Kürzere Dauer und Frauenzonen – Wie sich Festivals für die Generation TikTok neu erfinden

Live-Konzerte sind für viele Leute nicht wegzudenken. Gemäss einer Umfrage des Bundesamts für Statistik haben drei von vier Schweizerinnen und Schweizern letztes Jahr mindestens ein Konzert besucht.
Doch nicht alle wollen Konzerte heute auf die gleiche Art erleben: Gefragt sind Angebote, die auf unterschiedliche Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Vier Beispiele zeigen, wie sich Schweizer Veranstalterinnen und Veranstalter anpassen.
Das Open-Air Gampel hat seine Konzerte gekürzt. Gewisse Bands spielten statt 90 Minuten nur noch 45 Minuten. Medienchef Olivier Imboden begründet diesen Entscheid so: «Viele junge Leute suchen genau ihren Song und haben nicht den Nerv, eine Stunde lang ein Konzert zu hören.» Das Konsumverhalten der Besucherinnen und Besucher habe sich mit der TikTok-Generation verändert.
Gleichzeitig hat das Festival für ein vielfältigeres Rahmenprogramm gesorgt – etwa mit Spielen, Yoga und Fitness. «Einen Vollsuff gibt es heute nicht mehr. Das merken wir auch bei den Zahlen des Bierverkaufs, die sich halbiert haben. Die Jungen sind gesundheitsbewusster geworden», sagt Imboden.
2. Aufstehen erlaubt
Das Sinfonieorchester Basel bietet sogenannte «Relaxed Performances» an. Mit der Kammermusik-Reihe möchte man Menschen mit und ohne Einschränkungen ansprechen, die sich in einer lockeren Konzertatmosphäre wohlfühlen.
Die Konzerte dauern rund 45 Minuten, die Türen bleiben offen, man darf sich während des Konzerts bewegen und den Platz wechseln. Neben der Barrierefreiheit wird auf starke Lichteffekte und laute Musik verzichtet. Es gibt zudem einen Ruheraum, in dem sich Menschen, die eine Pause benötigen, zurückziehen können. Assistenztiere dürfen in den Saal mitgenommen werden.
3. Zonen für Frauen
Bei grossen Festivals in Grossbritannien und Skandinavien gibt es zunehmend abgetrennte Frauenbereiche vor den Bühnen. Sie sollen Schutz vor Belästigungen bieten und die Sicherheit im Gedränge erhöhen. In der Schweiz setzen Veranstalter bislang vor allem auf Awareness-Konzepte, geschulte Teams und Rückzugsorte.
Eine Ausnahme war die Show der Berliner Rap-Crew K.I.Z. im Zürcher Dynamo. Auf Wunsch der Band war der Einlass Männern untersagt. Weibliche Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Das ausverkaufte Konzert zeigt, dass das Konzept auch in der Schweiz auf Interesse stösst.
4. Musik für Gehörlose
Technische Hilfsmittel können Konzerte für alle zugänglicher machen. Beim bandXost-Finale in St. Gallen kam eine Vibrationsbühne zum Einsatz.
Sie überträgt die Schwingungen der Musik auf den Körper, sodass Menschen mit Hörbeeinträchtigung die Musik körperlich erleben können. Währenddessen haben Gebärdensprachdolmetscherinnen die Liedtexte übersetzt.
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