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Tuesday, September 1, 2026

«Wurde gemobbt, auch meine beste Freundin wandte sich von mir ab»

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  • Rund 10-mal pro Woche wenden sich Kinder und Jugendliche wegen Mobbing an die Gratisnummer 147 von Pro Juventute.
  • Zwei Betroffene erzählen, wie sie Beleidigungen, Ausgrenzung und Gewalt in der Schule erlebten – und was die Dynamik letztlich brach.
  • Experte Olivier Reber betont: Ohne Intervention hört Mobbing nicht auf – Eltern sollen sich rasch an Lehrpersonen oder die Schulsozialarbeit wenden.

Sprüche, Ausgrenzung oder gar Gewalt: Mobbing kann sich auf viele Arten äussern. Oftmals ist es subtil. Gerade in den Schulen können Kinder still leiden, ohne dass Lehrpersonen oder Eltern etwas davon mitbekommen.

Leserin B.* (29) erlebte Mobbing in der Oberstufe. Die Dynamik kam für sie völlig überraschend. «In der Schule davor hatte ich Freunde und nie Probleme.» Doch dann habe das Mobbing angefangen. «Und irgendwie machten immer mehr Leute mit. Am Schluss hat sich sogar meine beste Freundin von mir abgewandt.»

B.: «Würde heute anders handeln»

Wie eine Welle sei es durch die Schule gerollt. Die kommenden Jahre seien der Horror gewesen. B. musste Beleidigungen und teils auch Bedrohungen über sich ergehen lassen. Gespräche mit der Schule hätten nichts gebracht. «Mir wurde geraten, mich nicht zu wehren und es einfach über mich ergehen zu lassen. Das würde ich heute auf keinen Fall mehr so machen.» Sie rate Betroffenen, sich früh Hilfe zu holen. «Vertraut euch jemandem an und bleibt nicht allein mit euren Sorgen.»

B. wechselte nach mehreren Jahren die Schule. Danach wurde alles besser. (Symbolbild)

B. wechselte nach mehreren Jahren die Schule. Danach wurde alles besser. (Symbolbild)Unsplash

Bei B. hat schlussendlich ein Schulwechsel für Verbesserung gesorgt. Heute schaut sie gemischt auf die Zeit zurück. «Die Schule hat mich sicher geprägt. Aber ich wäre nicht die Person, die ich heute bin, ohne diese Zeit.» Betroffenen möchte sie sagen: «Es geht vorbei. Auch wenn es sich in dem Moment nicht so anfühlt.» Heute habe sie gute Freunde und führe ein sehr glückliches Leben.

Lehrer bekamen vieles nicht mit

Einen anderen Weg hat E.* (38) eingeschlagen. Bei ihr war es eine Gruppe, die Schüler von der ganzen Schule terrorisierte. «Wenn du mit einer Person ein Problem hattest, dann hattest du mit allen eines.»

Bei E. terrorisierte eine Gruppe aus unterschiedlichen Stufen die ganze Schule. «Gespräche brachten wenig», erzählt die 38-Jährige. (Symbolbild)

Bei E. terrorisierte eine Gruppe aus unterschiedlichen Stufen die ganze Schule. «Gespräche brachten wenig», erzählt die 38-Jährige. (Symbolbild)Getty Images/Cavan Images RF

E. vertraute sich ihrer Mutter an, die alles getan habe, was sie konnte. «Doch vieles bekamen die Lehrer gar nicht mit.» E. liess Beleidigungen und Tätlichkeiten über sich ergehen, bis es eines Tages nicht mehr ging. «Eines Tages bin ich ausgerastet und habe zwei meiner Peiniger angegriffen.» Es sei für sie eine absolute Ausnahmesituation gewesen. «Ich bin überhaupt nicht gewalttätig. Ich kann mich auch nicht aktiv daran erinnern, alles wurde schwarz und ich weiss nur noch, dass ich auf sie los bin und dass die Mitschüler in einem Kreis um uns standen.»

Danach habe es Gespräche mit der Schule gegeben. «Aber die Gruppe liess mich ab dann in Ruhe.» E. empfiehlt ihr Verhalten nicht weiter. «Aber ich war verzweifelt.»

«Gewalt beendet kein Mobbing»

Auch Olivier Reber von Pro Juventute rät Betroffenen von Gewalt ab. «Mobbing ist eine Dynamik, die sich mit Gewalt nicht aufbrechen lässt. Im schlimmsten Fall verschlimmert es die Situation.»

Dass das Thema Mobbing ein Dauerbrenner ist, zeigen laut Reber auch die Anfragen bei der Beratung 147 von Pro Juventute. «Kinder und Jugendliche erhalten dort 24 Stunden am Tag kostenlos Hilfe bei Sorgen. Wir haben wöchentlich rund zehn Anfragen zu Mobbing.»

Schwierig, Mobbing zu erkennen

Die Schwierigkeit für Eltern oder Lehrpersonen sei häufig, Mobbing zu erkennen. «Kinder schämen sich oft und suchen die Schuld bei sich. Als Eltern soll man ohne Vorwürfe ein offenes Gespräch suchen, wenn man sich Sorgen macht.»

Reber rät, sich früh Hilfe zu holen. «Mobbing hört nicht von alleine auf, es braucht die Intervention von Erwachsenen.» (Symbolbild)

Reber rät, sich früh Hilfe zu holen. «Mobbing hört nicht von alleine auf, es braucht die Intervention von Erwachsenen.» (Symbolbild)Pexels

Gebe es eine Mobbing-Situation, sei es wichtig, dass man als Eltern schnell reagiere, «aber mit einem klaren Plan». Reber rät, sich an die Lehrpersonen oder Sozialarbeit zu wenden. «Die Eltern des mobbenden Kindes zu kontaktieren, ist im ersten Moment oft nicht zielführend.»

Ängste müssen ernst genommen werden

Manchmal sorge sich das betroffene Kind, dass das Mobbing dadurch schlimmer werden könnte. «Es ist wichtig, diese Ängste ernst zu nehmen, das Kind an die Hand zu nehmen und zu zeigen, dass dies der beste Weg ist.»

Danach gehe es darum, die Dynamiken aufzubrechen. «Es muss aufgezeigt werden, was das Mobbing bei den Betroffenen auslöst und dass dies nicht in Ordnung ist.» Mobbing höre nicht von alleine auf. «Es braucht eine Intervention, das gemobbte Kind braucht Schutz und die Mobbing-Handlung muss aufhören. Das geht nur mit der Unterstützung von Erwachsenen.»

Mindestens so wichtig wie eine Intervention sei Prävention, so Reber. «Lehrpersonen und Klassen müssen auf das Thema sensibilisiert werden. So können Mobbingfälle bestenfalls verhindert werden und Kinder wissen, wie und wo sie Hilfe bekommen.»

Wie war deine Schulzeit?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-) Mobbing betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Anja Zingg

Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.

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