Stellenabbau auch im Aargau – Vitaminproduzent DSM-Firmenich streicht 230 Jobs

Es ist eine schlechte Nachricht für den Werkplatz Aargau. Der schweizerisch-niederländische Grosskonzern DSM-Firmenich baut im Bereich der Vitaminproduktion weltweit 230 Stellen ab. Dabei trifft es auch das Fricktal, wo der Hauptsitz dieser Sparte ist. An den Standorten Sisseln und Kaiseraugst sollen 50 Stellen verschwinden. Der Konzern bestätigt diese Recherchen von SRF am Freitag auf Anfrage.
Aktuell arbeiten noch rund 1000 Leute im Aargauer Werk in Sisseln sowie 200 in Kaiseraugst. Ein weiteres Standbein des Konzerns liegt gleich ennet der Grenze im süddeutschen Grenzach. Ob es dort auch zu einem Abbau kommt, will das Unternehmen nicht sagen. Insgesamt arbeiten 7500 weltweit für Animal Nutrition & Health, wie der Bereich offiziell heisst.
DSM-Firmenich begründet die Stellenstreichung mit den «veränderten Marktbedingungen» und will so die «langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken». Es fänden nun Gespräche mit Arbeitnehmervertretern statt, und es würden alle Möglichkeiten geprüft, um «die Auswirkungen für die Mitarbeitenden zu begrenzen», schreibt das Unternehmen.
Riesiger Druck aus China
DSM-Firmenich besitzt in Sisseln etwa das weltgrösste Produktionswerk für Vitamin E und ist auch bei anderen Vitaminen stark im Geschäft. Aber der Bereich ist stark unter Druck. Denn China erobert immer mehr Marktanteile, weil dort günstiger produziert wird. So werden die wichtigsten Vitamine schon zu 80 Prozent in China hergestellt, beim Vitamin C sind es gar schon 90 Prozent der weltweiten Menge.
Man arbeite hart daran, auf allen Ebenen so effizient wie möglich zu sein, sagte Silvia Sonneveld, die Leiterin des Vitamingeschäfts von DSM-Firmenich, kürzlich gegenüber SRF und deutete an, wie hoch der Druck ist. So sei die Situation auf dem Markt bei manchen Produkten fragil. «Ab einem gewissen Punkt wird es eine wirtschaftliche Frage für das Unternehmen, ob man die Herstellung eines Produkts aufgibt», so Sonneveld.
Ein weiterer Grund für den Stellenabbau dürfte aber auch der von DSM-Firmenich im Februar angekündigte Verkauf dieses Bereichs sein. Käuferin ist die luxemburgische Private-Equity-Gesellschaft CVC. Sie will aus den beiden Bereichen Tiergesundheit und Vitaminproduktion je ein eigenes Unternehmen mit Hauptsitz in Kaiseraugst machen.
Ursprung liegt bei Roche
Wie bei solchen Investmentgesellschaften üblich, werden die übernommenen Unternehmen oder Firmenteile jeweils restrukturiert und fit getrimmt, sodass sie in einigen Jahren mit Gewinn weiterverkauft werden können. Insofern passt der nun angekündigte Stellenabbau bestens ins Bild.
Die Belegschaft in Sisseln und Kaiseraugst ist sich aber Besitzerwechsel gewohnt. Ursprünglich hat Roche die Vitaminproduktion aufgebaut, die Sparte dann aber 2003 an die holländische DSM verkauft. Kurz zuvor kam es zum Vitaminskandal: Roche musste wegen weltweiter Kartellabsprachen Bussen von insgesamt über 3 Milliarden Franken zahlen.
Viele Besitzerwechsel
DSM wiederum fusionierte vor drei Jahren mit dem Genfer Aromahersteller Firmenich, worauf die Umbenennung in DSM-Firmenich erfolgte und – wie schon unter DSM – ein Teil der Konzernzentrale in Kaiseraugst angesiedelt wurde. Nun wurde die Vitaminproduktion wieder verkauft mit Folgen für das Personal.
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