St. Galler Traditionsmesse – Christine Bolt: «Olma ist mehr als nur St. Gallen und Bratwürste»

Die Olma ist wohl die letzte grosse Traditionsmesse der Schweiz. Autosalon Genf, Züspa und Muba sind verschwunden. Was ist das Erfolgsrezept der Olma? Und wie gelingt der Spagat zwischen Tradition und Moderne? Christine Bolt ist Geschäftsführerin der Olma Messen St. Gallen AG und spricht über Herausforderungen und Zukunftspläne.
Christine Bolt
CEO der Olma Messen St. Gallen AG
Christine Bolt ist seit Juni 2020 CEO der Olma Messen St. Gallen AG. Zuvor war sie stellvertretende Leiterin des «St. Galler Tagblatts», davor Direktorin von Toggenburg Tourismus. Sie hat an der HSG studiert, arbeitete dann auf einer Bank und bildete sich weiter als eidg. Marketingplanerin und dipl. Verkaufsleiterin und hat einen Master of Advanced Studies.
SRF News: Während andere Traditionsmessen wie die Züspa, die Mustermesse Basel oder der Genfer Autosalon verschwunden sind, gibt es die Olma noch immer. Was ist das Geheimnis?
Christine Bolt: Ich glaube, da spielen viele Faktoren zusammen. Die Olma hat stets viel investiert und sich laufend weiterentwickelt. Die entscheidende Frage lautet: Wie bleibt man aktuell und gleichzeitig seinen Wurzeln treu? Mit unseren Themen Landwirtschaft und Ernährung sind wir nach wie vor sehr nah am Puls der Zeit. Deshalb sind wir noch immer ein grosser Magnet.
Eine Messe muss strategisch entscheiden, in welche Produkte sie investiert. Erfolg entsteht nicht von allein.
Warum sind andere grosse Messen und Ausstellungen in der Schweiz verschwunden?
Es ist schwierig, darüber zu urteilen. Entscheidend ist nicht die Frage, ob Messen grundsätzlich noch gebraucht werden, sondern wie man sie gestaltet und auf welche Themen man setzt. Eine Messegesellschaft muss strategisch entscheiden, in welche Produkte sie investiert. Erfolg entsteht nicht von allein.
Sie haben einmal gesagt, Sie wollten vom reinen «Bratwurst-Image» wegkommen. Ist Ihnen das gelungen?
Teilweise schon. Natürlich gehören Bratwürste und Ostschweizer Spezialitäten zu uns. Aber wir sind mehr als das. Schritt für Schritt gelingt es uns, dieses breitere Bild zu vermitteln. Dennoch wird die Olma ausserhalb der Ostschweiz oft zuerst mit St. Gallen und der Bratwurst verbunden.
Auch das Säulirennen gehört zur Olma. Es ist ein Publikumsmagnet, aber auch umstritten. Aktuell werden Unterschriften gesammelt, die verlangen, dass man das Rennen abschafft.
Ich verstehe, dass manche Menschen das kritisch sehen. Wir selbst haben jedoch eine andere Haltung. Die Tiere werden sorgfältig betreut und trainiert. Wir arbeiten eng mit dem Veterinäramt zusammen und legen grossen Wert auf das Wohl der Tiere.
Die Vision der Olma ist deshalb, ein lebendiger Stadtteil mit zusätzlichen Nutzungen wie Wohnen.
Sie sind inzwischen seit mehr als sechs Jahren Geschäftsführerin der Olma Messen St. Gallen. Was reizt Sie heute noch an der Aufgabe?
Vor allem die künftige Entwicklung des gesamten Ausstellungsareals. Das Gelände wird zwar bereits intensiv genutzt, aber es gibt Zeiten, in denen es nur teilweise ausgelastet ist. Die Vision ist deshalb ein lebendiger Stadtteil mit zusätzlichen Nutzungen wie Wohnen, Bildung, Hotellerie oder Dienstleistungen.
Das heisst, künftig kann man auf dem Olma-Areal wohnen?
Grundsätzlich ja. In welcher Form genau, ist heute noch offen. Aber wir wollen das Areal stärker mit dem städtischen Leben verbinden und zusätzliche Ertragsquellen schaffen.
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