Wie Deutschland und Japan den Ernstfall üben
Bundeskanzler Merz hat zum Auftakt seiner Asien-Reise in Singapur für ein großes Freihandelsabkommen der EU mit Staaten im Pazifikraum geworben. Es soll die Abhängigkeit von China verringern.
27.10.2026 | 0:30 min"Die Amputation auf die Zwei, die Kopfverletzung auf die Eins", ruft ein Mann in Uniform mit Deutschlandflagge auf dem Arm. Zwei Verletzte werden ins Zelt getragen und auf den zugewiesenen Untersuchungstischen abgelegt. Männer und Frauen in unterschiedlichen Militäruniformen beginnen mit routinierten Handgriffen, die Verletzten zu versorgen.
Beim näheren Blick fällt auf, dass einer der Patienten eine Puppe ist. Beim anderen übersetzt eine Frau in normaler Kleidung die Frage: "Wo haben Sie Schmerzen?" gerade auf Japanisch. Es ist ein Soldat, der den Verletzten spielt, seine Beinverletzung ist zum Glück nur aufgemalt. Denn auf der Militärbasis Iruma, 50 Kilometer nord-westlich von Tokio, simulieren Sanitätskräfte aus Deutschland und Japan, was zu tun wäre, sollte China Taiwan angreifen.
Militärübung: Was wäre zu tun, sollte China Taiwan angreifen
Zum ersten Mal beteiligt sich Deutschland mit 100 deutschen Sanitätskräften an der Militärübung "Keen Sword", die Japan und die USA zum 18. Mal gemeinsam abhalten.
Friedrich Merz wirbt auf seiner Asienreise für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Asien-Staaten, berichtet ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Kritik übt er an Russland und China.
27.10.2026 | 1:26 minWir bauen ein Netzwerk von Partnern auf, mit denen wir gemeinsame Grundwerte und Interessen teilen.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Kanzler Merz besucht Japan: Deutschlands Suche nach Gleichgesinnten
Gemeint sind Länder, die an der regelbasierten Ordnung festhalten, Demokratien, die das Gefühl haben, angesichts der Bedrohung durch Autokratien wie China, Russland und Nordkorea und der Unsicherheit, die US-Präsident Donald Trump in der Welt verursacht, zusammenhalten zu müssen.
Japans geografische Nähe zu China, Russland und Nordkorea macht die Bedrohungslage dort besonders akut - manche halten sie für die gefährlichste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und die USA sind eigentlich Japans wichtigster Verteidigungspartner.
Die Zeitenwende ist auch in Japan angekommen: Seine geopolitische Lage bringt das Land zu einer grundlegenden Wende in der Sicherheitspolitik. Rüstung spielt wieder eine größere Rolle.
14.10.2026 | 6:31 minKunstblut, Kommunikation und kulturelle Unterschiede
Umso wichtiger sei es für die Bundeswehr, an der Seite der japanischen Kameraden zu stehen, betont der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr Ralf Hoffmann. Er wird Kanzler Merz nach Abschluss der Militärübung in Tokio treffen und berichten, "dass die Zusammenarbeit bei allen Schwierigkeiten aufgrund von Kommunikation und kulturellen Unterschieden doch dazu führt, dass man nach wenigen Tagen diese Unterschiede überwinden kann und dann wirklich hervorragend im Team funktioniert".
Das Gefühl der Japaner, hier in dieser Gegend ein Stück weit allein zu stehen, macht es besonders wichtig, dass wir hier Flagge zeigen und unterstreichen, dass wir unseren japanischen Kameraden zur Seite stehen, wenn es darauf ankommt.
Dr. Ralf Hoffmann, Generaloberstabsarzt der Bundeswehr
Auch Japan hält es für notwendig, in Sachen Sicherheitspolitik mit Partnerländern zusammenzuarbeiten.
Japan: Neue Premierministerin, neue Verteidigungslinie
Dabei hat Japan den Pazifismus nach dem Zweiten Weltkrieg in der Verfassung verankert, das Militär trägt ihn im Namen: Selbstverteidigungs-Streitkräfte nennen sie sich.
Um seine Abhängigkeit von China zu verringern, hat Japan ein eigenes Forschungsschiff in den Pazifischen Ozean entsendet. Dort soll der Abbau von Seltenen Erden vorbereitet werden.
28.01.2026 | 10:04 minDie neue Premierministerin Sanae Takaichi strebt eine Revision dieses Pazifismus-Artikels an. Japan müsse sich aufgrund der aktuellen Bedrohungslage neu aufstellen. Die Verteidigungsausgaben steigen massiv. Im April lockerte das Land das historische Verbot von Rüstungsexporten. Jeden Monat treffen sich Japanerinnen und Japaner in verschiedenen Städten, um gegen Takaichis Kurs zu demonstrieren.
Es geht um Sicherheit und Wirtschaft - und immer um China
Japan versucht, sich nicht nur militärisch gegen China, Nordkorea und Russland abzusichern, sondern hat auch in Sachen Technologie eine Aufholjagd gestartet, will zum Beispiel Jahrzehnte Rückstand aufholen, mehrere Chip-Generationen überspringen und wieder Halbleitergroßmacht werden.
So geht es auch beim Besuch des deutschen Bundeskanzlers in Japan nicht nur um Sicherheit und Verteidigung, sondern ebenfalls um Wirtschaft. Merz wird von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. Es sollen mehrere Absichtserklärungen abgegeben werden, unter anderem zur Zusammenarbeit in den Bereichen Hochtechnologie, wichtige Rohstoffe, Halbleiter, Wasserstoff und Forschung. Außerdem seien Unternehmensvereinbarungen geplant, die zusammen im Milliardenbereich liegen würden.
Bundeskanzler Merz ist nach Asien gereist und macht sich dort für weitere Investitionen in Deutschland und Europa stark. Wirtschaftsexperte Florian Neuhann berichtet.
27.10.2026 | 0:56 minAuch hier spielt Peking eine Rolle, denn Merz' erklärtes Ziel ist es, die Abhängigkeit von China zu verringern - durch neue und vertiefte Partnerschaften möglichst mit gleichgesinnten Ländern.
Miriam Steimer ist als Korrespondentin und Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, etwa die heute-Nachrichten am 27.10.2026 ab 17 Uhr und ZDFheute Xpress am 27.10.2026 um 12:47 Uhr.
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