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Wednesday, October 28, 2026

Chefarzt erklärt: «Eingeklemmte Menschen erschweren Rettung»

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  • Nach dem Zugunglück in Spanien erklärt Notfallmediziner Stefan Müller von Schutz & Rettung Zürich den Ablauf der Rettung.
  • Zuerst sichert die Feuerwehr die Unfallstelle, danach teilen Einsatzkräfte die Verletzten in der Pre-Triage in Gruppen ein.
  • Eingeklemmte Personen erschweren die Bergung, Feuerwehr und Rettungsdienst befreien sie gemeinsam aus deformierten Waggons.

Nach der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien sind viele Fragen offen. Wie genau es zum Unfall kam, müssen die Ermittlungen zeigen. Klar ist jedoch: Bei einem schweren Zugunfall folgt die Rettung einem eingespielten Ablauf – auch wenn am Anfang oft Chaos herrscht.

«Egal ob Zugunfall oder Carunfall: Der Ansatz der Rettungskräfte ist immer gleich», sagt Stefan Müller, Chefarzt von Schutz & Rettung Zürich und Leiter Präklinische Notfallmedizin am Stadtspital Zürich, auf Anfrage von 20 Minuten. Zuerst müsse die Unfallstelle gesichert werden. Das sei grundsätzlich Aufgabe der Feuerwehr. Sie stellt unter anderem sicher, dass von Stromleitungen oder beschädigten Kabeln keine Gefahr für Opfer und Rettungskräfte ausgeht.

Die Eigensicherheit der Einsatzkräfte steht dabei stets an erster Stelle, heisst es von Schutz & Rettung Zürich. Dies gelte auch bei Grossereignissen. Bei Bedarf würden Experten, Partnerorganisationen und Betreiber zugezogen, um Risiken einzuschätzen und sichere Rettungen zu ermöglichen.

Zuerst werden Schwerverletzte gesucht

In der ersten Phase gehe es darum, möglichst rasch einen Überblick zu gewinnen. «Am Anfang ist die Situation immer unübersichtlich», sagt Müller. Erst danach beginne der Patientenfluss: Verletzte werden gesichtet, versorgt und in Spitäler gebracht.

Dabei unterscheiden Rettungskräfte zwischen Pre-Triage und Triage. Bei der Pre-Triage teilen nichtärztliche Einsatzkräfte die Betroffenen rasch in Gruppen ein. Wer nur leicht verletzt oder unverletzt ist und sich selbst aus dem Gefahrenbereich bewegen kann, wird von Menschen mit schweren Verletzungen getrennt. Die Betroffenen erhalten je nach Zustand eine Farbe: Rot steht für vital bedrohte, also besonders dringliche Fälle, Gelb für schwere, aber nicht unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen, Grün für Leichtverletzte.

«Die ‹roten› Patienten müssen so schnell wie möglich geborgen werden», sagt Müller. Entscheidend für die Einordnung bei der Pre-Triage seien dabei etwa Atmung und Puls. In einem zweiten Schritt beurteilt eine Ärztin oder ein Arzt die Verletzten genauer. Diese Triage soll sicherstellen, dass besonders schwer verletzte Menschen möglichst schnell ins passende Spital gebracht werden.

«Die ‹roten› Patienten müssen so schnell wie möglich geborgen werden», sagt Müller. Atmung und Puls sind dabei entscheidende Kriterien.

«Die ‹roten› Patienten müssen so schnell wie möglich geborgen werden», sagt Müller. Atmung und Puls sind dabei entscheidende Kriterien.IMAGO/Anadolu Agency

Eingeklemmte Personen machen Rettung schwierig

Bei einer Kollision mit hoher Geschwindigkeit könne es zu sehr unterschiedlichen, teils schwersten Verletzungen kommen, sagt Müller. Viele Betroffene seien eingeklemmt. Dann müsse die Feuerwehr etwa Metallteile entfernen oder Personen aus deformierten Waggons befreien – ähnlich wie bei einem schweren Autounfall.

Wie eine Bergung abläuft, sei immer durch individuelle Faktoren bestimmt: Wo genau ist eine Person eingeklemmt? Ist sie bei Bewusstsein? Wie dringend braucht sie medizinische Hilfe? «Bei der Bergung wird sehr darauf geachtet, dass man nicht noch etwas verschlimmert», sagt Müller. Feuerwehr und Rettungsdienst arbeiteten dabei eng zusammen.

Was Passagiere selbst tun können

Wer nach einem Unfall den Zug sicher verlassen kann, sollte auf Rettungskräfte warten und deren Anweisungen befolgen. Eingeklemmte Personen sollten auf sich aufmerksam machen. Eigenmächtige Rettungsversuche können hingegen gefährlich sein, insbesondere, wenn Stromleitungen beschädigt oder Teile des Zuges instabil sind.

Für solche Szenarien trainieren Rettungsorganisationen regelmässig. «Das Vorgehen ist sehr standardisiert», sagt Müller. In grossen Übungen werden Ereignisse mit vielen Verletzten immer wieder nachgestellt. So soll im Ernstfall trotz der anfänglichen Unübersichtlichkeit möglichst schnell Hilfe bei denjenigen ankommen, die sie am dringendsten brauchen.

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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