The Jerusalem PostANU adds three new artworks to 'October 7' exhibit as Israel marks third anniversary of massacrePunchOne dead, many injured as bus catches fire on Kwara expresswayESPNTransfer rumors, news: Bayern brace for tough contract talks with OliseBollywood HungamaRakul Preet Singh BREAKS silence on Income Tax searches, DENIES involvement in illegal foreign remittances: "Have been paying my due taxes since the age of 20"InquirerFoul odor prompts shoreline inspection in MamburaoInvesting.comGoldman Sachs anticipe des gains pour le real brésilien après les électionsInvesting.comGoldman Sachs prevé ganancias del real brasileño tras eleccionesNumeramaL’IA a tué (pour l’instant) l’un des programmes de sécurité de GoogleBBC NewsScott out of England squad and faces injury lay-off7sur7Trump dévoile le numéro de portable d’un collègue de son parti opposé à l’heure d’été permanente: “Appelez-le!”Times of India EntertainmentSRK's net worth is Rs 12,000 crore which is 4x times more than Salman, Aamir, Akshay, says analystGMA NewsSara Duterte had over P10M in withdrawals, check encashment in Dec. 2024 -- AMLC witness
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 5, 2026

Israel: Psychische Gesundheit in der Krise

Translate

Ronen Shalev kann es schon körperlich spüren: Bald jährt sich der Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 zum dritten Mal. "Man beginnt zu zittern", sagt er zur DW. "Es geht nicht einfach nur um einen Tag und dann macht man weiter. Es gibt viele Gräber, die wir besuchen, viele Familien, die wir treffen. Es ist eine schwierige Zeit und dein Körper spürt das."

Seine beiden Kinder waren beim Nova-Festival im Süden Israels, wo während des Terrorangriffs allein fast 400 von insgesamt mehr als 1200 Menschen von der radikalislamischen palästinensischen Terrororganisation Hamas und ihr angeschlossenen Gruppierungen aus dem Gazastreifen getötet wurden.

Die Angriffe führten zum Krieg in Gaza, bei dem die israelischen Streitkräfte zehntausende Palästinenser töteten. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde vertrieben.

Shalevs Tochter Lior überlebte den Angriff. Shalevs Sohn Roee wurde angeschossen und musste im Krankenhaus behandelt werden, doch er musste mit ansehen, wie seine Partnerin Mapal Adam getötet wurde.

Kurze Zeit nach dem Terrorangriff verschwand Shalevs Ehefrau Gavriela. Ihre Leiche wurde zusammen mit einem Abschiedsbrief in einem ausgebrannten Auto gefunden. "Sie konnte mit dem Schmerz, den dieser Tag ausgelöst hat, nicht umgehen", sagt Shalev.

Gleichzeitig machten sich bei seinem Sohn Roee Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung bemerkbar, hauptsächlich in Form extremer Stimmungsschwankungen. "Er ging in Behandlung, um mir einen Gefallen zu tun, aber er war nicht wirklich davon überzeugt. Er dachte, er sei OK, er sei stark", erinnert sich Shalev.

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Partnerin und seiner Mutter konnte auch Roee nicht mehr weitermachen. "Ich lebe, aber innerlich bin ich tot", schrieb Roee in einer Abschiedsnachricht auf seinem Instagram-Account. "Es tut mir leid."

Ein Land im posttraumatischen Zustand

Seit Oktober 2023 durchlebt Israel im Bereich psychische Gesundheit eine Krise von bislang unbekanntem Ausmaß. Einem Bericht des israelischen Staatsrevisors vom Februar 2025 zufolge leiden 39 Prozent der Israelis in mittlerem oder schwerem Ausmaß an posttraumatischen Symptomen, Depressionen, Ängsten oder einer Kombination dieser Beschwerden.

Das sind drei Millionen Menschen. 600.000 von ihnen leiden besonders stark. Zu den betroffenen Gruppen zählen sowohl Überlebende der Angriffe als auch Menschen, die wegen des Krieges aus ihren Häusern im Süden und Norden Israels evakuiert wurden.

Der Bericht stellte außerdem fest, dass die Zahl der Menschen in psychologischer Behandlung seit dem 7. Oktober 2023 um nur ein Prozent, also etwa 60.000 Menschen, gestiegen ist.

Nicht ausreichende Mittel 

Noga Dagan-Buzaglo forscht am Adva Center, einem Thinktank, der sich mit Ungleichheit in der israelischen Gesellschaft beschäftigt. Sie hat einen umfangreichen Fachartikel zur psychischen Gesundheitsversorgung in Israel und den Herausforderungen nach dem 7. Oktober verfasst.

Das Budget für die psychische Gesundheitsversorgung sei zwar aufgrund des Krieges angehoben worden, erzählt sie der DW. Doch die Mittel seien noch immer nicht ausreichend und auch zu spät bewilligt worden. Das Gesundheitssystem habe es mit einer anhaltenden Krise zu tun, die nicht angemessen gehandhabt wurde.

