Referee-Diskussionen ohne Ende - aber gegen Leipzig erwartet Mourinho keine
In Spanien dominieren mal wieder die Schiedsrichter-Themen - das nächste Feuer hat der TV-Sender von Real Madrid vor dem Clasico schon gelegt. Gegen Leipzig erwartet José Mourinho hingegen keine Auffälligkeiten.

Torschütze im Glück: Arda Güler kam gegen Sevilla trotz eines Ellbogenschlags ungeschoren davon. IMAGO/PsnewZ
Rund um Madrid wird gerade mal wieder viel über Schiedsrichter geredet. Allerdings nicht wie so oft, weil Real Madrid scheinbar benachteiligt wurde - das Gegenteil ist der Fall. Diskutiert wird vielmehr darüber, ob der spätere Torschütze zum 1:0, Arda Güler, beim 4:1-Sieg gegen den FC Sevilla wegen eines Ellbogenschlags gegen Peque mit Rot vom Platz hätte fliegen müssen und ob Ibrahima Konaté vor dem Treffer von Kylian Mbappé zum zwischenzeitlichen 2:0 seinen Gegenspieler Robbie Ure festhielt.
spielbericht
Zumindest im Fall Güler gibt's aber wenig zu bereden. Der Türke kam nur deswegen ungeschoren davon, weil die VAR-Bilder die Szene nicht eingefangen hatten. Nicht alle der zahlreichen Kameras im Stadion würden sich für eine VAR-Überprüfung eignen, hieß es vom Technischen Schiedsrichterausschuss: "Der Vorfall ereignete sich hinter dem Rücken des Schiedsrichters, außerhalb des Spielfelds. Die Kameras waren nicht auf diesen Bereich gerichtet, sondern nur auf solche mit einem sehr weiten Sichtfeld."
Glück also für Real, und das gleich doppelt. Auch die zweite, wenn auch strittigere Szene rund um Konaté hatte nur eine Kamera des TV-Senders "El Dia Despues" eingefangen.
Die Fans der Königlichen hatten bei der Partie gegen Sevilla einmal mehr ihrem Unmut über das Schiedsrichterwesen freien Lauf gelassen. "Das ist kein Fußball, das sind Tebas und Negreira", war auf einem Spruchband zu lesen, wobei die Buchstaben der Namen des Ligabosses und des ehemaligen Schiedsrichters in den Farben blau und rot des FC Barcelona geschrieben waren. In Fangesängen wurde dem Verband Korruptheit unterstellt.
Es wirkte wohl auch immer noch das verlorene Derbi madrileno bei Atletico Madrid nach. José Mourinho hatte in der anschließenden Pressekonferenz sogar Beweisfotos mitgebracht, um die Fehlentscheidungen des Referees zu belegen.
Diesmal fühlte sich allerdings Sevilla verschaukelt, und das nicht zu Unrecht. "Wir hätten ab der 25. Minute in Überzahl spielen müssen, man hat uns um ein Spiel 10 gegen 11 gebracht, sagte Sevilla-Coach Luis Garcia und ging auch auf das Spruchband ein. "Ausgerechnet diejenigen, die sich am meisten beschweren, hätten eigentlich am wenigsten Grund dazu." Via Social Media kommentierte Sevilla ein Video des Mbappé-Tores sarkastisch mit den Worten: "Könnt ihr 18 Sekunden zurückspulen? Wir würden gerne die ganze Szene sehen."
Mourinho vertraut Kovacs
Wenn Real Madrid am Mittwoch gegen Leipzig antritt, könnte es ausnahmsweise mal nicht um die Unparteiischen gehen - das glaubt zumindest Mourinho. Den für die Partie angesetzten Rumänen Istvan Kovacs, der bereits 38 Champions-League-Spiele geleitet hat, lobte er über den grünen Klee.
"Morgen haben wir einen Schiedsrichter, der wirklich erstklassig ist. Ich bin sehr froh, ihn bei so einem wichtigen Spiel dabei zu haben. Er ist ein Schiedsrichter, der keinen VAR braucht, um ein Spiel zu leiten", so Mourinho, der Leipzig trotz des vergangenen Liga-Auftritts ernst nimmt. "Leipzig ist nicht die Mannschaft, die in München schlecht gespielt hat. Sie sind ein völlig anderer Gegner", sagte er in Bezug auf die jüngste 1:6-Klatsche beim Rekordmeister.
Zwei Real-Akteure feiern dabei ein Wiedersehen mit dem Ex-Klub. Ibrahima Konaté stand von 2017 bis 2021 bei den Sachsen unter Vertrag. Für den Innenverteidiger ist es "ein besonderes Spiel", wie er zu Protokoll gab. Er wird in der Startelf zu finden sein - während Yan Diomande, der gegen Sevilla den 4:1-Schlusspunkt setzte, noch zittern muss. "Vinicius Junior wird als Linksaußen beginnen", verriet Mourinho, über Diomandes Einsatzchancen schwieg er sich aus. Gut möglich aber, dass der im Sommer von Leipzig verpflichtete Ivorer über die rechte Seite kommt, wofür Endrick weichen müsste.
Reals TV-Sender hetzt schon gegen Barcelona
Dass am kommenden Sonntag dann aber wieder über die Referees geredet wird, darf als sicher gelten. Dann steht der erste Clasico der Saison im Camp Nou an, das berüchtigte Vereins-TV von Real Madrid hat bereits ein paar Holzscheite ins Feuer geworfen.
Denn der FC Barcelona hatte am Samstag mit 5:2 bei Real Betis gewonnen, ein Tor der Andalusier wurde allerdings wegen eines deutlichen Handspiels im Vorfeld aberkannt - die Katalanen hatten zuvor heftig protestiert.
"Im Clasico muss Real Madrid gegen 17 Schiedsrichter spielen: die drei Unparteiischen auf dem Platz, den vierten Offiziellen, den VAR und seinen Assistenten sowie elf Barcelona-Spieler, die ebenfalls als Schiedsrichter agieren", hieß es beim Vereinssender der Königlichen. "Jetzt entscheiden die Barca-Spieler, welche Szenen vom VAR überprüft werden und welche nicht, weil sie selbst auch Schiedsrichter sind." Worte, die wohl nicht nur beim FC Sevilla Kopfschütteln hervorrufen dürften.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.