Letztes Jahr noch umstritten – jetzt ist Camouflage überall

Militärmuster ist zurück. Der Print prägte schon in den frühen 2000er-Jahren die Mode. Nun tragen ihn viele wieder auf Cargo-Hosen, Jacken, Shirts und Taschen. Sie stylen das Muster, das eigentlich Tarnzwecken dienen soll, als bewussten Stilbruch: zu edlen Absatzschuhen, eleganten Ballerinas oder noblen Blazern. Die Looks beweisen: Militärmuster lässt sich überraschend vielseitig kombinieren.
Im vergangenen Jahr gingen die Reaktionen auf Camouflage als neuen Modetrend weit auseinander: Gegenüber 20 Minuten fanden einige Leserinnen und Leser Militärprint in Kriegszeiten unangebracht und geschmacklos, andere sahen darin einfach ein modisches Muster. «Ich kann es nicht nachvollziehen, dass man freiwillig in Militärkleidern herumläuft», erklärte Johanna. Der 19-jährige P. trug damals eine Camouflagekappe und sagte: «Das ist eher Zufall – ich finde, sie sieht gut aus.»
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Wie präsent Camouflagemode damals im Alltag war, schätzten die Befragten unterschiedlich ein. Elina sagte etwa, sie sehe in den Läden kaum Militärmuster. Marco hatte sich dagegen gerade Shorts mit Camouflageprint und Cargotaschen gekauft. Wer heute einen Blick in die Onlineshops und Schaufenster wirft, sieht sofort: Das Muster ist derzeit überall.
Tarnung, Protest und Mode
Das Wort «Camouflage» stammt aus dem Französischen und bedeutet «Tarnung». Im militärischen Sinn bezeichnet es Methoden, mit denen Truppen oder Material vor den Blicken des Gegners verborgen werden. Soziologin PD Dr. Monika Kritzmöller verwies gegenüber 20 Minuten darauf, dass Tarnung aber nicht zwingend mit dem Militär zu tun haben müsse. So würden auch Tiere mit ihrer Umgebung verschmelzen, um sich zu schützen. «Camouflage bedeutet nicht nur Angriff, sondern auch Schutz», so Kritzmöller.
Wie stehst du dazu, Camouflage als Mode zu tragen?
Im Laufe der Zeit bekam das Muster neue Bedeutungen. In den 1960er-Jahren griffen Protestbewegungen Militärkleidung auf – auch als Zeichen gegen den Krieg. Anneli Bamberger vom Bambus Army & Navy Surplus Store in Zürich erinnerte sich im Gespräch mit 20 Minuten: «Die junge Generation kaufte ihre Parkas bei uns und setzte dann ihre Peace-Zeichen drauf. Mit der Friedensbewegung wurde unser Laden und die Surplus-Mode berühmt.» Dabei handelt es sich um Kleidung aus ehemaligen Militärbeständen, die als Überschuss weiterverkauft wird.
Auch der ästhetische Reiz spielt laut Bamberger eine Rolle. Sie erklärte die Faszination für Militärmode mit ihrem «zeitlosen Design» und den hochwertigen Materialien. Ausserdem sei der Print tatsächlich vielseitig kombinierbar.
Über die Expertinnen
Die alte Frage kommt mit dem Trend zurück
Dass das Muster wieder in der Mode auftaucht, beseitigt seine militärischen Assoziationen nicht. Fashion Consultant Sharon Jost sagt: «Gerade jetzt, wo es so viele Spannungen und militärische Konflikte gibt, kann der Camouflageprint falsch interpretiert werden oder ein ungutes Gefühl auslösen.»
Viele Leute würden Militärprint aus rein ästhetischen Gründen tragen und gar nicht hinterfragen, woher der Print stammt. Wichtig sei, in solchen Zeiten gegenseitiges Verständnis zu zeigen. Es gehe nicht ums Verharmlosen, sondern ums Sensibelsein und Verstehen.
Ob Camouflage nun als modischer Print oder als militärisches Zeichen gelesen wird, bleibt individuelle Ansichtssache. Sicher ist: Das Muster ist sowas von zurück – auf den Laufstegen und in der Alltagsmode.
Wer den Trend ausprobieren will, sich aber noch nicht an ein grossflächiges Teil wie eine Hose oder Jacke wagt, kann mit einem einzelnen Accessoire einsteigen. Schon ein Hut oder eine Tasche mit Militärprint kann für einen spannenden Stilbruch sorgen.
Auch andere Trendteile stammen aus dem Militär
Camouflage ist nicht das einzige militärische Erbe im Kleiderschrank: Auch Kampfstiefel, Bomberjacken und Trenchcoats haben laut Fashion Consultant Sharon Jost einen militärischen Hintergrund. «Aber sie sind heute fest im Alltag verankert und werden nicht mehr mit ihrem Ursprung verknüpft», so Jost. Kritzmöller betont: «Der Trenchcoat hat militärische Ursprünge im Schützengraben und ist heute fester Bestandteil der zivilen Alltagsmode.»
Trägst du aktuell Mode mit Militärmuster? Oder hast du noch ein Teil mit Camouflageprint zu Hause, lässt es aber lieber liegen?
Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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