Nervosität wächst: Rendite für französische Staatsanleihen noch über US-Niveau

Nervosität wächstRendite für französische Staatsanleihen noch über US-Niveau
22.10.2026, 13:15 Uhr
Hohe Verschuldung, politische Unsicherheit und dann noch Ausschreitungen: Frankreich wirkt gerade wie kein sicherer Hafen für Anleger, wie die Rendite für französische Staatsanleihen zeigt.
Die wachsende Sorge der Anleger über die angespannte Haushaltslage hat die Renditen für französische Staatsanleihen weiter in die Höhe getrieben. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg auf rund 5,09 Prozent und lag damit erstmals seit 2013 über der von vergleichbaren US-Staatsanleihen. Gleichzeitig erreichte der Risikoaufschlag gegenüber den als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen den höchsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise im November 2011. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe fiel im Gegenzug leicht auf 3,40 Prozent, da Investoren in den sicheren Hafen flüchteten. Deutsche Staatsanleihen werden von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, was ein äußerst geringes Ausfallrisiko signalisiert.
Als Gründe für die wachsende Nervosität gelten die hohe Verschuldung Frankreichs, die politische Unsicherheit vor der Präsidentenwahl im kommenden Jahr und Schwierigkeiten bei der Verabschiedung des Haushalts. Anhaltende Straßenproteste, gegen die die Regierung für das kommende Wochenende einen massiv verstärkten Sicherheitseinsatz angekündigt hat, belasten die Stimmung zusätzlich. Auch in anderen Euro-Ländern wie Belgien, Italien und Spanien weiteten sich die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Anleihen aus.
Die französische Regierung strebt an, das Haushaltsdefizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr auf fünf Prozent im Jahr 2027 zu senken. Die EU-Regeln sehen eine Obergrenze von drei Prozent vor. Die hohe Neuverschuldung hat den Schuldenstand Frankreichs auf einen Nachkriegsrekord von 119 Prozent der Wirtschaftsleistung getrieben. Um das Defizit zu finanzieren und auslaufende Anleihen zu refinanzieren, muss der Staat im kommenden Jahr eine Rekordsumme von 340 Milliarden Euro an den Finanzmärkten aufnehmen.
Die Entwicklung der Anleihenmärkte wird zudem von gestiegenen Energiepreisen und der Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) befeuert. Die Geldmärkte preisen inzwischen bis Ende 2027 einen Einlagensatz von 3,26 Prozent ein, verglichen mit aktuell 2,50 Prozent. "Es besteht Konsens darüber, dass Europa heute besser für Krisen gerüstet ist und die europäischen Institutionen stärker sind als vor 15 Jahren", sagte die Ökonomin Giada Giani von der Citigroup. "Aber der wieder aufkeimende Euro-Skeptizismus ist hier ein Hemmnis."
Zugleich gibt es Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in Frankreich. Das Barometer für das Geschäftsklima in der Industrie hellte sich im Oktober auf, wie das Statistikamt Insee in Paris mitteilte. "Trotz der politischen Unsicherheit und der Handlungsunfähigkeit der Regierung zeigt sich das Verarbeitende Gewerbe in einer relativ robusten Verfassung", sagte dazu der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia. "Hier profitiert Frankreich unter anderem davon, dass es Unternehmen hat, die Kühlsysteme und Stromverteilungssysteme für Rechenzentren liefern können, ebenso wie Hochspannungskabel und in einem geringeren Maße auch Halbleitervorprodukte."
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