deine eigene psychische Gesundheit.

An wen richtet sich der Kurs?

Er richtet sich an Laien, die breite Bevölkerung. Man braucht weder Fachwissen noch Vorkenntnisse. Es gibt verschiedene Angebote, etwa mit Fokus auf Erwachsene oder Jugendliche.

Wer kommt zu Ihnen in den Kurs?

Die Teilnehmenden sind sehr gemischt. Es war auch immer unser Ziel, dass er möglichst vielen Menschen zugänglich sein soll. Er wird in verschiedenen Sprachen und als Präsenz- oder Webformat angeboten. Für Betriebe wird der Kurs als firmeninterne Schulung angeboten.

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Was lernen die Teilnehmenden konkret?

Sie lernen, psychische Probleme und Krisen frühzeitig zu erkennen – wir schärfen sozusagen den Radar. Sie üben, wie sie eine betroffene Person ansprechen, direkt unterstützen und, wenn nötig, zu professioneller Hilfe ermutigen können. Der Kurs ist sehr praktisch aufgebaut: In Kommunikationsübungen probieren die Teilnehmenden Formulierungen aus und erleben, was diese beim Gegenüber auslösen. Und Teilnehmende lernen, wo die Grenzen des Kurses liegen.

Wie sehen diese Grenzen aus?

Man lernt nicht, Diagnosen zu stellen oder Personen zu therapieren. Die Teilnehmenden lernen Erste Hilfe – nicht Behandlung.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Psyfinder, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anja Zingg

Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.

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