Wirbel um einen Heiligen – Franz von Assisi: Radikal und populär – und immer in Sandalen

Franz von Assisi: In brauner Kutte und Sandalen predigte er Vögeln und nannte den Wolf von Gubbio seinen Bruder. Franziskus, der Gründer des Franziskaner-Ordens, gilt als der beliebteste christliche Heilige. Dabei war er «unbequem»: Er geisselte Reichtum und Machtstreben als unchristlich. Er predigte Menschen, sich nicht als «Krone», sondern als Teil der geschwisterlichen Schöpfung Gottes zu verstehen. Aktueller geht es kaum.
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Bild 1 von 7. Das berühmte Fresco des Malers Giotto von 1295 zeigt Franziskus, wie er den Vögeln predigt. Bildquelle: Wikimedia.
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Bild 2 von 7. Das älteste bekannte Portrait von Franziskus (1228) ist ein Fresco in Subiaco, 230 Kilometer vom Ort Assisi entfernt. Bildquelle: Wikimedia.
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Bild 3 von 7. Ein Franziskanermönch: Die «Jesuslatschen» sind Zeichen für den Verzicht auf Luxus zugunsten anderer. Genauso wie der braune Stoff der Kutte: Er war seinerzeit der billigste. Die drei Knoten symbolisieren die Selbstverpflichtung auf Armut, Keuschheit und Gehorsam. Bildquelle: Getty Images/Franco Origlia.
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Bild 4 von 7. Auch typisch franziskanisch: Das Tau-Kreuz. Das Balkenkreuz heisst auch Antoniuskreuz. Es hat die Form des griechischen Buchstabens Tau und verweist auf den letzten Buchstaben im hebräischen Alphabet Taw und die Bibelstelle Ezechiel 9.4 als Rettungszeichen der Armen. Bildquelle: Wikimedia/Abraham Sobkowski OFM.
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Bild 5 von 7. 1953: Ein Pfarrer in der Pfarrei St. Mary the Virgin in Eddington, Worcester Park, hält einen Haustiersegnungs-Gottesdienst ab – in Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi, den Schutzpatron der Tiere. Bildquelle: IMAGO / United Archives Keystone.
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Bild 6 von 7. In Franziskus’ Heimatstadt Assisi: Treppe mit Blumen und Wandbild des heiligen Franziskus. Bildquelle: IMAGO / Zoonar.
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Bild 7 von 7. Hier befindet sich sein Grab des Franziskus: in der Basilika San Francesco in Assisi. Bildquelle: IMAGO / Zoonar.
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Franz, der radikale Reichtumskritiker
Geboren in die Elite Umbriens, kritisierte Franz seinen reichen Vater als scheinheilig. Er verliess ihn, um ein Leben wie Jesus zu führen: in Armut und als wandernder Bettelmönch. Rasch schlossen sich Menschen an. Aus dieser Armuts- und Büsserbewegung entstand die grösste christliche Ordensgemeinschaft: die franziskanische.
- 1181/1182: Geburt als Giovanni di Bernardone und Sohn eines reichen Tuchhändlers
- 1202: Kriegsdienst und Gefangenschaft in Perugia
- 1205: Abkehr vom bisherigen Leben: Franziskus begegnet ausgestossenen Leprakranken, gibt seinen Besitz her, wählt ein Leben in Bettelarmut, wird Wanderprediger und findet viele Anhänger und Anhängerinnen
- 1210: Mündliche Bestätigung seiner Lebensregel durch Papst Innozenz III.: Gründung des ersten Franziskanerordens der «minderen Brüder»
- 1215: Franz schreibt für Schwester Klara von Assisi eine eigene Ordensregel; der zweite Orden entsteht: der Frauenorden der Klarissen
- 1219: Franz trifft den ägyptischen Sultan al-Malik al-Kāmil zum Religionsgespräch – mitten im fünften Kreuzzug
- 1221: Die dritte «weltliche» Franziskanische Gemeinschaft entsteht: Familien und Verheiratete schliessen sich Franz und seiner Büsserbewegung an
- um 1225: Abfassung des «Sonnengesangs»
- Tod am 3. Oktober 1226
- 16. Juli 1228: Rasche Heiligsprechung durch Papst Gregor IX.
- 1986: Interreligiöses Friedensgebet von Assisi – einberufen von Papst Johannes Paul II.
- 2013: Erstmals nennt sich ein Papst Franziskus
- Der 4. Oktober ist der römisch-katholische Gedenktag für Franziskus und Welttierschutztag.
Franz, der Tiere und die Mutter Erde liebt
Allein seine Beziehung zu den Geschwistern, den Tieren, und zur Natur machen Franziskus heute anschlussfähig. Auch für nichtchristliche Menschen, Stichwort: Naturspiritualität. Die bleibt – franziskanisch weitergedacht – aber nicht rein betrachtend und kontemplativ. Als christliche Schöpfungsethik engagiert sie sich gegen den Raubbau an Natur und Mensch.
Franz von Assisi muss – wegen seiner fundamentalen Kapitalismuskritik verknüpft mit Naturmystik – auch politisch gelesen werden. So tat es der erste Papst namens Franziskus in seiner Enzyklika von 2015. Deren Titel «Laudato si» spielt an auf den Sonnengesang des Heiligen Franziskus.
Der Sonnengesang ist eine zeitlos aktuelle Schöpfungshymne. Ein vielfach vertonter Text: von Gregorianik bis Pop, von Olivier Messiaen bis Angelo Branduardi.
Franz, der mitten im Krieg zum Dialog für Frieden aufbricht
Eine dritte aktuelle Botschaft des Franz von Assisi ist der interreligiöse Dialog für den Frieden. «Assisi» wird heute mit Friedensappellen verknüpft, die seit 1986 von dort ausgehen. Damals rief Papst Johannes Paul II. erstmals zu einem interreligiösen Friedensgebet auf. Es ist mittlerweile etabliert.
Der Bezug zum historischen Franz von Assisi ist dessen friedvoller Besuch beim muslimischen Sultan in Ägypten, mitten während der Kreuzzüge. Das wird heute als ein Religionsgespräch für den Frieden gedeutet.
Die Deutungsgeschichte ist breiter und bunter als das, was man über diesen Franz von Assisi tatsächlich weiss. Das ist typisch für Heiligenlegenden, betont Mystikforscher und Yale-Professor Volker Leppin in seinem neuen Buch über Franziskus, den «unbequemen» Heiligen. Es ist neben vielen Weiteren im 800. Todesjahr des Heiligen 2026 erschienen.
- Sarah Gaffuri: «Franz von Assisi und die Suche nach dem einfachen Leben. 99 Dinge, die zu wissen lohnt». Thorbecke Verlag, 2026.
- Volker Leppin: «Franz von Assisi. Ein unbequemer Heiliger». Herder Verlag, 2026.
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