"Die größte Herausforderung ist es, Menschen davon zu überzeugen, im Bereich psychische Gesundheit des öffentlichen Gesundheitssystems zu arbeiten, denn die Gehälter sind im Vergleich zum privaten Sektor niedriger und die Arbeitsbelastung ist hoch", beklagt sie.

Beruhigungsmittel als Allheilmittel

Auch an den Fachkräften im Bereich psychische Gesundheit geht die aktuelle Situation nicht spurlos vorbei. Eine Studie der Universität Haifa stellte fest, dass 84 Prozent der Therapeuten und Therapeutinnen, die Betroffene der Angriffe vom 7. Oktober behandelten, selbst traumatische Symptome entwickelten. 45 Prozent von ihnen sagten, dass sie sich psychisch ausgelaugt fühlten.

Das israelische Gesundheitsministerium hat wiederholt betont, dass es die Mittel und die Stellenzahl im öffentlichen System für psychische Gesundheit erhöht habe, doch es fehlen noch immer Mitarbeitende, insbesondere in abgeschiedeneren Regionen im Norden und Süden des Landes.

Israel: Kampf gegen das Vergessen im Kibbuz Be'eri

Aufgrund dieser Probleme betragen die Wartezeiten für eine Behandlung im öffentlichen Gesundheitssystem laut Bericht mehr als sechs Monate. In einigen Fällen mussten Patienten über ein Jahr warten, bis sie Hilfe erhielten, so Dagan-Buzaglo.

Regierungsunabhängige Organisationen und Ehrenamtliche im Bereich psychische Gesundheit versuchen, die Lücken zu füllen, haben aber selbst oft mit der hohen Arbeitsbelastung zu kämpfen. In der Folge werden vermehrt verschreibungspflichtige Medikamente eingesetzt. 

Laut einer Mitteilung des israelischen Gesundheitsministeriums in diesem Jahr stieg die Verschreibung von Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Antidepressiva um 13 bis 17 Prozent.

Am meisten unter der Situation leiden die Menschen, die es sich nicht leisten können, privat für eine Therapie zu zahlen. Für Dagan-Buzaglo ist die Reaktion des öffentlichen Gesundheitssystems auf die Lage "einfach schlecht".

Gefährdete Soldaten

Besonders betroffen von der Krise der psychischen Gesundheitsversorgung in Israel sind die aktiven Soldaten. Vom israelischen Parlament und den israelischen Streitkräften veröffentlichte Zahlen deuten auf einen starken Anstieg von Suiziden unter Reservisten hin: Während es in den sechs Jahren vor dem Krieg maximal einen Fall von Selbstmord pro Jahr gab, waren es im Jahr 2024 elf Fälle.

Im Jahr 2025 wurden neun Fälle als mutmaßliche Suizide untersucht. Nicht in dieser Statistik enthalten sind ehemalige Soldaten, die nach ihrem aktiven Dienst aufgrund der erlittenen Traumata Selbstmord begangen haben.

Israelische Soldaten blicken Richtung Libanon an der Nordgrenze
Besonders Soldaten sind von der Krise im Bereich psychische Gesundheit betroffenBild: Avi Ohayon/REUTERS

Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Fachkräften seien in der Armee zwar besser, sagt Dagan-Buzaglo, doch der Personalmangel sei auch hier spürbar. "Auch in der Armee sind Dauer und Qualität der Behandlungen bei weitem nicht ausreichend."

Sie ist überzeugt, dass mehr Mittel für das System erforderlich sind, um sowohl Zivilisten als auch Soldaten angemessen zu unterstützen. "Wir müssen uns klar machen, dass Traumata nicht nach einem Jahr vorbei sind. Das heißt, es muss Geld investiert werden."

Tabubruch

Ronen Shalev hält regelmäßig Vorträge und spricht - häufig vor Soldaten - darüber, wie wichtig psychische Gesundheit ist. Für ihn ist es die beste Art, das Vermächtnis seines Sohnes fortzuführen und weiter für das Leben zu kämpfen.

Bei ihm selbst wurde eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert, aber er sagt, er habe sich dafür entschieden, sein Leben voll auszuschöpfen. Er möchte das Tabu, das in der israelischen Gesellschaft rund um Suizidgedanken noch immer herrscht, brechen. "Das gilt besonders für all die, die meinen, sie seien stark. Um sie muss man besonders Angst haben, denn bei ihnen ist am wenigsten wahrscheinlich, dass sie behandelt werden."

Öffentlich über die Erfahrungen seiner Familie zu sprechen, ist für Shalev Teil seiner eigenen Heilung geworden. Und ein Weg, anderen Mut zu machen, Hilfe zu suchen, bevor sie in eine Krise geraten.

"Trotz meiner ganzen Schmerzen: Das Leben ist es wert, sich dafür zu entscheiden", sagt er.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

Sollten Sie selbst Suizidgedanken haben oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Wo es Hilfe in Ihrem Land gibt, finden Sie unter der Website https://www.befrienders.org/. In Deutschland hilft Ihnen die Telefonseelsorge unter den kostenfreien Nummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

View the original on DW Deutsch →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.