«Sex mit Männern war die Hölle»

- Model Tamy Glauser spricht im Podcast «Spaghetti mit Ketchup und Chäs» offen über die eigene Sexualität und Selbstfindung.
- Tamy verdrängte die Anziehung zu Frauen jahrelang und beschreibt Sex mit Männern als «Hölle».
- Aktuell definiert sich Tamy als transmaskulin und bevorzugt das Pronomen «Es».
Heute kann Tamy Glauser offen zur eigenen Sexualität stehen. Das war aber nicht immer so, wie Tamy im Podcast «Spaghetti mit Ketchup und Chäs» von Moderator Jonathan «Jontsch» Schächter erzählt. Durch die prägende Vergangenheit – Tamy wuchs bei Pflegeeltern und ohne Kontakt zum Vater auf – hatte Tamy mit dem Selbstwert und Verlustängsten zu kämpfen. Hinzu kam Mobbing in der Schulzeit.
Um den Schikanierungen zu entkommen, passte sich Glauser irgendwann an, adaptierte einen weiblicheren Style und ging mit Jungs aus. Dass Tamy auf Frauen steht, habe Tamy lange verdrängt. Den Sex mit Männern beschreibt das Model als «Hölle». «Als ich mehrere Male mit Männern im Bett gewesen war und immer dieselbe Erfahrung gemacht hatte, dachte ich mir, ich sei asexuell», erinnert Tamy sich und fügt an: «Ich war voll im Frieden damit».
Alles änderte sich, als Tamy mit 17 Jahren etwas mit einer Frau hatte: «F*ck, ich bin nicht asexuell» und «Wieso ich?» waren Glausers Gedanken damals. «War das kein schönes Erwachen?» will Jontsch wissen. Körperlich war es das, gibt Tamy ihm recht. Gleichzeitig war es aber das Schlimmste: «Ich dachte mir: Ich hätte lieber HIV, als lesbisch zu sein.»
Grund dafür waren die stereotypischen Bilder, die die Gesellschaft damals prägten. Lesbisch zu sein galt laut Tamy als «inakzeptabel und verhasst». «Wir hatten in unserem Dorf ein lesbisches Paar und alle haben diese gehasst und gemobbt», erinnert sich das Model.
Tamy definiert sich aktuell als transmaskulin
Die Verdrängung der Sexualität dauerte, bis Glauser circa 25 Jahre alt war. «Meine Sexualität ist tiptop. Ich möchte sie nicht mehr ändern», kann das Model unterdessen sagen. Der Weg der Selbstfindung sei aber nicht abgeschlossen: «Ich glaube, der hört nie auf.»
Aktuell definiert sich Tamy als transmaskulin. Das beinhalte zum einen, dass Tamy non-binär ist, sich also weder als Frau noch Mann identifiziert. Zum anderen, dass sich Tamy als maskuline lesbische Person sieht. Als Pronomen bevorzuge Tamy «Es». «Das ist für die meisten Menschen komisch, aber in Bern ist das voll liebevoll und nicht auf eine Sache bezogen», erklärt Glauser.
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Hier findest du Hilfe:
InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen
Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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