New Yorker aus dem Häuschen – wegen Schleiereulen-Familie

Darum gehts
- In einem Wasserturm auf einem Hochhaus in Manhattan lebt neu eine Schleiereulenfamilie.
- Bis zu acht Eulen wurden gesichtet, darunter sechs Jungtiere.
- Fachleute freuen sich über die seltenen Vögel, fürchten aber, dass sie durch Rattengift sterben könnten.
In New York gibt es nichts, was es nicht gibt. Den Eindruck dürfte jeder bekommen, der schon einmal die US-Metropole besucht hat. Der neuste Zuzug bestätigt das. Denn neu zählen auch Schleiereulen zu den Bewohnern der «Stadt, die niemals schläft». Eine ganze Reihe von Exemplaren hat es sich in einem Wasserturm eines Hochhauses in der Upper West Side gemütlich gemacht. Davon zeugen die zahlreichen Fotos, die seit Tagen die sozialen Medien fluten.
«Wirklich aufregend»
Die Zügelaktion selbst erfolgte zunächst unbemerkt. Der Vollzug war dann aber nicht zu überhören, wie Elisabeth Williams der «New York Times» erzählt. Die Anwohnerin berichtet von Kreischlauten und Keuchen (siehe Video oben), die ab September plötzlich des Nachts zu hören waren. Wer so tönte, blieb zunächst unklar. Aber Williams wusste: «Was auch immer dieses Geräusch verursachte, es war keine gewöhnliche Taube.»
«Was auch immer dieses Geräusch verursachte, es war keine gewöhnliche Taube.»
Erst nach Wochen gelang ihr ein erster Schnappschuss. Und sie erkannte: In ihrer Nachbarschaft lebt neu eine Schleiereule. Das abgelichtete Tier tauften sie auf den Namen Scotty. Dann erkannten Williams und ihr Mann, dass Scotty nicht alleine war, sondern mitsamt seiner Familie in den Wasserturm gezogen war. Laut Wilson wurden dort bislang bis zu acht Eulen gesichtet: zwei ausgewachsene Tiere und bis zu sechs Jungtiere. Die Kleinen lernten jetzt zu fliegen und zu jagen.
«Wirklich aufregend»
«Die Existenz eines Nests mitten in der grössten Stadt des Landes ist wirklich aufregend», sagte Jessica Wilson von der NYC Bird Alliance zu CBS News New York. Auch der Vogelbeobachter David Barrett von Manhattan Bird Alert zeigt sich begeistert. Es sei «ein ganz besonderes Erlebnis», an einem solchen Ort mitten in der Stadt Eulen beobachten zu können. Normalerweise seien Schleiereulen in Manhattan äusserst selten anzutreffen. New York liege an der nördlichen Verbreitungsgrenze der Art. Ihr Lebensraum habe sich durch die Bebauung dramatisch verkleinert.
Gute Nachrichten, aber auch eine Angst
Auch der Ornithologe Paul Sweet vom American Museum of Natural History zeigte sich gegenüber «Hell Gate» erfreut über das Auftauchen der nachtaktiven Vögel. Das sei ein Indiz dafür, dass «einige Gebiete in New York City greifvogelfreundlicher werden».
Was würdest du bei den New Yorker Schleiereulen am liebsten als Erstes beobachten?
Doch ganz ungetrübt ist die Freude über die tierischen Neu-New-Yorker nicht. Vogelbeobachter und Fachleute sorgen sich auch: Weil sie Nagetiere fressen, könnten sie durch Ratten- und Mäusegift vergiftet werden. «In New York City werden Ratten oft mit Gift bekämpft. Dieses trifft jedoch nicht nur die Ratten, sondern auch ihre natürlichen Fressfeinde», sagte Wilson. Da Schleiereulen täglich mehrere Ratten erbeuten, sei das Risiko hoch, dass auch sie daran sterben (siehe Box).
Für all diejenigen, die selbst schauen möchten, was Manhattans Schleiereulen treiben, aber nicht vor Ort sein können, gibt es auf Youtube einen Livestream.
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