Proteste in Frankreich – Pink Panther und brennendes Paris: Diese Fake-Fotos kursieren

Paris brennt – diesen Eindruck erweckt ein Luftbild, auf dem Rauchsäulen aus der nächtlichen Stadt aufsteigen. Dieses entlarvte France24 rasch als KI-generiertes Bild. Was ist echt, was Fake? Auch die SRF‑Community bewegt das, mehrere Fragen sind eingegangen. Der Faktencheck.
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Bild 1 von 2. Ein brennendes Paris: Das Bild kursierte nach den Protesten auf Social Media. Es wurde mit KI erstellt. Bildquelle: KI-Bild/Instagram/@lionel_saal_.
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Bild 2 von 2. Auch das arme Rentnerpaar, welches auf der Strasse drangsaliert wird, ist ein mit KI generiertes Foto. Bildquelle: KI-Bild/X/@DolceVenezia74.
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Widerlegt: Die Festnahme des Pink Panther
Selbst ein als Pink Panther verkleideter Demonstrant soll an den Protesten in Paris teilgenommen haben – und von der Polizei festgenommen worden sein. Gemäss einer Analyse von France24 wurden die Bilder von ChatGPT generiert und verändert.
Nicht bestätigt: Gezielte Angriffe gegen jüdische Geschäfte
Ein französischer Journalist behauptete, in Marseille seien gezielt Geschäfte jüdischer Besitzer angegriffen worden. Der Dienst zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft (SPCJ) in Frankreich stellte auf X klar: Es seien auch Geschäfte jüdischer Betreiber angegriffen worden. Aber es gebe keine Hinweise auf gezielte Auswahl aufgrund der Religion.
Bestätigt: Einbruch und Verwüstung von Synagoge
Der SPCJ bestätigte zudem, dass in Paris in eine Synagoge eingedrungen wurde und es dort Zerstörungen gegeben habe. Es seien aber keine antisemitischen Zeichen festgestellt worden, man gehe von einem Einbruch aus.
Hinter den gewalttätigen Protesten sollen «zionistische Netzwerke», Juden, der israelische Auslandgeheimdienst Mossad stehen. In einer Untersuchung stellte das amerikanische Combat Antisemitism Movement (CAM) binnen zweier Tage allein auf X 1384 entsprechende Beiträge fest. Teils mit Gewaltaufrufen. Diese Meldungen entsprechen der seit Langem verbreiteten antisemitischen Verschwörungserzählung der Juden als angebliche geheime Weltmacht, der fast alles Böse zugeschrieben wird. Dieses Muster zeigte sich beispielsweise auch während der Covid‑19-Pandemie, wie Berichte der EU-Kommission nachwiesen.
Unbestätigt: Mehrheit der Täter hätte muslimischen Hintergrund
In verschiedenen Posts werden Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimischen Ländern als angebliche Haupttäter bezeichnet. Teilweise wurden solche Behauptungen mit Fotos von ausländisch aussehenden vermuteten Plünderern unterlegt. Fakt ist: Es gibt noch keine detaillierte Auswertung der Tatverdächtigen nach religiösem oder kulturellem Hintergrund.
Von 186 inhaftierten mutmasslichen Gewalttätern hat das Justizministerium erste Profile erstellt. Die AFP konnte das Dokument einsehen. Demnach zeigt sich:
- 95 Prozent sind Männer
- 68 Prozent sind 25 Jahre alt oder jünger
- 70 Prozent Franzosen, fast alle in Frankreich geboren
- 52 Prozent nicht vorbestraft
Zu einem möglichen politischen Hintergrund der Verdächtigen macht der Bericht keine Angaben.
Gemäss einem Bericht von TV5 gehen französische Geheimdienste davon aus, dass «ultralinke» und «radikale Linke» bei Gewaltausbrüchen an vorderster Front dabei gewesen seien. Das deckt sich beispielsweise mit der Forschung des Counter Extremism Projects (CEP). Breite Proteste wie in Frankreich würden auch gewaltbereite politische Gruppen anziehen. Als Linksextremist gilt gemäss Behörden auch jener Mann, der verdächtigt wird, an der Brandstiftung des Rathauses von Limoges beteiligt gewesen zu sein.
Nicht bestätigt: Sturmgewehre
Kalaschnikows und Maschinenpistolen seien bei Demonstrierenden gefunden worden, das sagte eine Journalistin im Sender Cnews. Sie bezog sich dabei auf den Inlandsnachrichtendienst DGSI. Dieser dementierte das öffentlich.
Bestätigt: Wiederverkauf geplünderter Ware
Make-ups, Kleider, Parfums: Mehrere Medien haben auf Vinted oder Tiktok festgestellt, dass offensichtlich während der Krawalle und Plünderungen vom 17. Oktober gestohlene Ware dort angeboten wird. Teils mit Kommentaren wie «17/10 profitabel».
Widerlegt und bestätigt: Palästina-Flaggen
Auf einem Foto stehen scheinbar mehrere Menschen auf der Spitze des Eiffelturms und haben grosse Palästina-Flaggen gehisst. Auch dieses wurde von Faktencheckern als Fake entlarvt. Bilder einer Demonstration mit vielen Palästina-Flaggen kursieren. Das Video ist echt, stammt jedoch von einer Demonstration 2025.
Allerdings ist es zutreffend, dass manche Demonstrierende tatsächlich Palästina-Flaggen trugen, auch auf dem Monument an der zentralen Place de la République. Dies belegen unter anderem Videos von Getty Images.
Gewaltsame Proteste, Verwüstungen, Plünderung: Wie weit es hier besonders online zu fremder Einflussnahme und Desinformation gekommen ist, untersucht nun die EU. Gemäss einem Bericht der «Financial Times» («FT») stehen prorussische und weit rechtsstehende Social-Media-Accounts im Verdacht. Möglich ist – wie bereits in früheren Fällen vermutet wurde –, dass versucht wurde, auf Plattformen bestehende Dynamiken zu verstärken und falsche Erzählungen anzuheizen.
In Italien, wo es ebenfalls zu gewaltsamen Protesten und Plünderungen kam, sagte der Verteidigungsminister, es werde ein hybrider Krieg geführt.
Neben Russland sieht ein Forscher der Pariser Science Po auch das iranische Regime sowie Algerien als mögliche Treiber hinter Einflussnahmen in Frankreich.
Die EU will in der Untersuchung zudem die Rolle von Social Media analysieren. Die Konzerne müssten sicherstellen, dass ihre Plattformen nicht missbraucht würden. «Gewalt, die offline passiert, darf nicht durch Algorithmen verstärkt werden», so Pressesprecher Thomas Regnier in der «FT».
Bestätigt, aber in falschen Kontext gestellt: Frau versucht, Geschäft zu schützen
Die Frau ruft «Stopp!», will vor einem Geschäft Plünderer abhalten. Das Video wurde als echt bestätigt. Nur: Manche Accounts erzählten eine andere Geschichte: Die Frau sei Ladenbesitzerin und Aktivistin, die sich für Flüchtlinge eingesetzt habe. Tiktok-Posts zeigen vermeintlich sie mit einem «Refugees welcome»-Plakat – eine Fälschung.
Ähnlich bei Fotos, die die Polizei zeigen: Eines soll Beamte zeigen, die selbst ein Geschäft plündern – wobei sie tatsächlich Beweise sichern. Andere sollen Polizeigewalt dokumentieren – sind aber von anderen, früheren Demonstrationen.
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