Nobelpreis sorgt für Wut in Israel: Das ist Navi Pillays Karriere

- Die südafrikanische Juristin Navi Pillay erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis.
- Deutschland, die EU und Amnesty International begrüssen die Auszeichnung; Israel kritisiert sie scharf.
- Pillay leitete zuletzt eine UN-Kommission, die Israel einen Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navi Pillay ist international auf zahlreiche positive Reaktionen, aber auch auf Kritik gestossen. Deutschland, Südafrika, die EU, der UN-Menschenrechtsrat sowie Amnesty International sehen in der Auszeichnung Pillays ein «richtiges» und «bedeutungsvolles» Signal.
Israel kritisierte hingegen die Entscheidung des Nobelkomitees. «Joseph Goebbels applaudiert bestimmt aus der Hölle», schrieb das israelische Aussenministerium auf X. Pillay hatte zuletzt jene UN-Kommission geleitet, die zu dem Schluss gekommen war, dass Israel einen Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen begangen habe.
Ein Blick auf Navi Pillays wichtigste Fälle und Stationen:
1967
Die erst 25-jährige Navi Pillay gründet als erste Frau in der südafrikanischen Provinz Natal eine Anwaltskanzlei. Sie vertritt Anti-Apartheid-Aktivisten sowie Gewerkschafter und bekämpft die rassistische Unterdrückung auf dem Rechtsweg.
1971–1972
Die Juristin trägt in einem Prozess gegen Anti-Apartheid-Aktivisten dazu bei, Folter und rechtswidrige Verhörmethoden aufzudecken.
1973
Pillay gewinnt einen wegweisenden Prozess, der Rechte und Privilegien für politische Gefangene auf Robben Island festlegt.
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1979–1980
Pillay stellt die Anwendung von Einzelhaft und deren Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen infrage.
1988
Sie wird von der Universität Harvard mit dem Titel «Doctor of Juridical Science» ausgezeichnet.
1992
Pillay wird Mitbegründerin von Equality Now, einer internationalen Organisation für Frauenrechte.
1995
Sie wird zur Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda gewählt.
1999
Pillay wird Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda. Dieses Amt übt sie von 1999 bis 2003 aus. Im Verfahren Ankläger gegen Akayesu trägt sie massgeblich zu einer wegweisenden Rechtsprechung bei, die Vergewaltigung als Akt des Völkermords anerkennt.
2001
Sie setzt ihre Arbeit an wegweisenden internationalen Strafverfahren fort. Dazu gehört insbesondere die Rechtsprechung des Tribunals zu sexueller Gewalt und Völkermord.
2003
Pillay tritt ihr Amt als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag an. Fünf Jahre später verlässt sie den Gerichtshof und übernimmt am 1. September 2008 das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
2021
Der UN-Menschenrechtsrat setzt die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete ein. Pillay übernimmt den Vorsitz der Kommission.
2025
Die damals 84-Jährige erhält den Sydney-Friedenspreis für ihren Einsatz für Rechenschaftspflicht und Verantwortung bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Im selben Jahr veröffentlicht die Untersuchungskommission einen Bericht, der zu dem Schluss kommt, dass Israel im Gazastreifen einen Völkermord begangen hat. Israel weist die Ergebnisse bis heute zurück.
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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