Vom Hörsaal zum Lieferdienst – «Wer arbeiten will, findet etwas»

- Das RAV hält fachfremde Jobs für zumutbar, wenn die Arbeitslosigkeit von Hochschulabgängern länger dauert.
- Die Community ist gespalten. Einige fordern mehr Fairness für Absolventinnen und Absolventen und andere sind der Meinung, jede Arbeit müsse gemacht werden.
- Einige Userinnen und User sehen Praxis vor Hochschultitel, andere wollen Unternehmen zu mehr Juniorstellen verpflichten.
Studium abgeschlossen, aber kein passender Job in Sicht: Die längere Suche nach dem Berufseinstieg beschäftigt viele Hochschulabgängerinnen und -abgänger. Laut RAV kann mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit auch eine Stelle ausserhalb des eigenen Fachgebiets zumutbar werden. Mehr dazu liest du im Originalartikel hier.
In der Community sorgt das für unterschiedliche Reaktionen. Während einige finden, Akademikerinnen und Akademiker müssten zunächst jede zumutbare Arbeit annehmen, kritisieren andere den Druck auf Berufseinsteigende. Wir haben die Meinungen der Community zusammengefasst.
«Wer arbeiten will, findet immer etwas»
Für fast einen Drittel der Kommentarschreibenden zählt zuerst, dass Arbeitslose arbeiten und nicht von der Kasse leben. User Gitzimischt meint: «Studium schützt nicht vor Arbeiten.» Auch TheTruthHurts ist der Meinung, jeder Job sei gut, solange man nicht dem Staat auf der Tasche liege. «Was heisst schon überqualifiziert, wenn man keine Berufserfahrung hat und sich noch nicht die Hände schmutzig gemacht hat?» Laut ihm ist es die falsche Meinung, «wenn man denkt, man könne aus dem Studium raus und Geld kassieren».
User Don_Leccese_1983 berichtet aus einer eigenen Erfahrung: «Als gelernter Polymechaniker im Werkzeugbau hatte ich 2009 nicht das gefunden was ich suchte, also jobbte ich temporär als Logistiker im Lager. Nicht das was ich eigentlich wollte, aber die Rechnungen kamen ja weiterhin. Er ist der Meinung, wer arbeiten wolle, finde immer etwas. Auch für User Seerose13 zeige sich in einer solchen Situation der Arbeitswille: «Wer sich für jeglichen Job zu schade ist und nur rumhängen will, für den ist jeder Franken zu schade.»
User GillesDaniel hingegen empfindet es als «unzumutbar», nach einem Masterabschluss putzen oder Essen ausliefern zu müssen. Auch AB77records kritisiert, junge Menschen würden erst zum Lernen und Studieren aufgefordert und danach als «zu anspruchsvoll» dargestellt, wenn der Einstieg nicht gelinge.
Praxis zählt mehr als Hochschultitel
Berufserfahrung und handwerkliche Arbeit gelten aus Sicht einiger Kommentarschreibender mehr als ein Master. So schreibt User leser666: «Das ist leider so, dass einige Theoretiker eher schlechte Chancen haben in einigen Gewerken.» Dabei sei nicht nur die fehlende Praxiserfahrung ein Problem, sondern auch die Lohnvorstellungen. «Da greift man lieber auf einen Praktiker zurück, der weniger Wissen hat.» Er ist sich sicher: «Reines Wissen ohne Erfahrung hat eher schlechte Chancen.»
RobN schreibt: «Einen Studienabgänger unter 25 mit Master, zig Praktika, Zusatzausbildungen, zehn Jahren Berufserfahrung und Spezialistenwissen im Bereich XY gibt es nun mal nicht.» Gleichzeitig könne man als Berufseinsteiger auch nicht direkt einen Spitzenjob erwarten. «Man darf sich nie zu schade sein, einen Besen in die Hand zu nehmen, weder am Anfang noch am Ende seiner Karriere.»
Auch die beiden User Capo52 und Solothurner_1 betonen, dass es sich mehr lohne eine Lehre und anschliessend ein Studium zu machen. Solothurner_1 schreibt: «Während des Studiums soll man parallel bei der Lehrfirma noch etwas Geld dazuverdienen.» Seiner Ansicht nach bringt ein Studium ohne eine Berufsausbildung «ziemliche Nachteile»
«Man muss Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen»
Laut den Kommentaren tragen Unternehmen mit zu den Problemen bei. User Gizmo_Gizmo fordert: «Man müsste Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, auch Juniorstellen zu schaffen und jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.» Die aktuelle Entwicklung beschreibt der User als «besorgniserregend» und langfristig weder für die junge Generation noch für die Wirtschaft gesund.
Für Chauchat ist die Lage dagegen auch Ausdruck einer wiederkehrenden Phase höherer Arbeitslosigkeit. «Diese gibt es im Schnitt etwa alle acht bis zehn Jahre.» Junge Menschen müssten flexibel bleiben, ihrem Traum treu bleiben und sich ihren Master nicht «vermiesen» lassen.
Wie findest du es, wenn das RAV Hochschulabgängerinnen und -abgänger auch auf Lieferjobs oder andere Jobs ausserhalb des Fachs verweist?
Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community
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