Künstliche Intelligenz – Filme ohne Menschen? So verändert KI das Filmgeschäft

Gibt’s bald keine Schauspieler und Schauspielerinnen mehr? Keine Kameraleute und Make-up-Experten? Es befürchten viele, dass Filmstudios dank KI über kurz oder lang auf Menschen verzichten. Es wird eher kurz sein.
Wenn man sich anschaut, was bei der Produktion von Mikrodramen allein dieses Jahr passiert ist, ist das kein Katastrophenszenario aus ferner Zukunft, sondern schon fast Realität.
Mikrodramen sind Serien im Hochformat, gezielt gedreht fürs Smartphone. Die Folgen sind kurz, zwischen einer und drei Minuten. Eine Staffel hat zwischen 40 und 90 Folgen. Wegen der Kürze der Folgen sind die Inhalte komprimiert, überspitzt, hochgradig dramatisiert und schnell.
Mikrodramen sind in China seit Corona ein riesiger Hype. Der Umsatz ist höher als der an den Kinokassen. Anfangs war es ein Spielfeld für junge Regisseurinnen und Regisseure und Schauspielende. Das hat sich geändert. Rund 95 Prozent sollen heute mithilfe von KI produziert werden.
KI-Mikrodrama «The Laid-off Girl»
Auch ausserhalb Chinas vollzieht sich dieser Wandel. Das Branchenmagazin «The Hollywood Reporter» berichtet unter Berufung auf die Studie «What We Watched on Vertical», dass die Anzahl KI-generierter Geschichten im Verlauf des Jahres rasant zugenommen hat. Waren es anfangs nur drei Prozent auf den 20 erfolgreichsten Plattformen, sind es mittlerweile zwei Drittel.
Das, was bei Mikrodramen passiert, kann schnell auch bei Kinofilmen und Streaming-Content passieren. Der Prozess ist längst im Gange. Weil diese Art von Filmen billig ist und weil man weniger Personal braucht.
«The Odyssey» aus dem Computer
Der mehrfach oscarnominierte Regisseur Darren Aronofsky veröffentlichte im Januar die Historien-Webserie «On This Day … 1776». Die Bilder sind KI-generiert, hergestellt mit einer Text-zu-Video-Software. Für die Dialoge wurden Synchronsprecher engagiert. Und Elon Musk hatte vor Wochen, weil er Christopher Nolans «The Odyssey» nicht mochte, angekündigt, bis Ende des Jahres eine eigene KI-generierte Version des Stoffes rauszubringen. Auf X konnte man bereits die ersten sieben Minuten sehen.
Vor drei Monaten hatte Elon Musk angekündigt, nach Christopher Nolans Kinohit «The Odyssey» eine eigene KI-Version des antiken Epos zu erstellen. Nun hat Grok Imagine, der Bild- und Videogenerator von Musks Unternehmen xAI, eine erste Episode des Projekts veröffentlicht – und dafür hauptsächlich Kritik und Spott geerntet.
Der britische «Guardian» titelte etwa, die Interpretation sei die «langweiligste und sinnloseste» Antwort, die man sich auf Nolans Epos vorstellen könne. Ein Autor des «Forbes»-Magazins schrieb, das Video sei «einfach furchtbar. Es ist fast schon lächerlich unangenehm, mit gestelzten Dialogen und leblosen Figuren.» Auch andere Kommentare fielen überwiegend negativ aus.
Eigentlich hatte Musk im Juli einen Film und keine einzelnen Folgen angekündigt. Damals schrieb der Tech-Milliardär: «Noch vor Ende des Jahres wird Grok Imagine einen abendfüllenden Film über die Odyssee machen, der historisch korrekt ist und Homers Werk gerecht wird.» (sda/dpa)
Trotz Defiziten in Schnitt und Storytelling muss man sagen: Optisch sieht es gut aus. Es erfüllt die Ansprüche eines B‑Movies. Ein anderes Beispiel: Die türkische Serie «Castle Walls» gilt als weltweit erste von einer grossen globalen Streaming-Plattform vermarktete Serie, die weitgehend mit KI produziert wurde. Drehbücher, Storyboards sowie die Stimmen kamen allerdings noch von Menschen.
KI kann auch Gutes bewirken
Einige sehen in der Entwicklung Chancen. Wie die britische Regisseurin Jenny Krakowski, die mit einem BBC-Interview im Oktober für Schlagzeilen sorgte.
Sie erklärte, dass die Technik eine Chance für junge Filmemacher wäre, weil sie so kostengünstig Filme machen könnten, ohne sich um die Finanzierung kümmern zu müssen und mit Produktionsfirmen oder Studios über den Inhalt zu verhandeln. Krakowski selbst hat in 30 Tagen den Krimi «Boss» fertiggestellt.
Ausserhalb unserer Kontrolle?
Es ist absehbar, dass die Entwicklung zu einem massiven Jobverlust in der Filmbranche führen wird.
Das ist schlimm, aber wahrscheinlich muss man es pragmatisch sehen, so wie Altstar Sylvester Stallone. Der hatte unlängst im Podcast «The Overlap» laut über einen Film nachgedacht, in dem er Mensch und KI verbinden wollte: «Ich würde dieses Risiko eingehen, auch wenn man von der Kreativszene heftig kritisiert wird. Und ihre Kritik ist berechtigt! Sie haben recht. Aber wir können das nicht aufhalten. Es ist eine Lawine. Es ist einfach ausserhalb unserer Kontrolle. Wer sich dem nicht anschliesst, wird davon überrollt.» Das wird wohl die traurige Wahrheit sein.
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