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Wednesday, October 28, 2026

Commonwealth-Gipfel in Antigua – König Charles ist auf einer diplomatisch heiklen Karibikreise

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  • König Charles III. besucht auf seiner neuntägigen Karibikreise die Bahamas, Guyana sowie Antigua und Barbuda.
  • Die Reise soll Grossbritanniens Verbundenheit mit der Region zeigen.
  • Es gibt auch Proteste gegen seinen Besuch: Karibische Staaten fordern von Grossbritannien eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für die Sklaverei.

Neun Tage lang reist der Monarch durch eine Region, in der die britische Kolonialgeschichte bis heute nachwirkt. Zunächst besucht er die Bahamas, anschliessend Guyana und schliesslich den Inselstaat Antigua und Barbuda. Königin Camilla begleitet ihn beim letzten Teil der Reise.

Für den Politikwissenschaftler Bert Hoffmann vom deutschen Giga-Institut ist die Reise ein Zeichen der Verbundenheit. Grossbritannien signalisiere damit: «Wir sind weiter an euch interessiert, wir kümmern uns um euch, wir schicken unseren König auf diese Reise.» Das gewinne angesichts geopolitischer Verschiebungen an Bedeutung. Die USA seien für die meisten Staaten der Region näher und wichtiger als Grossbritannien.

Für kleine Länder sei die Aufmerksamkeit ein grosses Ereignis, sagt der Politikwissenschaftler. Gleichzeitig wecke die Reise Protest gegen die frühere Kolonialmacht und ihr Erbe der Sklaverei.

Zwei Männer in formeller Kleidung gehen an einer militärischen Parade vorbei.
Legende: Auf den Bahamas sowie in Antigua und Barbuda ist Charles Staatsoberhaupt, Guyana wurde 1970 zur Republik. In den beiden Inselstaaten gibt es Bestrebungen, die Monarchie abzuschaffen. (27.10.2026) REUTERS / Isabel Infantes

Karibische Staaten verlangen seit Jahren eine Aufarbeitung der britischen Rolle im transatlantischen Sklavenhandel und Wiedergutmachung. «Es gibt ganz grosse Forderungen, dass Grossbritannien nicht nur ein bisschen Rhetorik machen soll», sagt Hoffmann. Gefordert würden Reparationen, eine formelle Entschuldigung und die Rückgabe von Kulturgütern.

Charles sprach das Thema gleich zum Reiseauftakt auf den Bahamas an. Es sei nur recht und billig, «das grosse Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen», sagte er bei einer Veranstaltung mit jungen Menschen in der Hauptstadt Nassau. Eine Entschuldigung blieb aus. Eine kleine Gruppe von Demonstranten protestierte in der Umgebung mit Plakaten mit der Forderung: «Zahlt uns, was ihr uns schuldet», wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

Die britische Regierung lehnt Reparationszahlungen bislang trotz der lauter werdenden Forderungen ab. Der Palast betont, Reparationen und Entschuldigungen seien Sache der Regierungen.

Regierungschefs beraten über koloniales Erbe

Das Erbe der Kolonialzeit soll laut dem König an der letzten Station seiner Reise in Antigua und Barbuda von Regierungschefs der betroffenen Staaten behandelt werden. Dort nimmt der König am Gipfeltreffen des Commonwealth teil, eines losen Zusammenschlusses von 56 unabhängigen Staaten, bei denen es sich mehrheitlich – aber nicht nur – um ehemalige Kolonien des einstigen britischen Empires handelt.

Zwei Personen lächeln und reichen Menschen hinter einem Zaun die Hände.
Legende: Prinz William und Herzogin Kate reichen Kindern bei einem Besuch in Trench Town die Hände durch einen Drahtzaun. Die Aufnahme entstand während ihrer Karibikreise 2022. (22.3.2022) Reuters / Chris Jackson

Wie schnell die koloniale Vergangenheit einen königlichen Besuch überschatten kann, zeigte die Karibikreise von Prinz William und Prinzessin Kate im Jahr 2022. Der Besuch wurde von Protesten und Kritik begleitet. Jamaikas Regierungschef Andrew Holness machte im Beisein des Paares deutlich, dass sein Land eine Zukunft ohne die britische Monarchie anstrebt.

Für Kritik sorgten zudem unglückliche Bilder, auf denen die beiden jamaikanischen Kindern durch einen Drahtzaun die Hände reichten.

Charles könnte mit den richtigen Worten die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit voranbringen, glaubt Hoffmann. Harmonie allein erwartet er aber nicht: «Das wird nicht so glatt runtergehen.» Die Protestbewegung wächst seit Jahren. Und die Proteste seien Teil der Demokratie, sagt der Politologe – «ein normaler Prozess der Aushandlung einer sehr unnormalen Geschichte von Kolonialmacht und Sklaverei».

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