Pilotversuch – Wie Wolle von Schwarznasenschafen die Gletscher schützen könnte

Sie sieht zwar schön aus, ist aber rau, kratzig und schwierig zu verarbeiten. Deshalb bleiben Schwarznasenschaf-Züchterinnen und -Züchter oft auf ihrer Wolle sitzen. Häufig bleibt nichts anderes, als den Rohstoff zu entsorgen. Auch deshalb ging die Zahl der Schwarznasenschafe in den letzten Jahren zurück. Für Züchterinnen und Züchter stehen Aufwand und Ertrag je länger, umso weniger in einem guten Verhältnis.
Der Dämmstoffproduzent Fisolan aus Worb BE könnte nun zu einem Abnehmer des unbeliebten Rohstoffs werden. Die Firma stellt aus Schafwolle bereits Stoffe zur Gebäudeisolierung und andere Dämm-Materialien her. Nun will Fisolan vermehrt auch auf Wolle von Schwarznasenschafen setzen.
Wir glauben, dass das Wallis in Sachen Isolationsmaterial aus Schafwolle noch viel Potential hat.
Für diese Wolle spricht laut Fisolan-Chef Niklaus Sägesser, dass sie vergleichsweise günstig ist und es genug davon gibt. «Wir glauben, dass das Wallis in Sachen Isolationsmaterial aus Schafwolle noch viel Potenzial hat», sagt Sägesser. Fisolan will deshalb diesen Herbst 10 bis 13 Tonnen der Wolle verarbeiten, um zu schauen, wie gut sie sich für Isolationsmaterialien eignet.
Mit Schafwolle die Gletscher isolieren
In einem Pilotversuch hat die Summit Foundation zusammen mit der Universität Lausanne diesen Sommer bereits zwei Planen, die Fisolan hergestellt hat, getestet – auf dem Glacier Les Diablerets, 3000 Meter über Meer. Der Versuch soll zeigen, ob die Planen aus Schafwolle den hochalpinen Bedingungen standhalten, und ob sie einen ähnlich guten Sonnenschutz bieten wie die Planen aus Kunststoff.
Langfristig möchte die Summit Foundation so einen Ersatz für Kunststoff-Planen finden, die bereits heute zum Schutz von Gletschern und Schneeflächen eingesetzt werden. Planen aus Schafwolle wären eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Alternative.
Noch sind nicht alle Daten des Versuchs ausgewertet. Erste Beobachtungen würden aber zeigen, dass die Planen aus Wolle ähnliche Ergebnisse erzielten wie die Kunststoff-Decken, schreibt die Summit Foundation auf ihrer Webseite. Erst wenn der Versuch ausgewertet ist, wird sich entscheiden, ob Gletscherschutzplanen aus Wolle der Schwarznasenschafe eine Zukunft haben.
Es ist schade, wenn dieser wertvolle Rohstoff einfach im Abfall landet.
Alya Bärtschi, die Präsidentin des Oberwalliser Verbands für die Zucht von Schwarznasenschafen, freut sich über das steigende Interesse an der Wolle: «Es ist schade, wenn dieser wertvolle Rohstoff einfach im Abfall landet», sagt sie. Ein Grossabnehmer wie Fisolan könnte auch wieder mehr Züchterinnen und Züchter motivieren, auf Schwarznasenschafe zu setzen.
Niklaus Sägesser von der Firma Fisolan will noch keine langfristigen Versprechen abgeben. Er sei in erster Linie Unternehmer, nicht Wohltäter. Aber: Erste Versuche hätten gezeigt, dass die Wolle von Schwarznasenschafen für Isolationsmaterialien durchaus interessant sein könnte. «Wenn sich die Wolle bewährt, ist es schon das Ziel, in den nächsten Jahren mehr davon zu beziehen.»
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.9.2026, 6:31 Uhr ; kemo;ante;liea
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